Und nach der Schule? Ein Jahr ins Handwerk!
Mehr Azubis fürs Handwerk: Ein Freiwilliges Handwerksjahr gibt Schülern und Studienzweiflern die Möglichkeit, bis zu vier Berufe kennenzulernen – und so einen Ausbildungsplatz zu finden.
Auf einen Blick
Das Ausbildungsjahr hat begonnen und noch immer sind zahlreiche Ausbildungsplätze im Handwerk offen. Ein Grund: Viele Jugendliche haben in der Schulzeit wenig Kontakt zum Handwerk und kennen nur wenige der mehr als 130 Ausbildungsberufe.
Doch wie lässt sich dieses Problem angehen? Eine Idee kommt jetzt aus der Handwerkskammer Lübeck: das Freiwillige Handwerksjahr (FHJ). Angelehnt an das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr gibt es Jugendlichen die Möglichkeit, in bis zu vier verschiedenen Betrieben dreimonatige Praktika zu absolvieren und dabei – im besten Fall – den künftigen Beruf oder sogar schon den Ausbildungsbetrieb kennenzulernen. Die Handwerkskammer fungiert dabei als „Jobbörse“, berät die Jugendlichen und vermittelt sie an interessierte Betriebe im Kammerbezirk. 450 Euro monatlich erhalten die Praktikanten als „Aufwandsentschädigung“ von den Betrieben.
Die ersten FHJler starten im September
„Die Resonanz ist groß“, sagt Andrea Scheffler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des im Juli gestarteten Projekts. „Mehr als 100 Betriebe haben sich gemeldet und wir hatten schon 60 Jugendliche in der Erstberatung.“ Im September starten die ersten FHJler ins Praktikum.
Die Vorteile für die Betriebe seien zahlreich, meint Scheffler: Die Handwerkskammer kümmert sich um die Werbung für das FHJ, stellt den Kontakt zu den Betrieben her, vermittelt Kennenlerntermine und unterstützt beim Onboarding oder der Gestaltung des Praktikums.
Einen großen Vorteil sieht die HWK Lübeck auch mit Blick auf Ausbildungsabbrüche: Die Praktika vermittelten Schulabsolventen oder Studienabbrechern einen realistischen Blick auf den Beruf. „Statt blind zu raten, welcher Beruf der richtige sein könnte, können sich Jugendliche und Studienzweifler während des FHJ ausprobieren“, heißt es auf der Homepage. Finanzielle Unterstützung für das Projekt kommt vom Schleswig-Holsteinischen Institut für Berufliche Bildung (SHIBB).
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Sachsen-Anhalt: Erfolg mit der Ferien-Praktikumsprämie
Doch nicht nur Schulabsolventen, sondern auch Schülerinnen und Schüler sollen über ein Praktikum ins Handwerk gelockt werden. So bietet beispielsweise Sachsen-Anhalt bereits seit 2020 Schülern 120 Euro Prämie, wenn sie in den Ferien ein Praktikum von mindestens einer Woche Dauer absolvieren. Mit Erfolg: Seit Mitte 2020 bis Mitte 2024 hätten rund 2.500 Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt die Praktikumsprämie erhalten. Ein Drittel habe anschließend eine Ausbildung im Handwerk begonnen, heißt es in einem Faktencheck der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN), wo man sich ebenfalls eine solche Prämie wünscht. Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein haben sie jüngst eingeführt, in Brandenburg wird sie diskutiert.
Die Kosten seien überschaubar, betont die LHN. Lege man die Zahlen aus Sachsen-Anhalt zugrunde und rechne sie auf Niedersachsen hoch, ergebe dies jährlich 276.000 Euro Förderung. „Für alle Schülerinnen und Schüler ist das freiwillige Schnuppern in der Praxis von unschätzbarem Wert.“
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