Einer, der Wagnisse eingeht
Luxustreppen, individuelle Fräsarbeiten, Tiny-House-Ferienanlage: Nicolas Rothengast-Schmidt von Treppen Schmidt ist mit vielen Projekten erfolgreich. Rückblickend würde er aber einiges anders machen.
Auf einen Blick
Tischlermeister und Inhaber Nicolas Rothengast-Schmidt von Treppen Schmidt aus Reinholterode sagt mit Blick auf die Betriebsübernahme vor vier Jahren: „Ich habe meinen Mitarbeitern viel zugemutet.“ Der 30-Jährige hat den seit 80 Jahren bestehenden Traditionsbetrieb von seinem Vater Ferdinand Schmidt übernommen. Nicolas Rothengast-Schmidt führt den Betrieb in Thüringen nun in vierter Generation fort.
Spezialisierung auf Treppen
Sein Vater spezialisierte den Tischlereibetrieb im Jahr 2003 auf Treppen. „Das war ein super Gewinn, sich zu spezialisieren“, sagt Rothengast-Schmidt. „Wir waren mit die ersten in der Region, die eine CNC-Maschine angeschafft haben“, berichtet er. Zudem habe sein Vater das Unternehmen früh digitalisiert, das Flexijet-Aufmaßsystem hatte die Tischlerei bereits früh im Einsatz. Obwohl seine Eltern das Unternehmen bereits über Jahre modernisiert und digitalisiert hatten, krempelte der Unternehmer die Tischlerei nach der Betriebsübernahme gehörig um.
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Hohe Investitionen und Digitalisierung
„Ich habe bisher etwa 1,2 Millionen Euro für die Modernisierung des Betriebs Kreditaufgenommen“, berichtet Rothengast-Schmidt. Das Geld investierte er in eine zweite CNC-Maschine, um schneller und flexibler für Kunden zu sein. Zudem richtete er eine Luftbefeuchtungsanlage ein. „Das ist gut für die Mitarbeitenden und für das Holz“, erzählt Rothengast-Schmidt. Die Absaugtechnik im Betrieb wurde erneuert und effizienter gemacht.
Zudem führte Rothengast-Schmidt das Programm „Artesa“ ein, eine Handwerkersoftware zur Planung und Abwicklung von Aufträgen sowie eine Zeiterfassung für die Mitarbeitenden. „Projekte werden nun digital begleitet. Jeder Mitarbeiter hat ein Tablet. Das war nicht einfach für alle“, berichtet Rothengast-Schmidt. Einen Fokus legte er ebenfalls auf Marketing und Vertrieb. Rothengast-Schmidt ließ hochwertige Verkaufsmagazine drucken, die das Portfolio in Szene rücken und verstärkte die Aktivitäten auf Instagram. Den bestehenden Showroom in Reinholterode erneuerte er komplett. „Wir haben die Ausstellung aktualisiert, zum Fühlen und Anfassen“, erzählt er.
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„Nichts steht mehr da, wo es einmal war“
Zudem hat sich der Unternehmer die gesamte Produktion angeschaut und alles in der Werkstatt umgestellt. „Während die Produktion weiterlief. Nichts steht mehr da, wo es einmal war“, sagt Rothengast-Schmidt. Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe er mit all den zeitgleichen Veränderungen ab der Übernahme rückblickend viel zugemutet. Und das während der Corona-Krise.
Währenddessen hatte Rothengast-Schmidt sich in die Betriebsführung einlernen müssen. „Das war bis heute ein Wagnis von mir. Ich frage mich, ob ich das wieder so machen würde. Es war ein krasser Start“, sagt er rückblickend.
Die Betriebsübernahme und alle angestoßenen Änderungen seien eine schwierige Zeit gewesen, aber: „Ich hatte Bock.“ Alle Mitarbeitenden hätten zudem mitgezogen. Retrospektiv würde er einiges anders machen: „Ich hätte vielleicht erst die Übernahme gemacht und wäre dann erst die Investitionen schrittweise angegangen.“ Dennoch betont er: „Die Unternehmensnachfolge ist gelungen. Ich konnte mich gut verwirklichen.“
Tischler-Ausbildung im elterlichen Betrieb
Ein persönlicher Vorteil bei der Betriebsübernahme sei gewesen, dass er 2013 seine Tischler-Ausbildung bereits im elterlichen Betrieb absolvierte und im Anschluss ein Jahr in der Tischlerei arbeitete. So erhielt er früh Einsicht in die Bilanzen der Firma, konnte viele Fragen stellen. „Ich habe auch Einblicke in Geschäftsprozesse erhalten und meine Eltern haben mich immer bei allen Themen mitgenommen“, sagt er. Von 2017 bis 2018 folgte dann die Meisterausbildung in der Holzfachschule Bad Wildungen in Hessen.
Danach war klar: „Mein Vater wollte die Firma mit 60 Jahren abgeben, um noch etwas zu erleben“, beschreibt Rothengast-Schmidt. Der Senior hatte den Junior bereits während eines Austauschjahres in Neuseeland – noch vor seiner Tischler-Ausbildung - gefragt, ob er ins Unternehmen einsteigen möchte. Für seine beiden Brüder kam dies damals nicht infrage. Also sagte er zu.
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CNC-Lohnfräsen als Alleinstellungsmerkmal
Das Unternehmen hat inzwischen seinen Markt im Großraum Hamburg erweitert – mit dem Fokus auf anspruchsvolle Renovierungen und Luxus-Treppenbau. Die Wahl für das zweite Standbein fiel der Liebe wegen auf Hamburg: Rothengast-Schmidt Mann lebt in der Hansestadt und er pendelt regelmäßig am Wochenende in den Norden für die Projekte im Premiumbereich.
Derzeit sei das Fokus-Thema für seinen Betrieb das CNC-Lohnfräsen. Zwei moderne Fünf-Achs-CNC-Bearbeitungszentren ermöglichten das Fräsen von Treppenteilen jeglicher Art. Auch das hat Rothengast-Schmidt neu eingeführt. „Das CNC-Fräsen und Fremdfertigen von Treppen ist unser USP (Alleinstellungsmerkmal, Anm. d. Red.)“, sagt er. Von der Konstruktion über die Fertigung bis zum Versand biete das Unternehmen alles individuell aus einer Hand.
Thüringer Gründungspreis 2024
„Ich fühle mich momentan gut aufgestellt“, sagt der Tischlermeister zufrieden. Für seine erfolgreiche Unternehmensübergabe erhielt Rothengast-Schmidt den ThEx Award 2024 – den Thüringer Gründungspreis.
Rothengast-Schmidt sieht sich jedoch - wie viele andere Betriebe - mit einem eklatanten Problem konfrontiert: „Die größte Herausforderung in den nächsten Jahren wird für uns das Personal- und Fachkräftethema sein.“ Nach dem Weggang der Eltern sind einige Mitarbeitende ebenfalls in Rente gegangen. Er habe Recruiting-Kampagnen auf Instagram angestoßen. Bisher blieben die Auszubildenden auch nach der Ausbildung im Betrieb. „Wir sind inzwischen ein junges Team. Ich bin sehr stolz darauf“, so Rothengast-Schmidt.
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Liebhaber-Projekt Tiny-House-Hotel
Stolz ist er auch auf ein „Liebhaber-Projekt“, ein Tiny-House-Hotel in Heilbad Heiligenstadt in Thüringen. „Die Tischlerei Schmidt hat beschlossen, auch noch Hoteliers zu werden“, sagt der Handwerksmeister lachend. Der Bürgermeister der Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld habe ihn angesprochen, ob er Tiny Houses bauen will. Ein Grundstück war vorhanden, der Vater brauchte eine Beschäftigung. Und so legten Nicolas Rothengast-Schmidt, sein Vater und einer seiner Brüder 2021 immer an den Wochenenden mit dem Bau der acht Tiny Houses los – die Bauphase fiel genau in die Betriebsübernahme und in die Corona-Zeit.
Im September 2022 war Eröffnung des Tiny House Hotels mit 16 Wohnmobilstellplätzen. Für das Projekt „Wiesenglück“ erhielt Rothengast-Schmidt noch im selben Jahr den Thüringer Tourismusmanagement-Preis.
Auch dieses Projekt, das Wellness und eine Auszeit mit Saunen sowie Hot Tub in nachhaltigem, gehobenem Ambiente in Thüringen verspricht, entwickelte sich somit erfolgreich für den Unternehmer: „Die Wochenenden sind ausgebucht.“
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