Handwerker dürfen grundsätzlich vom Kostenvoranschlag abweichen. Doch dabei sollten sie einiges beachten.
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Baurecht

Was Handwerker bei Kostenvoranschlägen beachten müssen

Kostensteigerungen oder eine Vergütung für den Kostenvoranschlag können zu Ärger mit Kunden führen. Ein Baurechtler erklärt, was Handwerker beachten müssen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Handwerker dürfen bei der Schlussrechnung vom Kostenvoranschlag abweichen. Allerdings müssen sie dabei einige Regeln beachten.
  • Laut Rechtsprechung sind Abweichungen von bis zu 20 Prozent möglich, so Baurechtler Philip Pürthner. Handwerker müssen ihre Kunden aber zuvor über eventuelle Kostensteigerungen informieren.
  • Versäumen es Handwerker, über mögliche Kostensteigerungen zu unterrichten, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht.
  • Für einen Kostenvoranschlag können Handwerker Geld verlangen. Aber: Sie müssen die Vergütung vorab mit ihren Kunden vereinbaren.
  • Kostenvoranschläge sind keine Angebote, denn in einigen wesentlichen Punkten unterscheiden sie sich von einem Angebot.

Kunden verlangen in der Regel Kostenvoranschläge, weil sie wissen wollen, wie teuer sie eine Reparatur zu stehen kommt. Doch Arbeiten auf dem Bau sind manchmal unberechenbar. Und so kommt es nicht selten vor, dass die im Kostenvoranschlag genannte Summe am Ende nicht ausreicht und die Rechnung für den Kunden teurer wird als gedacht. Doch darf das überhaupt sein? Und wie stark können Handwerker vom Kostenvoranschlag abweichen? Philip Pürthner, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein kennt die Antworten.

Was gilt, wenn Bauarbeiten teurer werden als gedacht?

„Abweichungen vom Kostenvoranschlag sind grundsätzlich möglich“, sagt der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht von der Kanzlei RJ Anwälte. Laut Gesetz dürfen die Abweichungen jedoch nicht wesentlich sein. „Der Gesetzgeber hat nicht definiert, was unter einer wesentlichen Abweichung vom Kostenvoranschlag zu verstehen ist und was nicht“, so der Jurist. Orientierung gebe die Rechtsprechung, nach der Abweichungen von 15 bis 20 Prozent möglich seien.

Doch in welchen Fällen könnte eine solche Abweichung vorkommen? Rechtsanwalt Pürthner erläutert das an einem Beispiel:

Die Sanierungsarbeiten auf der Baustelle sind im vollen Gange. Ein Betrieb ist lediglich mit neuem Tapezieren und Anstrich beauftragt. Beim Entfernen der Tapete fallen den Handwerkern plötzlich große Putzbrocken von den Wänden. Infolgedessen benötigen sie zusätzliches Material, um ihren Vertrag mit dem Kunden erfüllen zu können. Außerdem ist der Arbeitsaufwand viel höher als ursprünglich geplant. „Es entsteht somit ein zusätzlicher Vergütungsanspruch“, sagt der Baurechtler.

Was ist bei der Abweichung vom Kostenvoranschlag zu beachten?

„Über jede Abweichung müssen Handwerker ihre Kunden in Kenntnis setzen“, betont Rechtsanwalt Philip Pürthner. Damit meint er aber nicht Differenzen bei einzelnen Positionen, sondern lediglich Abweichungen von der im Kostenvoranschlag genannten Gesamtsumme. „Informieren Handwerker nicht über mögliche Kostensteigerungen, haben Auftragnehmer ein Sonderkündigungsrecht“, so der Baurechtler. Das bedeutet: Kunden können den Vertrag fristlos kündigen, wenn sie den höheren Preis nicht zahlen wollen. Nach Einschätzung von Rechsanwalt Pürthner können sie von diesem Recht auch dann Gebrauch machen, wenn sich eine Kostensteigerung als wahrscheinlich abzeichnet und der Handwerker darüber noch nicht informiert hat. Hinzu kommt dem Baurechtler zufolge aber noch etwas: „Informiert der Handwerker nicht, kann er sich schadenersatzpflichtig machen.“

Wie sollten Handwerker über Abweichungen vom Kostenvoranschlag informieren?

Es gibt keine Vorgabe, wie Handwerker ihre Kunden über Abweichungen vom Kostenvoranschlag informieren müssen. Dennoch rät Baurechtler Philip Pürthner zur Schriftform. „Ideal ist es, wenn Sie sich den Erhalt des Schreibens bestätigen lassen“, so der Jurist. Dann könnten die Auftraggeber bei späteren Streitigkeiten nicht einfach behaupten, sie hätten von der Kostensteigerung nie etwas gehört.

Doch es gibt auch Kunden, die auf Schreiben einfach nicht reagieren. Für Handwerksunternehmer hat Rechtsanwalt Pürthner deshalb noch einen Tipp: „Weigert sich der Auftraggeber beziehungsweise ignoriert er Ihr Anliegen, wiederholen Sie es vor Zeugen.“ Das könnten beispielsweise Mitarbeiter sein.

Dürfen Handwerker Geld für einen Kostenvoranschlag verlangen?

Einen Kostenvoranschlag zu erstellen, ist für Handwerksbetriebe mit Aufwand verbunden. Der lohnt sich, wenn sich Kunden nach Erhalt des Kostenvoranschlags beispielsweise dafür entscheiden, den Betrieb mit Sanierungsarbeiten zu beauftragen. Entscheidet sich der Kunde hingegen für die Konkurrenz, war der Aufwand vergebens. Eine Vergütung für den Kostenvoranschlag kann sie daher für den Aufwand entschädigen.

„Das ist grundsätzlich möglich“, sagt Rechtsanwalt Philip Pürthner. Allerdings weist er darauf hin, dass Handwerker mit ihren Kunden die Vergütung für den Kostenvoranschlag ausdrücklich vorab vereinbaren müssen. Auch hier empfiehlt der Baurechtler, die Vereinbarung schriftlich festzuhalten. „Dann können Handwerker im Streitfall besser nachweisen, dass der Kunde mit der Vergütung für den Kostenvoranschlag einverstanden war“, so Pürthner.

Doch wie viel dürfen Handwerker für einen Kostenvoranschlag verlangen? „Sie können die Leistung zum Beispiel nach dem Zeitaufwand abrechnen“, meint der Baurechtler.

Ist der Kostenvoranschlag mit einem Angebot gleichzusetzen?

Kunden holen sich bei Handwerkern einen Kostenvoranschlag ein oder sie bekommen ein Angebot vorgelegt – beides erscheint auf den ersten Blick ähnlich. Doch die beiden Dokumente unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten. „Ein Angebot ist immer verbindlich“, erläutert Rechtsanwalt Philip Pürthner. Der Kostenvoranschlag hingegen sei in der Regel ein unverbindliches Preisangebot. Einzige Ausnahme: Der garantierte Kostenvoranschlag ist verbindlich.

Das Angebot unterscheidet sich aber noch in weiteren Punkten vom Kostenvorschlag. Laut Gesetz muss es immer kostenlos sein – beim Kostenvoranschlag ist das nicht zwingend so. „Außerdem haben Angebote im Gegensatz zu Kostenvoranschlägen meist eine Bindungsfrist“, sagt Baurechtler Pürthner. Das hat sowohl für Auftragnehmer als auch für Auftraggeber Folgen. Steht in einer Offerte beispielsweise, dass sie bis Ende April gültig ist,

  • können Handwerker ihrem Kunden erst im Mai ein anderslautendes Angebot unterbreiten und
  • können Kunden im Mai nicht verlangen, dass die im Angebot unterbreiteten Konditionen noch immer gelten.

„Die Bindung kann bei Angeboten aber auch aufgehoben werden“, so Philip Pürthner. Das sei beispielsweise der Fall, wenn in dem Schreiben folgende Formulierungen enthalten sind:

  • Angebot freibleibend oder
  • unverbindliches Preisangebot.

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