handwerk.com fragt nach

„Es sollte ein Pflicht-Praktikum für Politiker geben“

Dachdeckermeister Oliver Oettgen wünscht sich, dass der Bundeskanzler ein Praktikum in seinem Betrieb macht. Er selbst würde gerne mal einen Tag mit einem bekannten CEO tauschen.

4 Min.14.04.2026, 14:46 Uhr (Aktualisiert am 30.04.2026, 15:39 Uhr)
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Dachdeckermeister Oliver Oettgen veranstaltet regelmäßig die „Fails Night“.
Dachdeckermeister Oliver Oettgen veranstaltet regelmäßig die „Fails Night“. Oliver Oettgen GmbH
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Oliver Oettgen führt nicht nur den Handwerksbetrieb Over Dach in Kerpen (NRW). Der Dachdeckermeister ist auch als Speaker und Podcaster bekannt. Außerdem organisiert er die Event-Reihe „Fails Night“, bei der Unternehmer aus dem Handwerk regelmäßig über ihre größten Fails berichten. In der Interviewreihe handwerk.com fragt nach verrät der Dachdeckermeister Spannendes von sich und aus seinem Berufsalltag.

Was macht Sie im Arbeitsalltag glücklich?

Oliver Oettgen: Wenn Menschen Verantwortung übernehmen und eine wirkliche Passion für ihren Job haben. Meiner Erfahrung nach gibt es das momentan nicht so oft, viele Leute machen Dienst nach Vorschrift. Deswegen freue ich mich besonders, wenn ich junge Leute treffe, die Power haben und beruflich richtig was erreichen wollen.

Auf welche App könnten Sie im Betrieb nicht verzichten?            

Wir nutzen Benetics als Kommunikations-App im Betrieb. Die Software hilft uns, die Baustellen mit dem Büro zu verbinden. Mit der App können wir zum Bespiel per Spracheingaben dokumentieren, was uns auf der Baustelle noch fehlt oder wo es einen Engpass gibt. Außerdem können wir damit Fotos ablegen, auf denen Probleme erkennbar sind oder Arbeitsergebnisse dokumentiert werden. Das ist für uns eine große Arbeitserleichterung.

Für mich als Speaker und Berater hingegen ist Youtube am wichtigsten. Das ist der Kanal, der aktuell am stärksten wächst und wo zum Beispiel auch die Fails Night zu sehen ist, die ich regelmäßig veranstalte.

Mit welchem Unternehmer würden Sie gerne für einen Tag die Rolle tauschen? Mit einem CEO von einem weltweit agierenden Unternehmen, zum Beispiel mit Elon Musk von Tesla. Ich würde gerne mal hautnah erleben, wie es ist, ein Unternehmen mit einer solchen Größe und mit diesen Möglichkeiten zu führen. Im Handwerk sind uns solche Volumina einfach nicht vergönnt, da wir unsere Produkte und Dienstleistungen in der Regel regional anbieten.

Und wer sollte mit Ihnen mal einen Tag tauschen?

Die Politik ist oft sehr weit weg von der Realität. Daher würde ich mir wünschen, dass der Bundeskanzler mal ein Praktikum bei mir im Betrieb macht, damit er sich persönlich einen Eindruck vom Arbeitsalltag im Handwerk verschaffen kann.

Ich halte es für absolut notwendig, dass die Politik so etwas wie verpflichtende Praktika für Berufspolitiker einführt. Das dürfen aber keine Praktika im Schongang sein, die Politiker müssen schon richtig mit anpacken, am besten einen ganzen Tag lang. Nur so können sie die Abläufe verstehen und erfahren, wo es Probleme gibt.

Was ist der beste Ratschlag, den Sie bislang bekommen haben?

Übernimm für dich und für dein Leben selber die Verantwortung, weil du nicht davon ausgehen kannst, dass jemand anderes es für dich tun wird. Dieser Ratschlag bewahrheitet sich für mich jeden Tag und er treibt mich an.

Was ist Ihr Lieblingspodcast?

Natürlich „Handwerk spricht“. Das ist der Podcast den ich selbst hoste. Ansonsten gefallen mir Podcasts „Lanz und Precht“ und „ungeskriptet by Ben“, die haben immer wieder interessante Themen.

Was kommt bei Ihnen beim Betriebsgrillen auf den Grill?

Das ist ganz einfach, ich übertrage diese Verantwortung meinen Mitarbeitenden. Ich stelle ihnen ein Budget für das Grillen zur Verfügung und sie dürfen aussuchen. Dann kommt das auf den Grill, was die Belegschaft gerne möchte. In der Regel sind das Würstchen, Nackensteaks, Hähnchen oder Putenbrust. Wichtig ist natürlich auch eine Auswahl an Salaten.

Welche Musik hören Sie am liebsten auf der Baustelle?

Ich bin Jahrgang 1983 geboren und bin mit deutschem Hip-Hop aufgewachsen. Besonders freue ich mich, wenn Hits gespielt werden, die zwischen 1995 und 2000 entstanden sind. Einen Lieblingshit aus dieser Zeit habe ich aber nicht.

Welches Buch sollte jeder Handwerksunternehmer lesen?

Ein wichtiges Buch ist definitiv „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath. Er schafft es in diesem Buch einfach, die Leute mitzunehmen und diesen Klick-Effekt im Kopf herzustellen.

Wenn Sie noch einen Beruf lernen sollten: Wofür würden Sie sich entscheiden?

Grundsätzlich würde im Handwerk bleiben. Aber ich würde auch eine technische Ausbildung machen und mich intensiv mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Dieses Know-how würde ich dann im Handwerk anwenden und meinen Betrieb damit weiter voranbringen.

Sie gewinnen plötzlich eine Million Euro. Was machen Sie damit? 

Das Geld würde ich definitiv in mein Inklusionsprojekt investieren und es weiterentwickeln. Leider ist diese Summe noch etwas zu klein, weshalb ich noch ein bisschen länger sparen beziehungsweise sammeln müsste. Aber ich bin schon da dran: Es soll bald einen Förderverein für dieses Projekt geben.

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