Foto: Thomas Vahle

Werkzeug

Nischenwerkzeug Lackfräse: Braucht man das?

Eine Lackfräse hat nur Metabo im Programm. Sie soll schnell, gesundheits- und umweltfreundlich alte Lacke entfernen. Wir haben dem Gerät mal genau auf den Fräskopf geschaut.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Alte Lacke zu entfernen, ist meist eine undankbare Aufgabe. Metabo hat – als einziger Anbieter überhaut – eine Lackfräse im Angebot.
  • Die Handhabung: Eigentlich ganz einfach – wenn man nicht zu viel auf einmal erreichen will.
  • Führt man das Gerät gleichmäßig und mit beiden Händen, kommt man dank des großen Gleitfußes und des durchdachten Fräskopfes rasch zum gewünschten Ergebnis.

Alte Lacke zu entfernen, ist eine ganz undankbare Aufgabe und zumeist wenig appetitlich: Das Hantieren mit Abbeizer macht niemandem Spaß und das altbekannte Runterbrennen ist weder dem Material noch der Gesundheit zuträglich. Werkzeughersteller Metabo hat dafür schon lange eine Maschine im Programm: die Lackfräse LF 724 S. Und ein solches Gerät gibt es tatsächlich nur bei Metabo. Damit stellt sich gleich die erste Frage: Braucht man das? Wenn nur Metabo eine Lackfräse herstellt und sie so wichtig wäre, dann hätten doch die anderen Maschinenhersteller längst ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht, oder?

Bedienungsanleitung sorgt für Aufklärung

Unsere ersten Arbeitsversuche verlaufen tatsächlich enttäuschend. Die Oberfläche ist voller Riefen und sehr rau. Das hilft uns nicht weiter, weil die Nacharbeit sehr aufwendig ist. Aber wie so oft sorgt ein Blick in die Bedienungsanleitung – die man übrigens vorher lesen sollte – für Aufklärung. Wir haben die Frästiefe auf das Maximum von 0,3 Millimetern eingestellt. Dabei empfiehlt das Handbuch, sich je nach Material an die beste Einstellung heranzutasten. Eigentlich logisch, aber wir wollten zu schnell ein erstklassiges Ergebnis. So ist das mit der Ungeduld.

Die Frästiefe lässt sich von 0,0 bis 0,3 Millimeter verstellen. Das geht ganz einfach mit dem beiliegenden Sechskant-Schlüssel. Für den zweiten Anlauf entscheiden wir uns für 0,15 Millimeter. Das Ergebnis ist eindeutig besser, aber dennoch nicht so, wie wir es uns vorstellen. Erst die weitere Reduzierung auf 0,05 Millimeter bringt sehr gute Resultate. Die Maschine trägt den Lack ab, schont aber die Oberfläche des Holzes. Lack ist eben doch nicht so dick, wie man manchmal glaubt.

Ein wenig Übung mit der LF 724 S macht tatsächlich den Meister. Wichtig ist in erster Linie, nicht von Anfang an zu tief zu gehen. Dann sollte das Werkstück natürlich sicher aufliegen oder mit Schraubzwingen befestigt sein. Rutscht es weg, sind tiefe Riefen die Folge und für die Messer der Maschine ist es auch nicht zuträglich.

Mit beiden Händen festhalten

Auf ihrem großen Gleitfuß wird die Maschine geführt, nicht auf dem Fräskopf, deswegen sollte sie immer satt auf dem Werkstück aufliegen. Am Ende des Werkstücks kann der Gleitfuß nicht mehr aufliegen, deshalb bearbeitet man den letzten Streifen mit einem Trick: Dazu die Frästiefe auf 0,0 stellen und von der anderen Seite arbeiten. So entsteht kein Höhenunterschied. Und zuletzt: Die Lackfräse mit beiden Händen halten und immer schön von links nach rechts und von rechts nach links führen – dann kann nichts mehr schiefgehen.

Arbeit bis an die Kante heran

Was uns besonders angenehm auffällt, ist der durchdachte Fräskopf. In Ecken bleibt nur ein Minimum stehen, das sich mit anderen Mitteln schnell nachbearbeiten lässt. An Kanten arbeitet die Maschine tatsächlich bis an die Kante heran. Und sogar an Falzen gibt die Lackfräse noch lange nicht auf: Dafür verbergen sich an den Seiten des Fräskopfs zwei Messer, die von drei Abdeckungen seitlich und vorne verdeckt sind. Klappt man sie auf, ist der Weg frei für eine gründliche Falzbearbeitung – da, wo alte Farbe oft am dicksten aufgetragen ist.

Sind die Messer stumpf, lassen sie sich mit dem mitgelieferten Torx-Schlüssel drehen. Die Ecken sind extra durchnummeriert, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

Absaugung nötig

Auf jeden Fall gehört an die LF 724 S eine Absaugung, auch wenn wir in unserem Fall für die Fotos darauf verzichtet haben. Gerade der Staub von alten Lacken gehört auf keinen Fall in die Lunge. Aber auch da hat Metabo die passenden Geräte im Programm. Beispielsweise die ASR 35 ACP, mit der wir in vorhergehenden Tests gute Erfahrungen gemacht haben.

Um auf unsere Frage am Anfang zurückzukommen: Braucht man so etwas? Ja. Wer oft alte Lacke entfernen muss, für den ist die Lackfräse quasi unverzichtbar. Sie spart nicht nur enorm viel Zeit, sondern macht eine ungeliebte Arbeit zum Kinderspiel.

Daten

Name: Lackfräse LF 724 S

Schneidenflugkreis: 80 mm

seitliche Fräshöhe: 28 mm

axiale Frästiefe: 0,0 bis 0,3 mm

radiale Frästiefe: 0,15 mm

Gewicht: 2,4 kg

Preis: 349 Euro zzgl. MwSt.

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