Wirtschaftslage im Handwerk

Eigenkapital im Handwerk: Leichte Erholung trotz Krise

Viele Handwerksbetriebe leiden unter den Folgen der Wirtschaftskrise, so das Ergebnis einer Creditform-Studie. Diese vier Entwicklungen sollten Sie kennen.

4 Min.19.03.2026, 13:34 Uhr
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26,8 Prozent der Handwerksbetriebe gaben bei der Umfrage der Creditreform an, dass sie über eine hohe Eigenkapitalquote verfügen. Der Wirtschaftsausfkunftei zufolge ist das „der beste Wert seit 1998“.
26,8 Prozent der Handwerksbetriebe gaben bei der Umfrage der Creditreform an, dass sie über eine hohe Eigenkapitalquote verfügen. Der Wirtschaftsausfkunftei zufolge ist das „der beste Wert seit 1998“. v.poth - fotolia.com
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Auf einen Blick

Die Zahl der Insolvenzen ist laut einer Creditreform-Analyse im Handwerk 2025 um 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Den stärksten Anstieg verzeichnete Kfz-Gewerbe.<strong> </strong>

Insgesamt hat sich der Personalabbau im vergangenen Jahr weiter fortgesetzt, so ein weiteres Ergebnis. Allerdings gibt es auch Handwerksbranchen, die 2025 unter dem Strich Personal aufgestockt haben.

Die Eigenkapitalquote im Handwerk zeigt eine leichte Erholung, so die Wirtschafsauskunftei. Außerdem liefert sie Erkenntnisse zu einem Trend bei der Betriebsnachfolge.

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Mehr als 1.200 Handwerksbetriebe hat die Creditreform Anfang 2026 zur wirtschaftlichen Lage befragt. „Viele Betriebe leiden weiter unter den Folgen der Wirtschaftskrise“, fasst die Wirtschaftsauskunftei das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie zusammen. Die Stimmung im Handwerk habe sich gegenüber dem Vorjahr zwar leicht gebessert, aber von einer echten konjunkturellen Wende könne keine Rede sein.

Doch die Analyse liefert nicht nur Antworten, wie es aktuell um die Stimmung im Handwerk steht. Sie gibt auch Einblicke in die Entwicklung von Eigenkapital, Personalsituation, Insolvenzen und Betriebsnachfolgen. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Personalsituation: Viele Handwerksbetriebe haben 2025 Personal abgebaut

Der Personalabbau hat sich im Handwerk laut Creditreform 2025 fortgesetzt: 22,1 Prozent der Betriebe hätten zuletzt ihren Personalbestand reduziert. Zusätzliche Mitarbeitende hätten 20,6 Prozent der Betriebe eingestellt, so das Ergebnis der Umfrage. „Das Handwerk baut seit drei Jahren Stellen ab. In diesem Tempo zuletzt vor 20 Jahren“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Allerdings gibt es auch Gewerke, die in den vergangenen Monaten per Saldo Personal aufgestockt haben. Der Wirtschaftsauskunftei zufolge gilt das für das Nahrungsmittelhandwerk (plus 9,8 Prozentpunkte), das Kfz-Gewerbe (plus 8,5 Prozentpunkte) sowie für die personenbezogenen Dienstleister (plus 5,2 Prozentpunkte).

Einen deutlichen Beschäftigungsverlust hingegen habe per Saldo das Handwerk für den gewerblichen Bedarf verzeichnet: Dort hätten 26,9 Prozent der befragten Betriebe ihre Mitarbeiterzahl verringert und lediglich 20 Prozent hätten einen erhöhten Personalbestand gemeldet.

Betriebsnachfolge: Anteil der Übernahmen innerhalb der Familie sinkt

Betriebsnachfolge im Handwerk? Das passierte lange Zeit vor allem innerhalb der Familie. Doch die Creditreform-Analyse zeigt, dass die klassische Betriebsübergabe zunehmend an Bedeutung verliert.

Zwar ist die familieninterne Nachfolge noch immer die häufigste Form der Betriebsübergabe im Handwerk. Allerdings kommt sie nur noch für 50,5 Prozent der Betriebe infrage, so die Wirtschaftsauskunftei. 2018 sei das noch bei 55 Prozent der Betriebe eine Option gewesen.

Am zweithäufigsten kommt für Betriebsinhaber die Übergabe an einen Mitarbeiter oder Miteigentümer in Betracht (40,6 Prozent). Ein Verkauf an Externe kommt laut der Studie für 38,2 Prozent infrage.

Doch nicht nur die Übergabe ist für Betriebsinhaber eine Option: Die Creditreform weist darauf hin, dass der Anteil der Betriebe, die eine Schließung erwägen, steigt. Sie prognostiziert, dass etwa 16,8 Prozent der Betriebe nicht fortgeführt werden dürften. 2018 habe dieser Anteil lediglich bei 12 Prozent gelegen.

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Eigenkapitalquote: Insgesamt eine leichte Erholung

Auch zum Eigenkapital liefert die Studie Erkenntnisse: Demnach gibt es im Handwerk zunehmend mehr eigenkapitalstarke Betriebe und weniger eigenkapitalschwache. Zuletzt hätten 26,8 Prozent der Betriebe eine hohe Eigenkapitalquote gemeldet, teilt die Creditreform mit. Das sei „der beste Wert seit 1998“.

Der Wirtschaftsauskunftei zufolge gibt es allerdings nach wie vor Betriebe, die eine niedrige Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent haben – aktuell seien es 32,8 Prozent der Betriebe. Vor allem im Baugewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk hätten Betriebe solch niedrige Quoten.

Doch warum ist Eigenkapital eigentlich so wichtig? „Eigenkapital ist im Handwerk das entscheidende Sicherheitsnetz“, erläutert Hantzsch. „Wer seine Ertragskraft stärkt, macht sich unabhängiger von Banken und Fremdkapital.“

Insolvenzen: 2025 im Handwerk stärker gestiegen als in der Gesamtwirtschaft

Die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben ist laut Creditreform 2025 um 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, insgesamt seien es 4.950 Insolvenzfälle im Handwerk gewesen.

Die Auskunftei weist darauf hin, dass der Anstieg der Insolvenzen im Handwerk damit stärker ausgefallen ist als in der Gesamtwirtschaft. Das bestätigen auch Zahlen vom Statistischen Bundesamt: Laut der Statistikbehörde ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 in der Gesamtwirtschaft um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Doch zurück zur Analyse der Creditreform: Sie zeigt auch, welche Handwerksbranchen besonders vom Anstieg der Insolvenzen betroffen sind. Besonders deutlich haben 2025 demnach die Insolvenzen im Kfz-Gewerbe (plus 31,3 Prozent) sowie im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (plus 20 Prozent) zugenommen. Das Ausbaugewerbe verzeichnete laut Creditreform mit 33,1 Prozent den höchsten Anteil am gesamten Insolvenzgeschehen, gefolgt vom Bauhandwerk mit 25,3 Prozent.

Die Entwicklung der Insolvenzzahlen führt Patrik-Ludwig Hantzsch auf die gestiegenen Kosten für Energie, Material und Löhne zurück: „Ohne ausreichende Reserven geraten viele Betriebe schnell in existenzielle Schieflage.“

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