Martin Heinrich kehrt der Bürokratie den Rücken. Der Unternehmer hat seinen Betrieb verkauft.

Politik und Gesellschaft

Zu viel Bürokratie: Dieser Unternehmer macht Schluss

Kann die Bürokratie Unternehmer in die Geschäftsaufgabe treiben? Bei Martin Heinrich ist es soweit gekommen. Hier erklärt er warum.

Inhaltsverzeichnis

Tiefpunkt und kein Ende des Drucks

2017 wuchs dem Unternehmer der Druck über den Kopf. „Ich habe noch eine halbe Stunde pro Nacht geschlafen und konnte überhaupt nicht mehr abschalten“, sagt Heinrich. Schließlich brach er zusammen. Diagnose: Burn-out. Es folgte ein siebenwöchiger Krankenhausaufenthalt. „Eine wunderbare Mitarbeiterin, der ich sehr dankbar bin, hat den Laden am Laufen gehalten und so konnte ich mich langsam wieder aus diesem Loch herauskämpfen“, erklärt er. Seine Einstellung zur Selbstständigkeit hat sich seitdem geändert. „Ich war Sklave meines Betriebs geworden“, urteilt Heinrich.

Der Wunsch, zu verkaufen, wuchs. Als die Entscheidung gefallen war, Heinrich aber letzte Zweifel hegte, ob es der richtige Weg sei, kam die nächste Auseinandersetzung: Die Agentur für Arbeit habe nicht verstehen wollen, dass Heinrich zuletzt aus unternehmerischen Gründen seine Arbeitnehmerüberlassungs-Lizenz nicht verlängert hatte. „Natürlich wurde ich direkt verdächtigt, Arbeitnehmer ohne Lizenz einfach weiterhin verleihen zu wollen“, sagt Heinrich. Ende Februar folgte die Prüfung im Steuerbüro, das für den Betrieb Steuern und Lohnabrechnung übernimmt. „Die von uns zeitaufwendig erstellten Mindestlohnzettel wurden erst gar nicht akzeptiert. So stelle ich mir als Unternehmer und Steuerzahler keine positive Zusammenarbeit mit den Behörden vor.“

Die Entscheidung

Heinrich lässt die Drohungen, Sitzungen mit Anwälten und die bürokratischen Hürden nun hinter sich. Dafür hat er eine gute Lösung gefunden: Zum 1. März hat ein größeres Unternehmen seinen Betrieb gekauft und führt ihn als eigenständige Abteilung weiter, die Heinrich nun als Angestellter leitet. „Abgesehen von den Streitereien mit den Behörden mache ich künftig dasselbe wie bisher. Nur dass ich jetzt endlich wieder mit zum Arbeiten rausfahren kann“, sagt er.

Die Entscheidung habe auch in seiner Familie für Erleichterung gesorgt. „Mein Sohn hat zu meiner Frau gesagt: ‚Danke, dass Papa die Firma verkauft hat‘“, berichtet der zweifache Vater. Nun hat er einen Plan für sein erstes freies Wochenende gefasst. „Ich fahre mit meinem Sohn an die Ostsee. Es wird unser erstes Vater-Sohn-Wochenende.“

Geht es Ihnen ähnlich wie Martin Heinrich? Sagen Sie es uns! Kommentieren Sie hier oder schreiben Sie an gille@handwerk.com

Tipp: Sie interessieren sich für politische Entscheidungen, die das Handwerk betreffen? Mit dem Newsletter von handwerk.com halten wir Sie auf dem Laufenden. Hier geht’s zum kostenlosen Abo.

Auch interessant:

Bonpflicht und Bürokratie: Diesen Betrieben reicht es

Handwerker demonstrieren gegen Bürokratie und fordern Entlastungen von der Politik. Neuer Kritikpunkt: die Bonpflicht. Die trifft viele Betriebe ab 2020.
Artikel lesen >

So machen Sie Schluss mit Stress im Betrieb

Stress im Handwerk ist mit der Industrie oder anderen Wirtschaftszweigen nicht zu vergleichen. Er hat andere Ursachen. Deswegen brauchen Sie auch eine eigene Anti-Stress-Strategie. Die gibt es jetzt.
Artikel lesen >
Foto: GVS - stock.adobe.com

Work-Life-Balance

Schluss mit dem Druck! Meister nimmt Auszeit

Bürokratie, Umsatzdruck, Mitarbeiterverantwortung: Dieser Meister wurde vom Unternehmer zum Getriebenen. Nun hat er seine Selbstbestimmtheit zurückerobert.

Foto: serhiibobyk - stock.adobe.com

Corona-Ticker aktuell: KW 16

Handwerk in Corona-Zeiten: Friseure sind vorbereitet

Niedersachsens Friseure stellen Plan für Salonöffnung vor +++ Meister zeigt Badsanierung in Corona-Zeiten +++ Arbeitsschutzstandards von der Bundesregierung +++ die wichtigsten Infos zur Corona-Krise.

Foto: Barabas Attila - Fotolia.com

Recht

Mindestlohn gilt auch in der Familie!

Der Mindestlohn ist beschlossene Sache. Auch Familienmitglieder haben darauf Anspruch. Doch es gibt viele Sonderfälle. Was genau für die mitarbeitende Partnerin, Kinder oder Eltern gilt, erfahren Sie hier.

Foto: Foto: Sevendeman - Fotolia.com

Chefsache

Autoritärer Führungsstil hat ausgedient!

Warum sollten erstklassige Mitarbeiter für Ihr Unternehmen arbeiten? Ein entscheidender Faktor ist Ihr Führungsstil, sagt Klaus Steinseifer: Autoritäre Chefs im Handwerk riskieren die Zukunft ihres Betriebs!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.