Möbelunikate aus Charakter-Stämmen
Massivholz, moderne Werkstatt und Social Media: In seiner Tischlerei vereint Jan Narten nachhaltiges Holz, effiziente Abläufe und ein motiviertes Team.
Auf einen Blick
Massiv, regional, nachhaltig: Holz mit diesen Eigenschaften ist genau das richtige Arbeitsmaterial für Jan Narten. Mit More than wood hat sich der Tischlermeister seinen Traum erfüllt. Seit 2019 läuft die Tischlerei Jan Narten im niedersächsischen Stemmen unter diesem Konzept. Die Philosophie dahinter: regionale und nachhaltige Hölzer verwenden, die nicht extra für die Verarbeitung gefällt wurden. „Wir arbeiten mit Stämmen, die eine Geschichte erzählen und einen Charakter haben“, erklärt der Betriebsinhaber. „Die Möbel bekommen durch den Ast erst richtig Charme“.
Als ältester Sohn eines Tischlermeisters war der Beruf quasi „vorherbestimmt“. 2005 hat sich Narten mit 20 Jahren mit seiner Tischlerei selbstständig gemacht. Die Anfangszeit war viel von Montagereisen geprägt. 2014 kam mit der Familie die Sesshaftigkeit und Narten kaufte die erste Halle. 2015 kam das erste Sägewerk dazu, und 2017 wurde eine Mitarbeiterin für die Planung und Konstruktion der Möbel eingestellt.
Mittlerweile hat Narten rund 700 Quadratmeter Lagerfläche für das Holz, etwa 450 Quadratmeter Werkstattfläche und die Ausstellungsfläche beträgt circa 200 Quadratmeter.
Die „moderne“ Werkstatt
Heute hat die Tischlerei drei Standbeine. Zum einen fertigen der Tischlermeister und seine elf Mitarbeitenden mit more than wood hauptsächlich Tische oder Arbeitsplatten aus Massivholz an. Ein weiteres Drittel der Aufträge sind Bettensysteme aus Österreich. Diese werden gehandelt doch die Tischlerei baut passende Bettrahmen aus regionalem Holz zu den Systemen. Das letzte - noch relativ neue Standbein - sind massive Parkett-Dielen mit rund sechs Metern Länge. Narten schneidet und porduziert die Dielen im hauseigenen Sägewerk. Die bis zu 50 Zentimeter breiten Dielen sind für Fußbodenheizungen geeignet und werden teils wie die anderen Werkstücke aus dem eigenen Lagerholz gefertigt.
In seiner Tischlerei sind Narten moderne Strukturen und Abläufe wichtig. Er hat in seiner Werkstatt für neue Maschinen, eine gute Absaugung und eine vernünftige Belichtung gesorgt. Der Unternehmer investierte in den vergangenen Jahren rund 600.000 Euro in seinen Betrieb. Die Investitionen gingen vor allem in Hallen, Holz und Maschinen, wie eine Planfräse, ein Sägewerk, einen Teleskoplader und die Absauganlage.
Der 41- Jährige wohnt mit seiner Familie auf dem Hof, auf dem auch die Werkstatt steht. Daher ist dem Familienvater auch ein gutes „Wir-Gefühl“ in seinem Team wichtig. Ein angemessener Pausenraum mit einer vollausgestatteten Küche gehört für Narten dazu. „Dort kann man mal freitags zusammen frühstücken“, schildert er.
Um bei den Aufgaben den Überblick zu behalten, werden Termine in einem Google-Kalender geplant. Dort hat jeder Mitarbeitende eine eigne Farbe. „Es ist einfach praktisch. Es ist wichtig, am Abend schon zu wissen, was am nächsten Tag ansteht“, erklärt der Tischlermeister. Durch seine Familie hat er erkannt, wie wichtig geregelte Arbeitszeiten und familiäre Organisation sind.
„Für mich bedeuten moderne Strukturen auch, dass man die Leute in die Verantwortung nimmt und ihre Eigenmotivation stärkt“, betont Narten. Eine gute Zusammenarbeit bestehe aus Geben und Nehmen.



Mitarbeitergewinnung durch Social Media
Seit 2014 bildet die Tischlerei Jan Narten auch Auszubildende aus. Der zehnte Azubi wird demnächst fertig. Anfragen für einen Ausbildungsplatz bekommt Narten hauptsächlich über Social Media. Die gut geführten Social-Media-Seiten werden auch bei der Mitarbeitersuche genutzt. Dort veröffentlicht der Betrieb Anzeigen und Gesuche.
Besonders auf Instagram ist die Tischlerei aktiv. Dort zeigt der Betriebsinhaber seinen fast 50.000 Followern in Videos kleine Einblicke in den Arbeitsalltag und Fotos von der Produktvielfalt. Zu einem modernen Arbeitsablauf gehört für Narten auch eine gelungene Außenwirkung mit guten Bildern. „Die Kunden und Mitarbeiter kommen über die Bilder und haben das Gefühl, dabei zu sein. Das ist uns sehr wichtig. “ Dafür hat der Tischlermeister extra eine Fotografin eingestellt, um hochwertigen Social-Media-Content zu erstellen. „Zum Glück haben wir ein Produkt, welches sich visuell gut darstellen lässt.“
Genau diese Massivholzprodukte und die kreative Arbeit damit sind für Narten ein Sinnbild für die klassische Vorstellung, warum man Tischler werden möchte. Das wollen auch die Auszubildenden erleben. „Bei uns bekommen die Azubis hauptsächlich Projektaufgaben“, erklärt der Meister. Für ihn ist es wichtig, die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein der jungen Mitarbeitenden zu stärken. Groß machen und nicht klein halten sei die Devise.
Die Sache mit der Finanzierung
Bei der Betriebsführung ist für Narten eine gute Finanzierung wichtig. Dafür hat er extra weitere Seminare belegt, um sich kaufmännisch weiterzubilden.
Um die Arbeitszeiten seiner Mitarbeitenden effektiver zu Nutzen und die Finanzierung direkt zu klären, hat sich der Meister ein Konzept überlegt: „Früher mussten mehr als drei Stunden Arbeitszeit für einen Erstkontakt investiert werden. Jetzt fahren wir nur zu den Kunden, wenn der Auftrag da ist“, betont er. Für einen Erstkontakt kommen die Interessenten nun mit ihren Maßen zur Tischlerei. Vor Ort können sich die Kunden in der Ausstellungshalle umschauen und eine Vorstellung von den Produkten bekommen. In der anschließenden Besprechung werden die Preisfrage, das Budget und die Umsetzung direkt geklärt. Die Kunden können laut Narten so die Kosten besser abschätzen und das Unternehmen könne so besser planen.
Künftig will Narten sein drittes Standbein mit den massiven Parkett-Dielen weiter im Betrieb integrieren. Mit einer neuen Maschine könne die Tischlerei aus den eigens gesägten regionalen Furnieren Möbelplatten selbst pressen. Damit haben die Kunden die Möglichkeit, das gleiche Holz auf dem Fußboden, an der Decke und der Wand zu haben, erklärt der Betriebsinhaber. “Davon gibt es bisher wenig auf dem Markt.“

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