Ausrasten hilft nicht weiter - aber unsere 5 Tipps.
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Probleme mit Azubis? 5 Tipps für Ausbildungsgespräche

Probleme mit Azubis können in jedem Betrieb auftreten. Aber wie führen Sie ein gutes Gespräch? Mit unseren fünf Tipps erreichen Sie Ihren Lehrling.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Viele Betriebe haben Probleme mit Azubis: Mangelnde Motivation und hohe Fehlzeiten ärgern Chefs und Ausbilder.
  • Auch Azubis sind frustriert: Rund ein Viertel bricht die Ausbildung ab.
  • Um Probleme frühzeitig zu vermeiden, sollten Sie von Anfang an regelmäßig das Gespräch suchen.
  • Bei hohen Fehlzeiten oder schlechten Leistungen in der Berufsschule versuchen Sie, in einem Krisengespräch den Gründen unvoreingenommen auf die Spur zu kommen. Legen Sie mit Ihrem Azubi realistische Ziele fest.
  • Bleiben Sie offen im Gespräch, hören Sie zu und versuchen Sie, die positiven Entwicklungen wahrzunehmen und zu loben.
  • Bei übermäßiger Handynutzung helfen klare Regeln, die für alle gelten.

Unmotiviert, kein Durchhaltevermögen, dauernd krank und immer das Handy im Anschlag – die Klagen vieler Ausbilder über die aktuelle Generation der Azubis konzentriert sich oft auf diese Probleme. Und auch die Lehrlinge sind nicht immer glücklich: Die Abbrecherquote liegt laut Berufsbildungsbericht 2020 über 25 Prozent.

5 Tipps: So finden Sie Ihren Wunsch-Azubi

Sie versuchen verzweifelt, eine Lehrstelle zu besetzen, aber es klappt nicht? Dann helfen Ihnen diese Tipps weiter.
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Doch wie bringt man beide Seiten zusammen? Julia Riese und Kathleen Jäntsch von der Bildungseinrichtung Handwerk & Bildung in Sondershausen, haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Auf der Grundlage von Interviews mit Ausbildern und Azubis im Handwerk wurden modulare Schulungseinheiten für eine Weiterbildung zum Azubi-Coach im Handwerk entwickelt.

Hier geben Riese und Jäntsch die wichtigsten Tipps für den Umgang mit Azubi-Krisen.

1. Hinterfragen Sie Ihre Einstellung

Ihr Azubi ist unmotiviert, bringt sich im Betrieb nicht ein und verursacht immer wieder Probleme? Bevor Sie verzweifeln oder ihn zusammenfalten, sollten Sie Ihre Einstellung überprüfen. „Ausbilder müssen ein echtes Interesse an den Azubis haben und ihnen offen gegenüberstehen“, sagt Kathleen Jäntsch. Eine vorgefertigte Meinung – „Die Jungend von heute ist unmotiviert und verwöhnt“ – helfe da nicht weiter. Auch Vergleiche mit der eigenen Lehrzeit – „Mir wurde auch nichts geschenkt“ – bringen nichts. Fragen Sie sich besser: Was hätte ich mir gewünscht?

„Ausbilder sollten versuchen, die Dinge aus der Sicht des Azubis zu sehen“, so Jäntsch. Viele Betriebe hätten sehr hohe Erwartungen an die Lehrlinge, die sich davon unter Druck gesetzt fühlten. „Doch Azubis sind Jugendliche, die oft unsicher sind und ihren Platz noch suchen“, betont Jäntsch. Ehrliches Interesse und Lob helfen, eine Bindung zwischen Azubi und Ausbilder aufzubauen.

Ihr Tipp: Bennen Sie eine Vertrauensperson für den Azubi, die nicht der Ausbilder ist. „Im Handwerk sind die Ausbilder auch meist die Inhaber. Es ist aber oft einfacher für den Azubi, sich bei Problemen an einen anderen Mitarbeiter zu wenden. Die Hürde ist dann kleiner.“

2. Führen Sie regelmäßig Ausbildungsgespräche

Warten Sie nicht, bis es Probleme gibt, um mit Ihrem Azubi zu sprechen, sondern sprechen Sie regelmäßig einmal im Monat miteinander. Nehmen Sie sich Zeit für solche Ausbildungsgespräche, klemmen Sie es nicht zwischen zwei wichtige Termine. Und schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre. „Das beginnt bei der Sitzposition“, erläutert Julia Riese, die Projektleiterin. „Setzen Sie sich nicht gegenüber, sondern besser nebeneinander oder über Eck. So bilden sich keine Fronten.“

In der Gesprächsführung sollten Sie offene Fragen stellen, empfiehlt Jäntsch. „Wie ist Deine Sicht der Dinge?“ Die offene Haltung sei wichtig, betont die Ausbildungsexpertin. „Wer mit einer vorgefassten Meinung ins Gespräch geht, der wird nicht viel erfahren.“ Spiegeln Sie das Gehörte, damit Ihr Azubi merkt, dass Sie zuhören. „Habe ich Dich richtig verstanden? Du hast gesagt, dass…“

Um einzuschätzen, wie wohl sich der Azubi fühlt, kann eine Skalierungsfrage helfen, so Jäntsch. „Bitten Sie Ihren Lehrling, auf einer Skala von eins bis zehn seine Zufriedenheit einzuschätzen. Wenn sie niedrig ist, fragen Sie warum und wie das geändert werden kann.“ Beim nächsten Gespräch können Sie hier anknüpfen und sehen, ob sich etwas geändert hat.

3. Loben Sie Ihren Azubi mit dem Feedback-Burger

Nichts motiviert mehr als ein Lob. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Lehrling schon fürs Kommen loben sollen, aber ein positives Feedback ist wichtig – gerade, wenn es öfter auch mal Schwierigkeiten gibt. „Die Azubis wünschen sich eher Lob als einen Gutschein“, sagt Jäntsch.

Aber wie gehe ich das Feedback richtig an, gerade, wenn es auch berechtigte Kritik gibt? Bei Handwerk & Bildung wurde hierfür ein Feedback-Burger erstellt, anhand der Bedürfnisse der Azubis und auf Grundlage bestehender Feedbackmethoden.

Ein Rezept für das Feedback mit sieben Zutaten:

  1. Brötchendeckel: Lob, positive Anmerkung.
  2. Tomaten: Was habe ich wahrgenommen?
  3. Käse: Wie hat es auf mich gewirkt?
  4. Salat: Was würde ich mir wünschen?
  5. Zwiebeln: Was lief nicht so gut?
  6. Bulette: Konkrete Vorschläge, Fachwissen, Hilfe
  7. Brötchenunterseite: Lob, positive Bemerkung.

„Es ist wichtig positiv zu enden, sonst bleibt ein bitterer Nachgeschmack“, sagt Jäntsch.

4. Probleme wegen hoher Fehlzeiten? Suchen Sie das Gespräch!

Immer montags fehlt der Azubi? „Wenn der Krankenstand hoch ist, ist das ein Alarmsignal, dass etwas schief läuft“, sagt Riese. Dann sollten Sie dem Thema auf den Grund gehen, indem Sie ein ausführliches Fehlzeitengespräch führen.

„Hier ist eine gute Vorbereitung besonders wichtig“, betont Riese. Sammeln Sie die Fakten: Wie oft fehlt der Azubi tatsächlich, gibt es Muster? Auch hier gilt: Bleiben Sie offen für das, was Ihr Azubi sagt, aber bleiben Sie beim Thema Fehlzeiten. „Ziel des Gesprächs ist, die Fehlzeiten zu senken“, so Riese. Andere Themen sollten daher nicht besprochen werden.

Wichtig: Der Lehrling ist nicht verpflichtet, Fragen über seine Erkrankungen zu beantworten. Das Ziel sollte daher sein, herauszufinden, ob das häufige Kranksein mit dem Betrieb zusammenhängt und auszuloten, was geändert werden kann. „Fragen Sie möglichst konkret“, rät Riese. „Uns ist aufgefallen, dass Du montags häufiger fehlst? Was ist dann anders als dienstags?“

„Vielen Azubis ist zudem nicht klar, das häufiges Fehlen im Betrieb oder in der Berufsschule eine Prüfungszulassung verhindern kann“, sagt Riese. „Das sollte im Gespräch klargestellt werden.“ Auch schlechten Leistungen in der Berufsschule sollten Sie daher auf den Grund gehen.

Vereinbaren Sie mit dem Azubi realistische Ziele und ein neues Gespräch. Das ist dann eine Gelegenheit, ein neues Feedback zum Verhalten zu geben und positive Entwicklungen zu loben.

5. Und immer dieses Handy! Klare Regeln helfen

Es nervt Sie, dass der Azubi ständig sein Smartphone in der Hand hat? Schauen Sie erst genau hin, bevor Sie explodieren! „In der Pause dürfen die Auszubildenden machen, was sie wollen und was ihnen gut tut“, sagt Jäntsch. „Das Handy ist für die Jugendlichen extrem wichtig, fast wie ein eigenes Organ.“

Während der Arbeitszeit sei das anders, so Jäntsch. „Hier muss – oft schon aus Sicherheitsgründen – das Handy sicher verstaut werden.“ Aber schauen Sie auch auf sich selbst: Wie oft haben Sie das Handy in der Hand? Und ist das wirklich immer beruflich begründet? „Wenn Sie Regeln aufstellen, dann müssen diese auch für alle gelten.“

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