Die Generation Alpha kommt – 5 Fakten, die Handwerker wissen sollten
Nach der Generation Z machen sich jetzt die ab 2010 Geborenen auf den Weg in Praktika und Ausbildung. Welche Erwartungen hat die Generation Alpha und wie kann das Handwerk sie gewinnen?
Auf einen Blick
Die Generation Alpha kommt – und viele malen schon Horrorszenarien: Noch schlimmer als die Generation Z seien die ab 2010 Geborenen, nur auf sich bezogen und verwöhnt. Doch stimmt das überhaupt?
Ausbilderberaterin Sabine Bleumortier gibt Entwarnung: „Auch die Generation Alpha ist leistungsbereit. Aber man muss sie zu nehmen wissen.“ Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration der jungen Leute in die Arbeitswelt sei ein respektvoller Umgang und Kommunikation auf Augenhöhe. Und sie sieht viele Möglichkeiten, wie gerade Handwerksbetriebe bei der Generation Alpha punkten können.
Fakt 1: Die Generation Alpha hat ein großes Sicherheitsbedürfnis
Wie schon die Generation Z, die zwischen 1995 und 2010 Geborenen, hat die Generation Alpha ein großes Sicherheitsbedürfnis. So sagten 87 Prozent der befragten jungen Leute in der aktuellen Shell-Jugendstudie Deutschland, dass „sie nach Sicherheit streben“. Vor fünf Jahren waren es noch 77 Prozent. Alle fünf Jahre werden in dieser Studie 2.509 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren nach ihren Einstellungen, Ängsten und Plänen befragt.
„Der Krieg in Europa, die Corona-Krise, die die Generation Alpha in der Grundschule erlebt hat, die Inflation und auch die aktuellen politische Entwicklungen tragen dazu bei, dass die jungen Leute mehr Sicherheit suchen“, erklärt Bleumortier.
Chance für Handwerker: Handwerksbetriebe könnten an diesem Punkt gut ansetzen, um die jungen Leute für sich zu gewinnen, sagt die Ausbilderberaterin: „Das familiäre Betriebsklima in vielen Handwerksbetrieben kann die gewünschte Sicherheit bieten. Gleichzeitig werden gut ausgebildete Handwerker auch in Zukunft gefragt sein – auch das gibt Sicherheit.“ Werbung um Azubis und Praktikanten könnte diese Punkte konkret in den Vordergrund stellen, zum Beispiel durch eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung.
Fakt 2: Arbeit soll sich anpassen
Die Generation Alpha ist daran gewöhnt, dass Dinge sich ihnen anpassen und nicht andersherum. „Viele Kinder und Jugendliche erleben, dass sich die Welt um sie dreht und dass ihre Eltern viele Probleme für sie lösen“, sagt Bleumortier. „Sie erwarten, auch angesichts des Fachkräftemangels, dass sich die Arbeit ihrem Leben anpasst.“
Chance für Handwerker: Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit kann ein wichtiges Argument für einen Ausbildung in einem Handwerksbetrieb sein. „Müssen wirklich alle im Team schon um 7 Uhr beginnen? Vielleicht kann ein Teil des Teams erst um 10 Uhr starten, aber dafür länger arbeiten?“, nennt Bleumortier ein Beispiel.
Immer stärker rückt auch Teilzeitarbeit in den Blickpunkt. Bei der Shell- Jugendstudie wünschte sich ein wachsender Teil junger Männer die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, falls es in der Familie kleine Kinder zu versorgen gäbe.
Um Praktikanten anzusprechen, brauche es zudem ein ehrliches Interesse der Betriebe am Nachwuchs, sagt Bleumortier: „Der Betrieb sollte auf die Schüler eingehen und den Ablauf des Praktikums auf die Bedürfnisse der Schüler anpassen.“
Individuelle Unterstützung und Weiterbildung für Azubis sei ebenfalls ein Pluspunkt. „Betriebe könnten Auszubildende bei der Wahl von Fortbildungskursen mitreden lassen“, so die Ausbildungsberaterin.
[Tipp: Weitere Tipps zur Mitarbeitergewinnung für Ihren Betrieb liefert der kostenlose handwerk.com-Newsletter: Jetzt anmelden!]
Fakt 3: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gehören zum Alltag
Für Kinder und Jugendliche, die nach 2010 geboren wurden, gehören Smartphones, Alexa und Künstliche Intelligenz zur Normalität. „Spracherkennung beispielsweise ist für sie selbstverständlich“, sagt Bleumortier.
Chance für Handwerker: Zentral für künftige Auszubildende ist ein digitales Berichtsheft, meint die Ausbilderberaterin. „Bei der Generation Alpha brauchen Sie nicht mit Stift und Zettel zu kommen.“ Firmen-Tablets, Kommunikation per Messenger und digitale Abläufe im Betrieb sind ebenfalls wichtige Pluspunkte.

Fakt 4: Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind selbstverständliche Werte
Auch wenn sich aktuelle Krisen in den Vordergrund schieben: Für junge Menschen der Generationen Alpha und Z sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz zentrale Themen. Die jungen Menschen seien sich bewusst, dass sich die Folgen der Erderwärmung auf ihre Zukunft auswirkten, heißt es in der Shell-Jugendstudie: Die Themen Klimawandel (63 Prozent) und Umweltverschmutzung (64 Prozent) machen einer großen Mehrheit der Jugendlichen Angst. „Viele wollen daher auch im Beruf Nachhaltigkeit fördern“, sagt Bleumortier.
Chance für Handwerker: Es muss nicht unbedingt der Dachdeckerbetrieb sein, der Photovoltaik-Anlagen installiert – auch andere Gewerke können mit Nachhaltigkeit punkten. Heizungsbauer befördern die Wärmewende ebenso wie Baubetriebe, die Altbauten energetisch sanieren. Bäcker sorgen für gesunde Ernährung, der Fleischer setzt auf regionale Produkte. „Hier gibt es viele Themen, mit denen Handwerksbetrieb die jungen Leute abholen können“, sagt Bleumortier.
Fakt 5: Die Generation Alpha sucht Sinn in der Arbeit – und möchte Geld verdienen
Arbeit mit Sinn gesucht – ja! Aber auch das Gehalt muss bei der Generation Alpha stimmen. „Das Thema Verdienst sollten auch Handwerker nicht vernachlässigen“, so Bleumortier.
Chance für Handwerker: „Handwerksbetriebe können jungen Leuten leicht vermitteln, dass sie etwas Sinnvolles mit ihrer Arbeit bewirken“, ist Bleumortier überzeugt. Schwieriger könnte mit dem Gehalt aussehen – in anderen Branchen wird besser bezahlt. „Betriebe sollten offen kommunizieren, wie viel in der Ausbildung und später verdient werden kann“, rät die Ausbilderberaterin. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, auf die gesetzliche Mindestvergütung oder die tarifliche Vergütung für Auszubildende noch etwas draufzulegen?
„Falls nein, bieten sich andere Benefits an“, sagt Bleumortier. Das reiche vom Sponsoring des Mittagsessens über ein Deutschland-Ticket oder Zuschüsse zum Sportstudio bis hin zur Möglichkeit, den Führerschein zu machen. „Es geht immer um das Gesamtpaket“, betont die Expertin.
Tipp: Sie wollen alle wichtigen Meldungen zum Thema Mitarbeitergewinnung erhalten? Dann abonnieren Sie den handwerk.com-Newsletter. Jetzt anmelden!
-square.jpg&w=1080&q=75)



