Welche Gehaltsstrategien verfolgen Handwerksbetriebe?
Gehälter im Handwerk sind wenig transparent: Wer zahlt im Vergleich wie gut? Eine Umfrage unter mehr als 1.000 Betrieben bietet jetzt Einblicke – auch in die Gehaltsextras.
Auf einen Blick
Welche Rolle spielen die Gehälter im Handwerk für die Gewinnung neuer Fachkräfte, Führungskräften und Azubis im Handwerk? Verschiedene Studien zeigen, dass eine hohe Vergütung für Jobsuchende an Bedeutung gewinnt. Bislang fehlten allerdings entsprechende Daten aus dem Handwerk.
Nun bietet eine aktuelle Studie erste Einblicke: Das Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften hat mehr als 1.000 ostbayerische Handwerksbetriebe zu Vergütungssystemen und Löhnen bei Neueinstellungen befragt. Dabei mussten die Unternehmen nur Angaben zu Neueinstellungen machen. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die aktuelle Vergütungsstrategie.
Hier die wichtigsten Ergebnisse:
1. Wie Chefs über Gehälter entscheiden: die Top 5 der Lohnfaktoren
Betriebe nennen im Durchschnitt acht Kriterien für die Gehaltshöhe neuer Mitarbeiter. Schulbildung und Berufsabschluss sind dabei weniger wichtig. Entscheidend sind:
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2. Handwerk bietet Meistern gute Gehälter
Die Forscher verglichen die Vergütung von Handwerksmeistern mit Angestellten mit Bachelor- oder Techniker-Abschluss. Mit dem Ergebnis, das Handwerk sei ein gut entlohnender Wirtschaftsbereich:
- Arbeitnehmer mit Techniker- oder Bachelorabschluss können laut LFI außerhalb des Handwerks zwischen 3.800 und 5.000 Euro brutto verdienen.
- Im Handwerk liege die Vergütungsspanne für Meistern zwischen 2.305 Euro brutto (im Friseurhandwerk) und 8.500 Euro brutto (im Maurer- und Betonbauerhandwerk).
- Das Durchschnittseinkommen eines Meister betrage fast durchweg 4.000 Euro brutto.
- Die Maximalvergütungen im Handwerk lägen mit 6.000 bis 8.500 Euro „auf einem sehr hohen Niveau“.
3. Ausbildungsvergütung ist vergleichbar
Auch bei den Ausbildungsvergütungen steht das Handwerk nach Einschätzung des LFI anderen Wirtschaftsbereichen „in nichts nach“:
- Azubis verdienen im ersten Jahr außerhalb des Handwerks 650 bis 1.300 Euro.
- In den befragten Handwerksbetrieben liege die Ausbildungsvergütung im ersten Jahr zwischen 650 Euro und 1.400 Euro. Vor allem in stark vom Fachkräftemangel betroffenen Gewerbegruppen seien Maximalvergütungen von 1.400 Euro bereits im ersten Lehrjahr möglich.
- Im dritten Jahr liege die Ausbildungsvergütung im Handwerk zwischen 700 Euro (Friseure) und 1.800 Euro (Bäcker, Konditoren).
Das LFI widerspricht pauschalen Aussagen, dass die Ausbildungsvergütung im Handwerk im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbereichen ungenügend sei. Vielmehr komme es – wie in allen Wirtschaftsbereichen – auf den einzelnen Arbeitgeber und dessen Zahlungsbereitschaft an.
4. Je höher der Stundenlohn, desto kürzer die Vakanz
Die befragten Betriebe benötigen durchschnittlich 7,7 Monate, um eine Gesellenstellen zu besetzen. Für Meisterpositionen beträgt die Vakanzzeit 8,2 Monate.
Die Umfrage zeige jedoch beispielhaft, dass sich die durchschnittliche Vakanzzeit bei Gesellen sich mit steigendem Stundenlohn verringere. Eine attraktive Vergütung sei daher „ein effektives Mittel“ zur Gewinnung von Fachkräften. Betrieben mit langen Vakanzzeiten empfehlen die Forscher, übertariflich zu zahlen.
5. Die Top 5 der Gehaltsextras im Handwerk
Die befragten Betriebe nutzen Gehaltsextras zur Fachkräftesicherung und Motivation. Durchschnittlich nannten sie jeweils fast zehn Extras für ihre Mitarbeitenden. Am häufigsten bieten sie:
Aber auch Tankgutscheine, Jobräder oder Snacks sind relativ weit verbreitet. Weit hinten liegen Beiträge zu Versicherungen (7 Prozent), Zuschüsse zur Kinderbetreuung (4 Prozent) und Erfolgsbeteiligungen (8 Prozent).
Besonders viele Extras bieten der Studie zufolge vor allem sehr gut entlohnende Betriebe. Betriebe mit geringeren Vergütungshöhen sich jedoch darum bemühen, bei den Benefits „annähernd auf Augenhöhe mit der besser entlohnenden Konkurrenz zu bleiben“.
6. Viele Betriebe entlohnen ihre Teams einheitlich
Ein Drittel der Betriebe vereinbart die Entlohnung individuell mit jedem Mitarbeitenden.
Die Mehrheit der Befragten behandelt ihre Teams jedoch einheitlich:
- 36 Prozent zahlen allen Mitarbeitenden feste Monatsgehälter.
- 28 Prozent entlohnen ihre Mitarbeitenden nach den erbrachten Arbeitsstunden.
- 3 Prozent zahlen ein Grundentgelt plus Leistungszulage.
Unterschiede zeigt die Studie je nach Tätigkeit und Qualifikation:
- Gesellen werden am häufigsten auf Basis ihrer geleisteten Stunden vergütet (54 Prozent).
- Meister erhalten am häufigsten ein fixes Gehalt (58 Prozent) oder werden nach geleisteten Stunden bezahlt (32 Prozent).
- Kaufmännische Beschäftigte erhalten überwiegend ein Fixgehalt (74 Prozent).
Einfluss auf das Entlohnungssystem hat auch die Betriebsgröße:
- Kleinere Betriebe mit bis zu 9 tätigen Personen bevorzugen einfache Systeme, die dann einheitlich für alle Mitarbeitenden gelten: Sie setzen überwiegend auf Fixgehälter (42 Prozent) oder auf Stundenlöhne (34 Prozent).
- Größere Handwerksbetriebe tendieren zu Vergütungssystemen, die sie individuell auf verschiedene Beschäftigtengruppen zuschneiden.
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