Wann können Sie Ihren Mitarbeiter haftbar machen?
Foto: WITTAYA - stock.adobe.com

Personal

Teurer Fehler – wann haftet der Mitarbeiter?

Kann ein Mitarbeiter haftbar gemacht werden, wenn er einen teuren Schaden anrichtet? Eine Arbeitsrechtsexpertin gibt Auskunft.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ein Fehler, der einem Ihrer Mitarbeiter bei der Arbeit unterläuft, kann teuer werden.
  • Voll haftbar ist der Mitarbeiter nur, wenn er grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat.
  • Als Arbeitgeber sind Sie in der Beweispflicht: War es Fahrlässigkeit oder Vorsatz? Ist der Schaden tatsächlich durch den Fehler des Mitarbeiters entstanden?
  • Ein hoher Schaden kann von einem durchschnittlichen Gesellengehalt kaum beglichen werden. Gerichte legen nicht selten eine Obergrenze bei drei Monatsgehältern fest.
  • Bedenken Sie die Folgen, wenn Sie Schadensersatz fordern. Unter Umständen verunsichern Sie Ihr ganzes Team.

Wo gearbeitet wird, da passieren Fehler. Das weiß wohl jeder Chef. Ärgerlich aber ist es, wenn der Fehler teuer wird, etwa weil eine wertvolle Maschine kaputtgeht. Wer privat einen Schaden anrichtet, muss dafür haften. Doch wie ist es im beruflichen Umfeld? Kann von einem Mitarbeiter Schadensersatz verlangt werden, wenn er einen Fehler gemacht hat? „Grundsätzlich ja“, sagt Kathrin Schulze Zumkley, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Doch ganz einfach ist es nicht. Es müssen einige Punkte bedacht werden, damit Sie Ihren Mitarbeiter haftbar machen können.

Bei Fehlern hilft nur die Flucht nach vorn

Fehler passieren. Da aber auch der gute Ruf für Handwerksbetriebe wichtig ist, kommt es auf einen geschickten Umgang damit an. Was ist zu tun?
Artikel lesen >

1. Ihr Mitarbeiter handelt grob fahrlässig oder vorsätzlich

„Im Arbeitsverhältnis gelten andere Spielregeln als bei privat verursachtem Schaden“, erläutert Anwältin Schulze Zumkley. Denn das Bundesarbeitsgericht hat für die Haftung von Arbeitnehmern die sogenannten Grundsätze zum innerbetrieblichen Ausgleich aufgestellt. Sie fußen auf zwei Überlegungen:

  1. Fehler sind menschlich und unterlaufen deshalb auch dem sorgfältigsten Mitarbeiter.
  2. Der Arbeitgeber betraut den Mitarbeiter mit einer Aufgabe und schafft so erst die Situation, in der das Schadensrisiko entsteht.

„Wenn bei einer betrieblich veranlassten Tätigkeit ein Schaden entsteht, kann dem Mitarbeiter deshalb nicht ohne Weiteres zugemutet werden, hierfür uneingeschränkt zu haften“, so Schulze Zumkley. Ausnahme: „Bei grober Fahrlässigkeit, also dann, wenn der Arbeitnehmer die erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt und unbeachtet gelassen hat, was jedem hätte einleuchten müssen, haftet der Arbeitnehmer voll“, erläutert die Rechtsanwältin. Gleiches gelte bei vorsätzlichem Handeln.

Wer ein teures Werkzeug über Nacht auf einer unbewachten Baustelle zurücklässt, handelt regelmäßig grob fahrlässig. Sollte der Mitarbeiter womöglich sogar feststellen, dass er das Werkzeug vergessen hat und sich entscheiden, es nicht zu holen, kann das Vorsatz sein. „Wenn das Werkzeug dann gestohlen wird, kann der Arbeitgeber den Mitarbeiter haftbar machen“, so Schulze Zumkley.

2. Sie müssen das fahrlässige oder vorsätzliche Verhalten und den entstandenen Schaden nachweisen

„Will der Arbeitgeber in der Praxis Schadensersatz von einem Mitarbeiter fordern, muss er das grob fahrlässige oder vorsätzliche Verhalten beweisen können“, sagt Schulze Zumkley. Manchmal ist das leicht, wenn beispielsweise der Mitarbeiter eine rote Ampel überfährt und so einen Unfall verursacht. „Was ist aber, wenn eine Schraube mit dem falschen Drehmoment angezogen wurde? Hier lässt sich unter Umständen schon deutlich schwieriger beweisen, dass der Mitarbeiter dies hätte besser wissen, bemerken und korrigieren müssen“, so die Anwältin.

Auch dass der Schaden durch den Fehler des Mitarbeiters entstanden ist, muss vom Arbeitgeber nachgewiesen werden. „Er muss also belegen, dass beispielsweise das Auto nicht schon vor dem Unfall beschädigt war“, erläutert die Anwältin.

3. Den vollen Schaden wird Ihr Mitarbeiter meist nicht ersetzen müssen

Die Schadenssummen, die aufgrund eines Fehlers bei der Arbeit auflaufen können, übersteigen oft die Vermögensverhältnisse eines einfachen Arbeitnehmers deutlich. „Wenn ein Mitarbeiter eine Maschine beschädigt, geht der Schaden unter Umständen in die Millionen. Das kann niemand mit einem Bruttogehalt von 3.000 Euro abzahlen“, sagt Kathrin Schulze Zumkley. Es existiere zwar keine feste Obergrenze, „aber in der Praxis werden nur selten mehr als drei Monatsgehälter zugesprochen“ so die Anwältin. Wie viel letztlich gezahlt werden muss, entscheide das Gericht in jedem Einzelfall.

Arbeitsrecht

Bei Hitze auf dem Bau arbeiten: Das gilt rechtlich

Ein Recht auf Hitzefrei gibt es auf dem Bau nicht. Arbeitgeber haben bei hohen Temperaturen aber Pflichten – und dürfen die Arbeitszeiten anpassen.

Recht

Unbezahlte Überstunden: Was rechtlich gilt!

Überstunden führen in vielen Unternehmen zu Streit: Müssen Arbeitnehmer Überstunden leisten und sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, für die Mehrarbeit zu zahlen?

Arbeitsschutz mangelhaft

Wer haftet beim Unfall auf der Baustelle?

Beim Arbeitsschutz auf der Baustelle hat jemand geschlampt. In der Folge verunfallt einer Ihrer Mitarbeiter. Einer ist immer mitverantwortlich: Sie.

Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts

Arbeitsrecht: Diese 10 Urteile sollten Arbeitgeber kennen

Befristung, Videoüberwachung oder Resturlaub – es gibt viele Gründe für Streit mit Mitarbeitern. Diese Urteile des Bundesarbeitsgerichts sollten Chefs kennen.