Stundenlanges Abwägen macht eine Entscheidung nicht unbedingt besser.
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Stundenlanges Abwägen macht eine Entscheidung nicht unbedingt besser.

Work-Life-Balance

Besser entscheiden mit der 10:10:10-Methode

Sie tun sich mit Entscheidungen schwer oder fällen sie überstürzt aus dem Bauch heraus? In beiden Fällen kann Ihnen die 10:10:10-Methode helfen. So funktioniert sie.

Auf einen Blick:

  • Bei der 10:10:10-Methode fragen Sie sich: Welche Folgen hat meine Entscheidung für mich und andere in den nächsten zehn Minuten, den nächsten zehn Monaten und die nächsten zehn Jahre?
  • Dadurch hilft sie, die Tragweite der Entscheidung zu verstehen.
  • Die Vorteile: Impulsive Entscheider denken über Konsequenzen nach. Zögerlichen Menschen zeigt sie, dass sie die Bedeutung einzelner Entscheidungen eher überschätzen.

Jeden Tag treffen wir tausende Entscheidungen. Die meisten fällen wir ganz automatisch: zwei Tassen Kaffee zum Frühstück, zur Arbeit mit dem Auto, ich nehme gern noch ein Bier. Für andere brauchen wir mehr Zeit: Welche Buchhaltungssoftware schaffe ich für den Betrieb an, entlasse ich den Mitarbeiter oder nicht?

Schnelle Entscheider neigen auch hier dazu, aus dem Bauch heraus zu handeln. Nicht immer ist das eine gute Idee. Lange zu grübeln und die Entscheidung immer weiter zu verschieben allerdings auch nicht. Helfen kann in beiden Fällen die 10:10:10-Methode.

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Was verbirgt sich hinter der 10:10:10-Methode?

Entwickelt wurde die Entscheidungshilfe von der amerikanischen Wirtschaftsjournalistin Suzy Welch. Wer vor einer Entscheidung steht, sollte sich fragen: Welche Folgen hat meine Entscheidung für die nächsten zehn Minuten, die nächsten zehn Monate und die nächsten zehn Jahre?

„Dabei sollte man auch die Konsequenzen für diejenigen mit in Betracht ziehen, die ebenfalls von der Entscheidung betroffen sind, zum Beispiel Mitarbeiter, Lieferanten oder Kunden“, sagt Frank Ahlrichs, Senior Berater und Trainer bei der Unternehmensberatung Opex Deutschland.

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Ein praktisches Beispiel: Ein neue Kundenanfrage, aber keine freien Kapazitäten

Sie bekommen eine Kundenanfrage für einen Reparaturauftrag. Ihr Team und Sie sind aber voll ausgelastet. Sie müssten eigentlich spontan absagen, aber das fällt Ihnen schwer.

Nun überlegen Sie: Welche Konsequenzen hat Ihre Entscheidung in zehn Minuten, zehn Monaten und zehn Jahren?

Durch eine Absage verlieren Sie in den nächsten zehn Minuten einen Auftrag und damit Umsatz, aber Ihr überlastetes Team wird nicht weiter strapaziert. Was ist in diesem Fall wichtiger? Brauchen Sie die Einnahmen für Ihren Betrieb? Eher nicht, denn ein ausgelastetes Team sollte für ausreichend Umsatz sorgen.

Hat die Entscheidung Auswirkungen auf die nächsten zehn Monate? Das kommt zum einen auf die Wichtigkeit des Kunden an: Brüskieren Sie einen Stammkunden, der möglicherweise zu einem anderen Betrieb wechselt und verlieren dadurch auch langfristig Umsatz? Oder handelt es sich nur um einen kleinen Auftrag? Auf der anderen Seite steht Ihr Team: Überlastete Mitarbeiter sind unzufrieden, häufiger krank oder kündigen. Können Sie sich das erlauben?

In zehn Jahren wird die Frage nach diesem Auftrag wahrscheinlich keine Rolle spielen. „Die Frage nach den zehn Jahren ist meist ein theoretisches Gedankenspiel“, sagt Ahlrichs. „Nur wenige unserer Entscheidungen haben tatsächlich so weitreichende Konsequenzen, dass es in der Zwischenzeit keine Möglichkeit zur Korrektur gibt.“

Warum die 10:10:10-Methode hilft, bessere Entscheidungen zu treffen

Ahlrichs nennt drei Gründe, warum die 10:10:10-Methode für bessere Entscheidungen sorgt: „Zum einen hilft sie, die Tragweite der Entscheidung zu verstehen“, sagt er. Gerade wer sich mit dem Entscheiden schwer tut, kann so feststellen, dass die Konsequenzen einzelner Entscheidungen oft nicht so gravierend sind wie befürchtet. „Eine Entscheidung fällen wir ohnehin immer. Auch Nichtentscheiden ist eine Entscheidung – nur oft nicht die beste“, betont der Trainer.

„Es ist sinnvoll, die 10:10:10-Methode in den Alltag zu integrieren. 100 Mal üben, danach läuft es ganz automatisch“, sagt Frank Ahlrichs.
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„Es ist sinnvoll, die 10:10:10-Methode in den Alltag zu integrieren. 100 Mal üben, danach läuft es ganz automatisch“, sagt Frank Ahlrichs.

Zum Zweiten hilft sie impulsiven Entscheidern, die Konsequenzen ihrer Beschlüsse zu durchdenken. Und drittens ermöglicht sie eine neue Perspektive: „Wir treffen viele unserer Entscheidungen auf Basis von Mustern: Das haben wir immer so gemacht, das machen wir wieder so“, erläutert Ahlrichs. Das geschehe oft unbewusst. „Wir hinterfragen unsere Entscheidungen nicht. Das heißt aber nicht, dass sie richtig sind – im Gegenteil. Wir geben auf neue Herausforderungen die immer gleiche Antwort ohne nachzudenken.“ Ein kurzes Innehalten dagegen helfe, diese Denkmuster zu durchbrechen.

Für welche Entscheidungen eignet sich die 10:10:10-Methode?

„Je strategischer die Entscheidung, desto mehr kann die 10:10:10-Methode nutzen“, sagt Ahlrichs, etwa die Einführung einer neuen Software, die Anschaffung einer neuen Maschine oder die Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektroautos und Lastenräder.

Aber auch bei vermeintlich kleinen Entscheidungen kann sie gute Dienste leisten: Eine Kundin schickt eine wütende E-Mail und beschwert sich über einen aus Ihrer Sicht minimalen Fehler. Ihr erster Impuls ist, ihr eine Antwort zu schreiben, die sich gewaschen hat.

In zehn Minuten haben Sie Ihrem Ärger über die Kundin Luft gemacht und fühlen sich vielleicht sogar gut. In zehn Monaten aber hat sie möglicherweise eine schlechte Google-Bewertung geschrieben und ihren Betrieb im ganzen Bekanntenkreis schlechtgemacht. „Deshalb ist es sinnvoll, die 10:10:10-Methode in den Alltag zu integrieren“, rät Ahlrichs. „100 Mal üben, danach läuft es ganz automatisch.“

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