Deutsch lernen mit KI: Ein Tool für ausländische Fachkräfte?
Mithilfe von KI zielgerichtet Deutsch lernen im Beruf – das verspricht der Langenscheidt Language Coach. Wie praxistauglich ist das Tool im Handwerksalltag?
Auf einen Blick
Dass viele Branchen abhängig von Fachkräften aus dem Ausland sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: 2024 hatte rund die Hälfte der Beschäftigten im Gerüstbau in Deutschland einen Migrationshintergrund, in der Schweiß- und Verbindungstechnik lag der Anteil sogar bei 60 Prozent.
Doch nach der Einstellung stellt sich oft eine neue Herausforderung: Sprachbarrieren müssen überwunden werden, damit Mitarbeitende in Arbeitsabläufe und Kommunikation eingebunden werden können. „Ein allgemeiner Deutschkurs kann diesen berufsspezifischen Bedürfnissen oft nicht gerecht werden“, betont der Langenscheidt-Verlag.
An dieser Stelle soll der neue Langenscheidt Language Coach ansetzen: ein KI-Modell, das Sprachübungen an den jeweiligen Betrieb und an die Lernenden anpassen soll. Genaueres hat Lars Janzik, CEO von Pons Langenscheidt, zu dem Tool erklärt – und wir haben die kostenlose Version mit Blick auf Handwerker selbst getestet.
Wo der Langenscheidt Language Coach bereits Fachkräfte unterstützt
„Wir haben unser System bereits in zahlreichen Branchen und sogar in hochspezialisierten technischen Fachgebieten getestet – stets mit sehr guten Ergebnissen“, berichtet Janzik. Eingesetzt werde das Tool bereits etwa in Pflege, Logistik, Bau und Transport, um ausländische Fachkräfte sprachlich zu unterstützen.

Englisch und Deutsch mit KI lernen? Was das Modell kann
Wie soll sich der Langenscheidt Language Coach nun konkret an die Bedürfnisse eines Betriebs anpassen?
Die kostenpflichtige Unternehmensversion enthält den sogenannten Coaching- / Supervisor-Bereich. „Dort können eigene Sessions und Lehrinhalte erstellt und für Lernende gespeichert werden“, erklärt der CEO von Langenscheidt.
In diesem Bereich ließen sich betriebsinterne Materialien wie Sicherheitsanweisungen hochladen. Auch branchenspezifisches Vokabular – etwa Maschinenbegriffe, Werkzeuge oder typische Formulierungen aus der Kundenkommunikation – könnten dort hinterlegt werden. „Auf dieser Grundlage werden für die gewählte Sprache und das gewünschte Niveau individuelle Aufgaben generiert“, so Janzik.
Um Lernende zu motivieren, setzt die Plattform auf Gamification-Elemente wie Badges und Streaks, ergänzt er. Badges sind kleine Auszeichnungen für erreichte Aufgaben, während Streaks anzeigen, wie viele Tage in Folge jemand gelernt hat.
Momentan sind Ausgangssprachen wie Türkisch, Spanisch und Hindi verfügbar. Der Geschäftsführer erklärt, dass das Angebot bei Bedarf kurzfristig erweitert werden könne. Die meisten der bisherigen Sprachen seien auf Kundenwunsch hinzugefügt worden.
Janzik nennt unter anderem folgende Funktionen der Unternehmensversion:
- zehn Ausgangssprachen sowie Übungen für Deutsch und Englisch auf den Niveaustufen A1 bis B2
- mehr als 500 verschiedene Übungstypen (Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben)
- KI-Conversation-Mode (Das Sprechen mit einem Avatar über den beruflichen Alltag)
- PDF-Import (zum Erstellen eigener Lerninhalte)
- Arbeitsblattgenerator
- ortsunabhängig und geräteübergreifend lernen
- zentrale Nutzerverwaltung
- personalisierbare und erweiterbare Trainingsinhalte
- KI-basiertes Feedback, Lernstatistiken und Gamification



Die kostenlose Version im Test
Um das Tool einordnen zu können, hat handwerk.com die kostenlose Version selbst getestet. Der erste Eindruck: Die Oberfläche ist übersichtlich und die Bedienung intuitiv gestaltet. Als Ausgangssprache haben wir uns für Englisch und als Lernsprache für Deutsch entschieden. Nach der Auswahl von Niveau und Lernziel gibt man ein Thema ein – in unserem Fall „Tischlerei-Ausbildung“. Das System generiert daraufhin thematisch passende Aufgaben, darunter Textaufgaben, aber auch Aussprachübungen und kurze Dialogsituationen. Dabei werden Inhalte aus dem Werkstattalltag aufgegriffen: etwa Begriffe aus der Holzverarbeitung und einzelne Fachbegriffe wie „Maserung“, die zusätzlich erläutert werden.
Auf der Website von Langenscheidt können Sie das Tool selbst testen.
Wie wir das Tool einordnen
Aus dem Test zeigt sich: Der Langenscheidt Language Coach kann als begleitendes Lernwerkzeug gut funktionieren – vor allem, um berufsbezogene Begriffe und typische Situationen aus dem Arbeitsalltag zu üben. Gleichzeitig wird deutlich, dass dafür ein gewisses Sprachniveau vorausgesetzt wird, um die Aufgaben der kostenlosen Version sinnvoll bearbeiten zu können. Um eine Sprache von Grund auf zu lernen, kommt man um Sprachkurse oder andere Lernmethoden nicht herum.
Das scheint jedoch auch nicht der Anspruch des Tools zu sein. Janzik betont die Zweckmäßigkeit und den beruflichen Bezug des Tools: „Kann man eine Sprache ausschließlich mit Software vollständig erlernen? Wir ermöglichen es Lernenden, ihre sprachlichen Fähigkeiten zielgerichtet und mit direktem Bezug zu ihrem beruflichen Anwendungsfeld auszubauen – unabhängig davon, ob sie Anfänger oder Fortgeschrittene sind. Dabei lernen sie genau das, was für ihre Situation relevant ist.“
Langenscheidt Language Coach: Kosten und Lizenzen
Für Privatnutzer kostet das Abo laut Janzik 9,99 Euro pro Monat oder 95,88 Euro pro Jahr. Diese Variante enthält jedoch keinen Supervisor-Bereich und ermöglicht keine betriebsspezifischen Anpassungen.
Für Unternehmen beginnen die Lizenzpreise bei 12,99 Euro pro Nutzer. Üblicherweise werden Pakete ab 25 Lizenzen angeboten, auf Wunsch seien aber auch kleinere Umfänge möglich.
Welche KI-Modelle nutzt der Language Coach?
Der Langenscheidt Language Coach nutzt verschiedene Large Language Modelle (LLMs), wie ChatGPT oder Mistral. „Unser Ansatz ist modellagnostisch – wir sind nicht an ein einzelnes Modell oder einen spezifischen Anbieter gebunden“, erklärt Janzik.
Grundlage des Produkts sei ein selbst entwickelter didaktischer Rahmen, der sich am Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (CEFR) orientiert. Dieser definiere sprachliche sowie didaktische Regeln und überprüfe die Ergebnisse.
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