Kein Fernabsatzgeschäft: Kundin schließt einen Vertrag per Mail und dann kommt der Handwerker zum Aufmaß.
Foto: grapestock - stock.adobe.com
Kein Fernabsatzgeschäft: Kundin schließt einen Vertrag per Mail und dann kommt der Handwerker zum Aufmaß.

Vertrag per E-Mail

Kein Widerrufsrecht, wenn der Handwerker persönlich da war

Nach Abschluss der Arbeit pocht eine Kundin auf ihr Widerrufsrecht und will 29.000 Euro zurück. Weil der Vertrag per E-Mail geschlossen wurde. Doch so einfach ist es nicht.

Bei Verträgen mit Verbrauchern müssen Handwerker das Widerrufsrecht im Blick haben, auch bei sogenannten Fernabsatzgeschäften. Dieser Rechtsstreit zeigt, wann ein solcher Vertrag nicht vorliegt: wenn es zuvor einen Ortstermin gab!

Der Fall: Eine Kundin will ihren Garten neu gestalten lassen. Der Gartenbauer nimmt vor Ort das Aufmaß und schickt der Frau per Post das Angebot. Sie akzeptiert per E-Mail. Im Laufe der Bauarbeiten kommt noch ein zweiter Vertrag hinzu, den die Kundin telefonisch annimmt.

Der Gartenbauer erledigt alle Arbeiten und stellt die Rechnung. Die Kundin zahlt rund 29.000 Euro. Dann pocht sie auf ihr Widerrufsrecht und verlangt das Geld zurück, da es sich um einen Fernabsatzvertrag handele.

Widerrufsrecht: Fehler kosten Geld und Nerven

Ist bei Ihnen bis jetzt alles gut gegangen mit dem neuen Widerrufsrecht? Ein Dachdecker ist in die Falle getappt und hat teuer dafür bezahlt. Damit Ihnen nicht etwas Ähnliches passiert, sollten Sie unbedingt einige Regeln beachten.
Artikel lesen

Das Urteil: Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht entscheidet zu Gunsten des Unternehmers.

Auftragnehmer und Kundin hätten die Verträge zwar ausschließlich unter Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen. Ein Fernabsatzvertrag § 312c BGB liege aber nur vor, wenn die Vertragsverhandlungen ausschließlich per Fernkommunikationsmittel geführt wurden.

Doch durch den Ortstermin habe sich die Kundin einen persönlichen Eindruck vom Gartenbauer und dessen Fachkunde verschaffen können. Zudem habe sie Gelegenheit gehabt, ihre Vorstellung darzulegen und dem Dienstleister Fragen zu stellen. Daher sei sie nicht weiter schutzbedürftig und das Widerrufsrecht entfalle. (Urteil vom 15. Oktober 2021, Az.: 1 U 122/20)

[Tipp: Sie wollen beim Thema Recht nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!]

Auch interessant:

Spezialanfertigung: Haben Verbraucher Widerrufsrecht?

Eine Kundin hat spezielle Wünsche für ihre Küche und gibt sie samt Extras in Auftrag. Noch vor Produktionsbeginn widerruft sie den Vertrag. Geht das?
Artikel lesen

BAG sagt "Nein" zum Widerrufsrecht bei Aufhebungsverträgen

Arbeitnehmer sind Verbraucher. Trotzdem können Mitarbeiter einen Aufhebungsvertrag nicht widerrufen, wenn sie ihn zu Hause unterschreiben.
Artikel lesen

Kein Widerrufsrecht beim Kauf auf Messen

Ein Messestand kann ein "Geschäftsraum" sein, entschied der Europäische Gerichtshof. Daher gilt unter bestimmten Voraussetzungen auf Messen auch kein Widerrufsrecht.
Artikel lesen
Damit Handwerker nicht in die Fälschungs-Falle tappen, sollten Sie bei Rechnungen genau hinschauen und auf die Richtigkeit achten.
Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

Manipulierte E-Mails

Rechnung gefälscht: Schreck für Handwerksbetrieb und Kunde

Eine E-Mail-Rechnung kommt beim Kunden mit einer falschen IBAN an – dabei hatte der Handwerker die korrekten Kontodaten verschickt. Wie konnte das passieren?

Bei Verbraucherbauverträgen sind Widerrufsbelehrungen nicht nur dann wichtig, wenn der Vertrag außerhalb der eigenen Geschäftsräume geschlossen wird.
Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com

Bauvertragsrecht

Neue Falle beim Widerrufsrecht!

Wer einen Verbraucherbauvertrag abschließt, muss seine Kunden immer über das Widerrufsrecht informieren. Wo der Vertrag abgeschlossen wird, spielt keine Rolle mehr. Wird das nicht beachtet, kann der Kunde noch nach über einem Jahr widerrufen.

AdobeStock_335612404.jpeg
Foto: mdbildes - stock.adobe.com

Corona

Quarantäne im Urlaub: So wirkt sich das auf Urlaubsansprüche aus

Wegen einer Corona-Quarantäne im Urlaub fordert eine Mitarbeiterin von ihrem Arbeitgeber die Urlaubstage zurück. Erfolg hat sie dabei nicht.

Handwerker klärt nicht auf: Kunde darf den Vertrag widerrufen.
Foto: pathdoc - stock.adobe.com

Keine Aufklärung bei Vertragsabschluss

Erfolgreicher Widerruf: Kunde erhält Sanierung gratis

Ein Kunde widerruft den Vertrag mit einem Handwerker. Er erhält sein Geld zurück und darf auch die Leistung behalten.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.