Arbeitsschutz mit System

Sicherheit auf allen Ebenen

Das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz ist für Betriebe ein Muss. Doch wie geht man die einzelnen Maßnahmen an und was gibt es für Hürden? Ein Praxis-Einblick.

4 Min.26.03.2026, 16:39 Uhr
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Arbeitsschutz in der Tischlerei: Ein Schreinermeister berichtet von seinen Maßnahmen.
Arbeitsschutz in der Tischlerei: Ein Schreinermeister berichtet von seinen Maßnahmen. jörn buchheim - Fotolia.com
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Auf einen Blick

Arbeitsschutz und Sicherheit stehen bei Schreinermeister Andreas Mayr an oberster Stelle.

Dafür hat er seinen Betrieb fit gemacht – und dieser wurde als erster in Bayern und als dritter deutschlandweit von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) zertifiziert.

Ein Erfolg: Die Quote der Arbeitsunfälle ist in dem Betrieb aus Manching sehr gering.

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Andreas Mayr legt großen Wert auf den Arbeitsschutz und die Sicherheit seiner Beschäftigten. Er ist Schreinermeister und Geschäftsführer der Schreinerei Ludwig Mayr aus Manching. 30 Mitarbeiter sind in dem Unternehmen beschäftigt. Das Thema Arbeitsschutz steht nicht erst seit kurzem auf der Agenda der Schreinerei. „Wir sind bereits im Jahr 2008 auf den Zug aufgesprungen und haben in diesem Jahr auch unsere erste Zertifizierung erhalten“, sagt Mayr. Bereits damals erfüllte die Schreinerei die notwendigen Anforderungen an den Arbeitsschutz. Gleichzeitig war es der erste Betrieb in Bayern und der dritte deutschlandweit, der von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) zertifiziert wurde.

Arbeitsschutz im Büro und in der Produktion

Mayr differenziert beim Thema Arbeitsschutz. Einerseits gehe es um praktische Dinge wie die korrekte Sitzhaltung am PC sowie um die Raumakustik. „Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter ihrer Arbeit konzentriert und ohne Stress in einem ruhigen Umfeld nachgehen können“, so Mayr. Akustik-Trennwände zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen tragen zum Beispiel zu einer vernünftigen Raumakustik bei. Andererseits fokussiert sich Mayr auf den Arbeitsschutz in der Produktion. Hier gehe es vor allem um die sichere Handhabung der Maschinen. „Dazu gibt es bei uns Unterweisungen, die wir in regelmäßigen Zeitabständen durchführen“, betont der Geschäftsführer.

Im Mittelpunkt würden außerdem neben den regelmäßigen Auffrischungen Sensibilisierungen zu unterschiedlichen Themen des Arbeitsschutzes stehen. „Es kommt vor, dass mir bei einem Rundgang durch den Betrieb potenzielle Gefährdungen auffallen. Das spreche ich dann bei der nächsten Unterweisung an“, so Mayr. Allerdings wirft er als Geschäftsführer auch ein Auge auf die psychischen Gefährdungen im Unternehmen. Die hohe Lärmbelastung in der Werkstatt kann langfristig die psychische Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen.

 Die Teilnahme an dem Programm „Unternehmenswert Mensch“ habe dem Betrieb geholfen, ein Feingefühl für den Arbeitsschutz zu entwickeln sowie potenzielle Gefährdungen während der Arbeiten zu erkennen und zu minimieren. Das Programm, initiiert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, richtete sich in den Jahren zwischen 2013 und 2022 gezielt an Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie an Selbstständige. Das Ziel war es, die Betriebe bei der Gestaltung einer nachhaltigen Personalpolitik zu unterstützen. Im Fokus des Programms stand unter anderem der Punkt „Gesundheit“.  Mittlerweile gibt es das Nachfolgeprogramm „Inqua-Coaching“. Bei diesem steht vor allem die Digitalisierung im Vordergrund. Kleine und mittlere Unternehmen können Förderungen für die digitale Transformation beantragen und erhalten zudem Hilfestellung bei der Fachkräftesicherung.

Andreas Mayr legt in seiner Schreinerei großen Wert auf den Arbeitsschutz und die Sicherheit seiner Beschäftigten.
Andreas Mayr legt in seiner Schreinerei großen Wert auf den Arbeitsschutz und die Sicherheit seiner Beschäftigten. Andreas Mayr
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Gefährdungen durch alltägliche Dinge

Das Thema Arbeitsschutz ist in Unternehmen etwas, was nicht unter den Tisch gekehrt werden kann. Oft sind es scheinbar kleine und alltägliche Dinge, die zu einer Gefahr für die Mitarbeiter werden können. „Unsere Beschäftigten haben bis vor wenigen Jahren Endlos-Cuttermesser verwendet. Diese gehörten zur größten Gefahrenquelle. Inzwischen haben wir sie aus der Produktion verbannt und verwenden ausschließlich Sicherheits-Cuttermesser“, sagt Mayr.

In den rund 20 Jahren, in denen sich die Schreinerei verstärkt auf den Arbeitsschutz setzt, sind die Mitarbeitenden für die Sicherheit während der Arbeit sensibilisiert. „Am Anfang waren es profane Dinge. Wir mussten die Beschäftigten zum Beispiel auffordern, dass sie während der Arbeit den Gehörschutz und die Sicherheitsschuhe tragen sollen. Heute brauche ich so etwas nicht mehr zu tun“, erläutert der Schreinermeister und Geschäftsführer. Darüber hinaus haben auch die Maschinenhersteller sich das Thema Arbeitsschutz auf die Fahne geschrieben. Generell seien die Maschinen und Fräser viel sicherer geworden. Zudem gibt es laut Mayr keinen Hersteller mehr, der Schutzeinrichtungen und Sicherheitsschalter weglässt. Die Quote der Arbeitsunfälle ist in dem Betrieb aus Manching sehr gering. Derzeit durchlaufen Mayr und sein Team das siebente Audit bezüglich des Arbeitsschutzes.

Vorschriften der DGUV

Im Zusammenhang mit den Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz stehen die Vorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Zum 1. Januar 2026 ist die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 in Kraft getreten. Kernpunkt der überarbeiteten Vorschrift ist, dass Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) die Unternehmensleitung bei der Organisation von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb unterstützen und telefonisch oder online beraten.

Gleichzeitig wurde mit der Überarbeitung der DGUV Vorschrift 2 die Regelbetreuung von zehn auf 20 Beschäftigte erhöht. Außerdem werden Betriebe nach der Vorschrift einer Betreuungsgruppe zugeordnet. Diese ist abhängig von den Gefährdungen der jeweiligen Branche. Die Hauptvorschrift für Schreiner bleibt jedoch die DGUV Regel 109-606. In dieser sind nicht nur die Grundlagen für den Arbeitsschutz geregelt, sondern auch Vorschriften für die Beschaffenheit von Maschinen. Die DGUV Vorschrift 2 sowie die DGUV Regel 109-606 stehen auf der Webseite der BGHM kostenfrei zur Verfügung (bghm.de).

Mayr und seine Schreinerei sind für die Zukunft gut aufgestellt, was das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz angeht. Es liegt nicht nur an der stärkeren Sensibilisierung seitens der Beschäftigten für das Thema. Mayr selbst ist Sicherheitsfachkraft nach dem alternativen Betreuungsmodell der Berufsgenossenschaft und bildet sich regelmäßig fort. Weitere Mitarbeitende sind geschult als Sicherheitsbeauftragte. „Das hilft nicht nur den Mitarbeitern, sondern trägt insgesamt zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs bei“, sagt er.

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