Witzig oder peinlich? Beim Thema Humor scheiden sich die Geister.
Foto: Eugenio Marongiu - Fotolia
Witzig oder peinlich? Beim Thema Humor scheiden sich die Geister.

Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Humor in Stellenanzeigen – 1 Chance und 3 Risiken

Wer dringend Fachkräfte sucht, dem ist oft jedes Mittel Recht. Mit Humor in Stellenanzeigen können Sie punkten – wenn Sie alles richtig machen.

  • Aufmerksamkeit für Stellenanzeigen ist wichtig – und Humor kann dafür sorgen.
  • Eine witzige Stellenanzeige suggeriert: Wir sind ein lustiger Betrieb. Das sollten Sie nur behaupten, wenn es auch stimmt.
  • Lustige Texte können schnell unklar werden. Wenn der Bewerber nicht versteht, was Sie genau wollen, wird er sich nicht bewerben.
  • Nicht jeder lacht über die gleichen Dinge. Achten Sie darauf, den Humor Ihrer Zielgruppe zu treffen. Finger weg von rassistischen oder sexistischen Klischees.

Ein leergefegter Arbeitsmarkt bedeutet für Betriebe eins: Wer neue Fachkräfte sucht, muss auf sich aufmerksam machen, denn freie Bewerber gibt es kaum. Stellenanzeigen, egal ob online oder in der Zeitung, müssen deshalb auffallen. Sind dann eine witzige Stellenbeschreibung und ein lustiger Text eine gute Idee? Stefan Scheller, Recruiting-Experte und Gründer des HR-Portals Persoblogger.de, findet: Humor in Stellenzeigen kann funktionieren – wenn man die Risiken im Kopf behält.

Humor in Stellenanzeigen: Nicht in der Masse untergehen

Dieser Betrieb setzt bei Stellenanzeigen auf lockere Sprüche, die sich bei potenziellen Bewerbern einprägen. So wird die Kreativität belohnt.  
Artikel lesen

Die große Chance: Aufmerksamkeit

Wer für die Ausbildung zur Fachverkäuferin im Fleischerhandwerk eine junge Frau mit einem Mett-Igel zeigt, die sagt: „Ich wollte immer was mit Tieren machen“, schafft einen Hingucker. „Das ist auf jeden Fall erstmal ein großer Effekt“, sagt Scheller. Die Anzeige fällt auf. Außerdem kann der Arbeitgeber zeigen: Wir sind ein Betrieb, in dem gelacht wird, wir haben Sinn für Humor und halten auch selber einen Spaß aus.

Humor in Stellenzeigen bietet außerdem die Möglichkeit, Klischees über den Beruf ironisch aufzugreifen und damit zu entkräften. „Das kann funktionieren, aber es ist ein zweischneidiges Schwert“, so Scheller. Denn es gibt ein einige Risiken.

[Tipp: Weitere Tipps zur Mitarbeitergewinnung für Ihren Betrieb liefert der kostenlose handwerk.com-Newsletter: Jetzt anmelden!]

Risiko 1: Der Humor ist nicht authentisch

Wer eine freche oder witzige Stellenanzeige formuliert, sollte dahinter stehen. „Jeder Arbeitgeber muss sich vorher fragen: Bin ich tatsächlich so witzig? Was mache ich, wenn eine entsprechend lustige Bewerbung kommt? Und kann ich es aushalten, wenn Mitarbeiter einen Witz auf meine Kosten reißen?“, sagt Scheller. Wer einen dieser Punkte verneint, sollte von witzigen Annoncen lieber die Finger lassen.

Risiko 2: Der Witz geht auf Kosten des Inhalts

„Wer Humor in Stellenanzeigen einsetzt, muss aufpassen, dass der Inhalt nicht zu beliebig wird“, warnt Scheller. Auch ein lustiger Text müsse klar benennen, welche Stelle mit welchen Anforderungen zu besetzen ist und welche Vorteile der Arbeitgeber bietet.

„Bei witzigen Stellenanzeigen muss man den Sinne für Humor seiner Zielgruppe gut kennen“, sagt Stefan Scheller.
Foto: www.KnirpsLicht.de
„Bei witzigen Stellenanzeigen muss man den Humor seiner Zielgruppe gut kennen“, sagt Stefan Scheller.

„Wer hier nachlässig ist, riskiert, dass der Bewerber verwirrt ist: Wie soll man sich bewerben? Welche Qualifikationen sind gefordert und was ist ernst gemeint – und was nicht?“, so Scheller. „Als Bewerber habe ich Aufwand, wenn wichtige Informationen fehlen.“ Damit baue man hohe Hürden und riskiere, dass dann doch keine Bewerbung kommt.

Funktionieren könne eine lustige oder ironische Stellenbeschreibung allerdings, wenn der Arbeitgeber in der Region, in er sucht, schon bekannt ist und als attraktiv gilt. Dann sei der Humor ein zusätzlicher Anreiz für Bewerber, meint Scheller. Eine andere Möglichkeit sei es, über einen witzigen Post in Social-Media-Kanälen Aufmerksamkeit zu gewinnen und direkt auf eine seriösere Stellenanzeige mit allen wichtigen Informationen zu verlinken.

Risiko 3: Der Witz geht daneben

Die Ansichten über einen guten Witz gehen weit auseinander: Was für die einen zum Totlachen ist, finden andere geschmacklos. „Da muss man seine Zielgruppe gut kennen, um den richtigen Sinn für Humor zu treffen“, meint Scheller.

Doch auch hier gibt es Grenzen: Sexistische Witze oder rassistische Klischees seien tabu, betont der „Persoblogger“, und mancher Gag auch einfach nur peinlich. Statt der gewünschten Aufmerksamkeit riskieren Sie dann einen Shitstorm.

Sie arbeiten selbst mit witzigen Stellenanzeigen? Schicken Sie uns ein Foto und ein paar Worte an redaktion@handwerk.com, wie gut Ihre Stellenanzeige funktioniert – wir berichten darüber.

Tipp: Sie wollen alle wichtigen Meldungen zum Thema Mitarbeiterführung erhalten? Dann abonnieren Sie den handwerk.com-Newsletter. Jetzt anmelden!

Auch interessant:

Gesucht: Cooler Typ für Hammerjob

Schenk Haus nutzt für seine Stellenanzeigen besondere Fotos und einen pfiffigen Slogan. Das Ziel: langfristiger Erfolg.
Artikel lesen

5 Tipps für die perfekte Stellenanzeige

Sie schalten Stellenanzeigen auf allen Kanälen, aber die Ausbeute ist mau? Mit unseren Tipps treffen Sie ins Schwarze!
Artikel lesen

Stellenanzeigen – wie optimieren für welchen Kanal?

Sie schalten Ihre Stellenangebote im Anzeigenblatt und suchen im Internet? Dann sollten Sie Ihre Anzeige anpassen. Auf diese Punkte müssen Sie achten.
Artikel lesen
4-tage-woche-neu.jpeg
Foto: Dührkopp Elektroanlagen

Mitarbeitersuche

Humor in Stellenanzeigen: Nicht in der Masse untergehen

Dieser Betrieb setzt bei Stellenanzeigen auf lockere Sprüche, die sich bei potenziellen Bewerbern einprägen. So wird die Kreativität belohnt.  

Mats Ove Müller ist als HR Manager bei Thieling in Augustgroden zuständig für die Mitarbeitersuche.
Foto: Henning Bielefeld

Aus der Praxis

Witzige Stellenanzeige: „Es hat sich gelohnt!“

Was bringt Humor bei der Suche nach Fachkräften? Nachgefragt bei Mats Ove Müller, HR Manager bei der Unternehmensgruppe Thieling

Sie wollen mehr Bewerbungen von Frauen? Dann nennen Sie in der Stellenzeige das Gehalt.
Foto: Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Mitarbeiterin gesucht?

Stellenanzeigen: 3 Tipps für mehr Bewerbungen von Frauen

Sie würden gern Frauen einstellen, aber es kommen keine Bewerbungen? Dann helfen Ihnen diese drei Tipps für Ihre Stellenanzeigen weiter!

gendersternchen.jpeg
Foto: kristina rütten - stock.adobe.com

Mitarbeiter finden

Stellenanzeigen: Jüngere wollen Gendersternchen

Aktuelle Umfrage ergibt: Vor allem Jüngere legen Wert auf das Gendersternchen in Stellenanzeigen. Und es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.