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Fachkräftemangel?

Frauen ins Handwerk!

Ob Auszubildende, Fach- und Führungskräfte oder Nachfolge: Lauter Engpässe im Handwerk und keine Lösung in Sicht? Und was ist mit den Frauen? Sie sind im Handwerk deutlich unterrepräsentiert. Wie lässt sich das ändern?

Keine Exoten, aber unterrepräsentiert - Der Anteil von Frauen unter Azubis, Fachkräften und Chefinnen im Handwerk ist viel zu gering.
Der Anteil von Frauen unter Azubis, Fachkräften und Chefinnen im Handwerk ist viel zu gering.
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Diese Zahlen sprechen für sich:
- Anteil Frauen in der handwerklichen Ausbildung: 22 %. Gesamtwirtschaftlich: 39 %
- Anteil Frauen in handwerklicher Beschäftigung: 32 %. Gesamtwirtschaftlich: 47%

Frauen sind im Handwerk also keine Exoten. Doch sie sind deutlich unterrepräsentiert. Das belegt eine aktuelle Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh).

Woran das liegt und wie sich das ändern lässt? Hier eine Zusammenfassung der ifh-Ergebnisse:

1. Ausbildung: Interesse wecken – Chancen bieten – Abbrüche vermeiden

Das Interesse ist derzeit relativ gering, auf beiden Seiten: Offen für gewerblich-technische Berufe sind nur 10 % aller an einer dualen Ausbildung interessierten Schülerinnen (Männer: 60%). Doch wenn sich Frauen für einen solchen Ausbildungsplatz bewerben, bevorzugen die Arbeitgeber Männer mit gleicher Qualifikation.

Problemfeld Ausbildungsabbrüche: Statistisch gesehen brechen Frauen ihre Ausbildung häufiger ab als Männer. Und das scheint keine fachlichen Gründe zu haben, denn bei den Gesellenprüfungen haben Frauen einen höheren Erfolg zu verzeichnen als Männer.

Steigende Ansprüche: Einstellen müssen sich Ausbildungsbetriebe zudem auf einen Qualifikations-Wandel: Künftig werden mehr hochqualifizierte junge Absolventinnen einen Ausbildungsplatz suchen als Frauen mit einem Hauptschulabschluss. Das wird höhere Ansprüche an eine qualifizierte Ausbildung mit sich bringen.

Was ist zu tun?

  • Das Interesse junger Frauen am Handwerk müsste schon in der Schule gesteigert werden, empfiehlt das ifh: mehr praktische Erfahrungen, auch in kleinen Gewerken.
  • Notwendig sei zudem eine höhere Akzeptanz für weibliche Fachkräfte im Handwerk: In den Betrieben müsse sich eine Willkommenskultur entwickeln, die ihnen auch den Eintritt in männerdominierte Berufe erleichtert.
  • Um die Abbrecherinnenquote zu senken, schlägt das ifh unter anderem Patenschafts-Programme für weibliche Auszubildende vor, Maßnahmen zur Vernetzung der Auszubildenden untereinander und eine Sensibilisierung innerhalb der Betriebe für die Relevanz des Betriebsklimas.
  • Zudem sollten Handwerksorganisationen und Betriebe  gemeinsam ein attraktives Ausbildungsplatzangebot für höherqualifizierte Frauen entwickeln.
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Frauen als Fach- und Führungskräfte halten – wie geht das?

Ausbildung ist eine Sache, ein Berufsleben im Handwerk eine ganz andere: Denn dauerhaft im Handwerk bleiben nach der Ausbildung nur 30 % der Frauen.

Dennoch ist ihr Anteil an handwerklichen Beschäftigungsverhältnissen (39 %) insgesamt deutlich höher als in der Ausbildung. Die Gründe:

  • Ein Teil der Frauen wechselt irgendwann nach der Ausbildung aus anderen Branchen ins Handwerk und übernimmt dort vor allem kaufmännische Tätigkeiten.
  • Zudem beschäftigen viele Handwerksbetriebe un- und angelernte Frauen. Das treibt den Frauenanteil nach oben. Bei den technisch-gewerblichen Fachkräften liegt der Frauenanteil in den 39 wichtigsten Gewerken hingegen bei 18,6 %, in der Gruppe der Meister sind es sogar nur 12,7%.
Allerdings steigt der Frauenanteil bei den bestandenen Meisterprüfungen seit 1991 und lag 2013 bei 18,3%. Das liegt aber vor allem daran, dass immer weniger Männer die Meisterprüfung absolvieren, während die Zahl der Frauen relativ konstant geblieben ist.

Dabei ist die Fortbildungsbereitschaft der Frauen durchaus vorhanden und unterscheidet sich im Durchschnitt nicht von der der Männer. Dass ihr Anteil dennoch relativ gering ist, liegt vor allem an der Berufswahl in Richtung kaufmännischer Berufe.

Was ist zu tun?
Um den Verbleib von Frauen im Handwerk nach der Ausbildung zu fördern, sollten die Betriebe:
  • die Möglichkeiten flexibler Arbeits- und Teilzeitmodelle auch in männerdominierten Gewerken stärker nutzen
  • frühzeitige Übernahmegespräche mit den Auszubildenden führen
  • betriebsnahe Kinderbetreuungsangebote ausbauen
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Und wie gut gelingt es Frauen, das Potenzial der Selbstständigkeit im Handwerk zu nutzen? Das hat das ifh am Beispiel Niedersachsen untersucht:

  • Es gibt mehr Meisterinnen als Chefinnen im Handwerk.
  • 22 % aller Handwerksbetriebe werden von einer Frau geführt, insgesamt 18.000 Betriebe.
  • 24 % aller Gründungen nehmen Frauen vor (2013: 1700 Betriebe). Tendenz: steigend.
  • Knapp die Hälfte aller frauengeführten Betriebe kommt aus dem Friseur- und Kosmetikerhandwerk. Tendenz: stark sinkend.
Was ist zu tun?
Das ifh empfiehlt (nicht nur in Niedersachsen), Frauen verstärkt für die Rolle der Betriebsinhaberinnen zu gewinnen. Zum Beispiel durch:
  • Vorbilder, sowohl in den Handwerksorganisationen wie auch in den Medien
  • eine stärkere Vernetzung unter Inhaberinnen, Unternehmerfrauen, Meisterinnen und Töchtern stärken
  • Gründerinnenprämien für Frauen in männerdominierten Berufen, wie es sie bereits in Nordrhein-Westfalen gebe
  • Frauenspezifische Gründerinnenberatung
 Vorbilder gesucht? (jw)

 

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