Spritpreise: Handwerksverbände fordern „Gewerbediesel“
Steuererleichterungen beim Kraftstoff wie in der Agrarwirtschaft sollen energieintensive Betriebe entlasten. Doch Land- und Forstwirte beantragen die Rückerstattung oft gar nicht.
Die erste Maßnahme gegen hohe Benzin- und Dieselkosten hat bislang nicht gegriffen: Zwar dürfen Tankstellen seit dem 1. April ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, doch trotzdem steigen sie weiter kräftig. Erste Handwerksverbände fordern daher weitere Konsequenzen – die Einführung eines „Gewerbediesels“, ähnlich dem Agrardiesel für Landwirte.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, sagte in einem Interview mit t-online, Tanken für gewerbliche Zwecke solle steuerlich begünstigt werden. „Die Belastbarkeit unserer Wirtschaft ist nicht unendlich“, so Dittrich. Das Immunsystem gegenüber Krisen sei aufgebraucht. „Wir sehen das am Verlust von Arbeitsplätzen und Betrieben. Deshalb sollte die Regierung eine Entlastung für gewerblich genutzten Diesel erwägen.“ Besonders belastet seien energieintensive Gewerke wie Textilreinigungen, Stahl- und Metallbetriebe oder Bäckereien.
Land- und Forstwirtschaft: So funktioniert der Agrardiesel
Beim Agrardiesel handelt es sich um eine rückwirkende Steuervergünstigung für den unmittelbar in der land- und forstwirtschaftlichen Produktion eingesetzten Kraftstoff, zum Beispiel in Traktoren und Erntemaschinen. Betriebe müssen diese Rückvergütung von 21,48 Cent je Liter beantragen. Allerdings verzichtet laut einer Recherche der Tagesschau fast die Hälfte der Höfe auf die Steuerentlastung: Demnach stellten 2021 rund 56 Prozent der Betriebe einen Antrag, 2022 waren es etwa 57 Prozent. Neuere Zahlen liegen laut ARD nicht vor.
Die durchschnittliche Erstattung pro Betrieb liegt nach Angaben des Senders bundesweit bei knapp 2.800 Euro. Bei größeren Betrieben könne die Summe allerdings deutlich höher ausfallen, hieß es.
Warum der Sächsische Handwerkstag den Gewerbediesel fordert
Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, schloss sich indes der Forderung nach einem Gewerbediesel an. „Logistikketten, Fuhrparks und Baumaschinen werden fast ausschließlich mit Diesel betrieben. Die Kosten laufen aus dem Ruder und verteuern am Ende viele Produkte und Dienstleistungen“, sagte der Diplom-Bauingenieur. Die Sorge in den Handwerksunternehmen sei groß, dass die Nachfrage einbreche oder Projekte auf die lange Bank geschoben würden.
Gleichzeitig mahnte er eine Änderung der Tankstellenregelung an: Sie sollten die Preise nur einmal am Tag senken dürfen. „Damit wären die Unternehmen gezwungen, den Preis auf das niedrigste für sie noch rentable Niveau zu setzen, da sie den Preis der Konkurrenz nicht kennen“, sagte Nostitz.
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