Sozialversicherung

Lohnnebenkosten: Pauschale Erhöhung trifft besonders das Handwerk

Das Handwerk ist besonders arbeitsintensiv, deshalb kommen Mehrkosten für Sozialversicherungen die Betriebe teuer. Eine aktuelle Studie warnt vor den Folgen, vor allem in zwei Gewerken.

2 Min.06.02.2026, 17:46 Uhr
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Kleine Betriebe aus arbeitsintensiven Gewerken würden unter einer Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge leiden.
Kleine Betriebe aus arbeitsintensiven Gewerken würden unter einer Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge leiden. Mediaparts - stock.adobe.com
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Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten würde das Handwerk stärker als andere Branchen treffen. Der Grund dafür ist die Struktur der Branche: Die Personalkostenquote liegt im Handwerk im Durchschnitt mit gut 37,5 Prozent über dem Wert des gesamten Mittelstands von 35 Prozent, wie eine aktuelle Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (IFH Göttingen) ergab.

Gleichzeitig variieren die Arbeitskosten und damit auch die Kosten für die Sozialversicherungen (SV) innerhalb des Handwerks erheblich. So lag die Personalkostenquote in Sachsen-Anhalt mit 43,2 Prozent besonders hoch und in Hamburg mit 31,7 Prozent am niedrigsten, ermittelte die Befragung. Gewerke mit besonders hohen Kosten sind unter anderem Friseure sowie Maler und Lackierer. Ein hoher SV-Anteil wirke sich vor allen in kleinen, arbeitsintensiven Betrieben stark aus, da die Kosten nicht durch Skaleneffekte und eine effizientere Produktion abgeschwächt werden könnten, heißt es in der Studie.

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Mehr Schwarzarbeit und mehr Schein-Selbstständigkeit

Eine pauschale Erhöhung der SV-Kosten könne daher zu Ausweicheffekten wie mehr Schwarzarbeit führen, warnen die Autoren des Papiers. Gleichzeitig könnte es mehr Solo-Selbständigkeit im Handwerk geben. Schon zwischen 1995 und 2010 stieg die Zahl der Solo-Betriebe um rund 241 Prozent; im Jahr 2010 waren mehr als 40 Prozent aller Handwerksbetriebe Ein-Personen-Unternehmen.

Problematisch sei dies, weil sich dahinter auch Scheinselbstständigkeit verbergen könne, warnt die Studie. In so einem Fall wird ein klassisches Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis nur formal in selbstständige Tätigkeiten überführt. Solche Konstruktionen seien vor allem in der Bauwirtschaft durch intensives Subunternehmertum sowie in personenbezogenen Dienstleistungsgewerken – etwa in Form von Stuhlmieten im Friseurhandwerk – verbreitet, heißt es weiter. Die Folge sei eine Wettbewerbsverzerrung, die vor allem Kleinstbetriebe benachteilige.

Um das Handwerk zu entlasten, sollten zukünftige Reformen der Sozialversicherung nach Betriebsgröße, Beschäftigungsstruktur und Arbeitsintensität differenzieren können, schlagen die Autoren vor. Denkbar seien etwa eine stärkere Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen, gezielte Entlastungen bei den Arbeitgeberbeiträgen oder eine stärkere Berücksichtigung der besonderen Struktur arbeitsintensiver Branchen.

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