Warum Eiche wieder boomt
Die Eiche macht in Privathaushalten zunehmend das Rennen, beobachtet Tischlermeister Marc Knickenberg. Er erklärt, was es mit dem Trend auf sich hat.
Auf einen Blick
Treppen werden zunehmend in den Wohnbereich integriert. Sie sind ein Blickfang und sollen sich gleichermaßen in die jeweilige Wohnungseinrichtung einfügen. Holz ist bei Treppen vorherrschend – und das seit Jahrzehnten. Ein Holz sticht dabei besonders hervor.
Trendholz Eiche
Für Marc Knickenberg, Geschäftsführer und Werkstattleiter der Treppenbau Hermschulte GmbH aus Recklinghausen ist klar: „Eiche hat sich zu einem Trendholz entwickelt. Das konnten wir in den vergangenen Jahren beobachten.“ Die Gründe dafür seien verschiedener Natur. Bei der Eiche handelt es sich um ein lebhaftes Holz. Zudem ist es nicht so homogen wie zum Beispiel die Buche. „Dann gibt es die Generation 40 plus, die mit Buchen-Einrichtungen aufwuchs. Ob Treppen, Türen oder Böden, alles war aus Buche. Unsere Kunden aus dieser Generation möchten ein anderes Holz für ihr Zuhause. Und bei ihnen hat sich eben die Eiche herauskristallisiert“, erläutert Knickenberg. Eichenholz passe zudem zu vielen Wohnstilen und sei besonders langlebig.
Der Nachhaltigkeitsaspekt spiele bei den Kunden der Schreinerei eine Rolle. „Wir merken bei einigen, dass sie sich Gedanken darüber machen, wo die Eiche herkommt“, sagt Knickenberg. Einheimische Hölzer würden mehrheitlich bevorzugt werden. „Der Wunsch nach Holz aus Ländern wie China oder Indonesien geht zurück“, betont der Tischlermeister. Wert werde zudem auf Regionalität und Zertifizierungen gelegt.
Bei der Behandlung der Treppenstufen setzt der Betrieb auf Öl. In rund 80 Prozent der Fälle benutzt es die Schreinerei bei ihren Kunden. „Die Flächen sind zwar pflegeintensiver, aber aus Sicht der Strapazierfähigkeit verhält sich Öl ähnlich wie Lack“, so Knickenberg. Dennoch steht er Wasserlacken keinesfalls kritisch gegenüber. „Da gibt es mittlerweile sehr gute Produkte. Sie sind außerdem sehr strapazierfähig.“ Dennoch habe man bei Öl eine größere Farbvielfalt und Auswahl.
Reinweiß versus Verkehrsweiß
Doch nicht nur bei Treppen, sondern auch vor den heimischen Badezimmern macht die Eiche nicht halt. Bei Möbelstücken wie zum Beispiel bei einem dreitürigen Schrank würden die Kunden das Holz bevorzugen. „Das Holz setzt sich mehr und mehr durch, obwohl es einen altmodischen Touch hat“, betont Knickenberg.
Im Gegensatz zu den Treppen setzt der Betrieb bei Badezimmermöbeln auf Lacke. Vor allem RAL 9016 (Verkehrsweiß) sei bei den Kunden gefragt. „RAL 9010, also Reinweiß, möchte dagegen kaum noch jemand haben. Das ist auch etwas, was wir in der Vergangenheit festgestellt haben“, sagt Knickenberg.
Dauerthema Barrierefreiheit
Wie jeder andere Handwerksbetrieb muss sich auch die Tischlerei mit dem Thema Barrierefreiheit und die Umgestaltung von barrierefreiem Wohnraum auseinandersetzen. „Wenn wir ältere Wohnungen oder Häuser sanieren, montieren wir beidseitige Handläufe an die Treppenanlagen, damit sich körperlich eingeschränkte Menschen daran festhalten können“, erklärt Knickenberg. Jährlich realisiert der Betrieb 30 bis 40 solcher Projekte.
Im Rahmen des Treppenbaus müssen Betriebe die Anforderungen der DIN 18065 befolgen. „Das ist so etwas wie die Bibel für uns“, betont Marc Knickenberg. Die Norm regelt unter anderem die Mindestanforderungen an die Treppengeländerhöhen, das Lichtraumprofil sowie die Öffnungen im Treppengeländer. Darüber hinaus regelt die DIN 18040 barrierefreies Bauen. Demnach müssen Handläufe einen sichereren Halt bei der Benutzung der Treppe bieten.
Abweichung von der Norm
Im privaten Bereich habe man allerdings Spielräume, von der DIN ein wenig abzuweichen. „Das gilt vor allem für den Sicherheitsaspekt“, sagt Knickenberg. Dennoch müsse man die Kunden explizit darauf hinweisen, dass eine an den Seiten unzureichend gesicherte Treppe eine potenzielle Gefahr darstellt. „Wenn Kunden kein Geländer auf der Treppen-Innenseite haben möchten, erfüllen wir ihnen diesen Wunsch. Aber eben nur mit schriftlicher Absicherung“, so der Geschäftsführer.
Beim Treppenbau setzt das Unternehmen auf die CAD-Planung und CNC-Bearbeitung. Dadurch bekomme man eine präzise Bearbeitung der Treppen hin. „Das gilt für alle Hölzer“, sagt Marc Knickenberg abschließend.
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