Pragmatisch investieren

Werkzeuge sind eine Teamentscheidung

Über neue Werkzeuge entscheidet letztlich das Team eines Betriebs. Diese Ansicht vertritt Florian Conrad. Dabei fasst er den Werkzeugbegriff bewusst weiter.

4 Min.27.04.2026, 12:33 Uhr (Aktualisiert am 30.04.2026, 16:41 Uhr)
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Für Florian Conrad geht der Begriff „Werkzeug“ weit über Maschinen hinaus.
Für Florian Conrad geht der Begriff „Werkzeug“ weit über Maschinen hinaus. Kittiphan - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Florian Conrad führt den Betrieb in Eckental gemeinsam mit einem Partner und setzt konsequent auf die Einbindung seiner Mitarbeitenden bei Investitions- und Entscheidungsprozessen.

Statt auf maximale Automatisierung und neue Trends setzt der Betrieb bewusst auf bewährte Maschinen, effiziente Organisation und gezielte Investitionen wie moderne Absaugtechnik.

Für Conrad sind Werkzeuge mehr als Maschinen: Ein motiviertes, eingebundenes Team und ein kritischer Umgang mit Trends sichern langfristig Qualität und Wettbewerbsfähigkeit.

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Seit mehr als zwei Jahren führt Florian Conrad zusammen mit seinem Geschäftspartner Jan Müller die Schreinerei Holzstolz in Eckental mit mittlerweile 15 Mitarbeitern. Sein Ansatz ist bewusst praxisnah: „Bevor ich Geld in Maschinen oder Werkzeuge stecke, frage ich mein Team. Die Leute, die täglich damit arbeiten, wissen am besten, was wirklich gebraucht wird“, erläutert der Betriebsinhaber.

Bewährte Technik statt blinder Modernisierung

Während viele Betriebe auf maximale Automatisierung setzen, geht Conrad einen anderen Weg. In seiner Werkstatt stehen keine CNC-Fräse und keine liegende Plattensäge. Darüber hinaus verzichtet der Innungsbetrieb im Nürnberger Land auf große Hebetechnik.

Stattdessen arbeitet das Team mit klassischen Maschinen: Kreissäge, stehende Plattensäge, Furniersäge, Furnierpresse, Kantenanleimmaschine sowie eine Abricht/Dickenhobelkombi- und Breitbandmaschine – teilweise seit Jahrzehnten im Einsatz. „Die Maschinen funktionieren. Und vor allem: Unsere Leute beherrschen sie. Das ist für den täglichen Ablauf im Betrieb wichtiger, als alles neu anzuschaffen“, betont Florian Conrad.

Für ihn ist das der entscheidende Punkt. Technik bringt nur dann etwas, wenn sie im Alltag sicher und effizient eingesetzt wird. Gleichzeitig investiere der Betrieb dort, wo es wirklich zählt – etwa in eine moderne Absauganlage, die Gesundheit und Arbeitsqualität gleichermaßen verbessert. Der unternehmerische Erfolg hängt Conrad maßgeblich von den Mitarbeitern ab und nicht nur von einer Investitionsoffensive in neue Maschinen.

Seit mehr als zwei Jahren führt Florian Conrad die Schreinerei Holzstolz.
Seit mehr als zwei Jahren führt Florian Conrad die Schreinerei Holzstolz. Schreinerei Holzstolz GmbH

Effizienz als entscheidender Faktor

Einen klaren Trend erkennt der Betriebsinhaber vor allem in der Organisation von Betriebsabläufen. Effizienz rückt für ihn zunehmend in den Fokus. Dazu zählen zum Beispiel vollautomatisierte Plattenlager oder vernetzte Lagersysteme, bei denen Prozesse digital gesteuert werden.

Während einige Betriebe bereits mit intelligenten Lagermanagementsystemen arbeiten, bei denen Maschinen zahlreiche Abläufe automatisiert übernehmen, setzen andere weiterhin auf klassische Wege – etwa die Vorbereitung der Planung im Büro und ihre Umsetzung in der Werkstatt. Hier empfiehlt Florian Conrad jedem Unternehmer unbedingt mit der Zeit zu gehen. „Ein fotorealistisches Rendering holt unserer Erfahrung mehr Kunden ab als eine Handzeichnung. Das kommt aber natürlich auch auf den Kundenstamm und was sie von einem gewohnt sind, an.“

Einen eindeutigen Trend bei einzelnen Werkzeugen sieht er hingegen nicht. „Natürlich gibt es Hersteller, die in vielen Werkstätten präsent sind. Aber gehypte Werkzeuge sind immer auch ein Kostenfaktor – und der Nutzen muss kritisch hinterfragt werden. Erst wenn das Team nach neuen Werkzeugen verlangt, muss ich mir als Unternehmer die Frage stellen: Lohnt sich das?“

Einsatz von Akkuwerkzeugen mit Augenmaß einsetzen

Auch bei Akkuwerkzeugen bleibt Conrad pragmatisch. „Auf der Baustelle sind sie oft unschlagbar praktisch. Gerade Akkuschrauber, Bohrmaschinen, Schlagschrauber und Stichsägen gehören zum Alltag.“

Gleichzeitig gibt es Grenzen. Akkubetriebene Tischkreissägen bewertet er kritisch, da ohnehin Strom für das Laden der Akkus benötigt wird. „Dann ich auch gleich die Kabeltrommel in die Steckdose stecken und das Kabel zur Maschine legen“. Zudem stoßen Akkuwerkzeuge bei sehr harten Materialien schnell an ihre Leistungsgrenzen. „Bei anspruchsvollen Werkstoffen kann der Akku schon nach wenigen Schnitten erschöpft sein. Das lohnt sich nicht“, betont Conrad.

Grundsätzlich empfiehlt er, bei der Anschaffung von Akkuwerkzeugen ausreichend Budget einzuplanen, um langfristig sinnvoll arbeiten zu können. „Hier gilt meistens der Leitspruch, wer billig kauft, kauft zweimal“, so Conrad.

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Werkzeuge sind mehr als Maschinen

Für den Unternehmer geht der Begriff „Werkzeug“ weit über Maschinen hinaus. Sein wichtigstes Werkzeug ist das eigene Team. „Als Unternehmer ist es meine Aufgabe, meine Mitarbeiter zu sensibilisieren – etwa beim Thema Arbeitsschutz – und gleichzeitig muss ich immer offen für ihr Feedback sein. Das sollte außerdem komplett themenunabhängig geschehen dürfen, damit sich jeder Mitarbeiter traut, über die Probleme in seinem Arbeitsalltag zu sprechen“, betont Conrad.

Die Einbindung der Mitarbeiter in wichtige betriebliche Entscheidungsprozesse ist für ihn ein zentraler Erfolgsfaktor. „Nur mit einem motivierten Team bleiben wir als Betrieb langfristig konkurrenzfähig“, sagt der Betriebsinhaber.

Nicht jedem Trend hinterherlaufen

Trends im Bereich Maschinen und Werkzeuge wird es immer geben. Dennoch plädiert Conrad für einen bewussten Umgang damit. Man müsse allerdings nicht jedem Trend hinterherlaufen. Entscheidend sei vielmehr, was zum eigenen Betrieb passt.

Er kennt zahlreiche kleinere Betriebe, die mit älteren Maschinen arbeiten und dennoch qualitativ sehr hochwertige Ergebnisse erzielen. Letztlich gilt für ihn: „Unsere Mitarbeiter wissen am besten, welche Werkzeuge sie brauchen, um gute Arbeit zu leisten. Darauf sollte man als Unternehmer hören.“

Ein Tischler schleift ein Holzbrett in seiner Werkstatt ab.

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