Politik und Gesellschaft

Schwarzarbeitsbranche: „Die Aufnahme war absolut notwendig“

Friseurbetriebe haben neue Pflichten: Im Interview sagt Manuela Härtelt-Dören, was sie jetzt vom Zoll erwartet und was es braucht, damit 2026 ein gutes Jahr für die Branche wird.

3 Min.05.02.2026, 13:33 Uhr
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Manuela Härtel-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks im handwerk.com-Interview.
Manuela Härtel-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks im handwerk.com-Interview. ZV Friseurhandwerk
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Auf einen Blick

ür Friseurbetriebe hat sich seit Jahresbeginn einiges geändert: Neu ist zum Beispiel die Sofortmeldepflicht bei der Rentenversicherung und die Vorlagepflicht von Ausweispapieren.

Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, begrüßt diese Neuerungen und verweist auf den hohen Anteil der Schwarzarbeit in der Branche.

Im Interview betont sie außerdem, warum das Friseurhandwerk dringend eine Reform der Lohnnebenkosten und der Mehrwertsteuer braucht.

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Friseurbetriebe haben seit einigen Wochen neue Pflichten: Zum Jahreswechsel wurde das Friseurhandwerk – ebenso wie das Kosmetikgewerbe – in den Katalog der Schwarzarbeitsbranchen aufgenommen. „Die Aufnahme war absolut notwendig“, sagt Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Im handwerk.com-Interview spricht sie darüber, wieviel Umsatz bei den Friseuren im Jahr 2025 schätzungsweise schwarz erwirtschaftet wurde, wodurch der Wettbewerb in der Branche verzerrt wird und welche Reform dringend nötig ist.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk: Davon geht der Branchenverband aus

Das Friseurhandwerk ist jetzt in den Katalog der Schwarzarbeitsbranchen aufgenommen worden: Wie bewerten Sie diese Neuerung?

Manuela Härtelt-Dören: Die Aufnahme war absolut notwendig. Unseren Recherchen zufolge wird etwa 25 Prozent des gesamten Branchenumsatzes in Schwarzarbeit erzielt. Das ist ein großes Problem.

Können Sie konkretere Zahlen nennen?

Manuela Härtelt-Dören: Wir gehen davon aus, dass im Friseurhandwerk allein im Jahr 2025 etwa 1,5 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet wurden. Das ist viel Geld, das dem Steuerzahler und den Sozialversicherungen verloren geht. Und in unserer Branche sorgt der hohe Anteil der Schwarzarbeit für eine Schieflage. Denn es gibt viele Betriebe, die sich an die Regeln halten und welche, die das nicht tun. Das ist kein fairer Wettbewerb. Für das Friseurhandwerk ist es daher wichtig, dass Schwarzarbeit aufgedeckt wird und der Druck auf unseriös arbeitende Betriebe größer wird.

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Was ist jetzt besonders wichtig für Betriebe?

Manuela Härtelt-Dören: Durch die Gesetzesänderung entsteht wenig zusätzlicher Aufwand für Betriebe, denn Aufzeichnungspflichten gab es auch bisher schon. Es gibt aber einige Neuerungen: Die Pflicht, Ausweispapiere mitzuführen ist zum Beispiel neu. Über diese Neuerung müssen Betriebe ihre Beschäftigten informieren. Ebenfalls neu ist die Sofortmeldepflicht. Das heißt, neue Mitarbeitende müssen jetzt spätestens bei Beschäftigungsaufnahme bei der Rentenversicherung gemeldet sein.

Wichtig ist außerdem, dass Betriebe bei Zollkontrollen die Arbeitsverträge und eine Arbeitszeitdokumentation vorlegen können. Betriebe dürfen die Arbeitszeiten schriftlich oder digital dokumentieren.

Welche Erwartungen haben Sie jetzt an Zoll?

Manuela Härtelt-Dören: Es muss jetzt kontrolliert werden, sodass die schwarzen Schafe in unserer Branche aufgedeckt werden. Wichtig ist mir aber, dass es keinen Generalverdacht gegen alle Friseurbetriebe gibt.

Was meinen Sie damit genau?

Manuela Härtelt-Dören: Wenn der Zoll bei Betrieben Unregelmäßigkeiten feststellt, müssen sie auch nachkontrolliert werden. Betriebe, die sich bei Kontrollen als rechtschaffend arbeitend herausstellen, müssen künftig frei arbeiten können.

Warten auf Reformen: Was das Friseurhandwerk von der Politik fordert

Das Jahr hat für das Friseurhandwerk direkt mit einer Neuerung angefangen. Was muss noch passieren, damit 2026 ein gutes Jahr für Ihre Branche wird?

Manuela Härtelt-Dören: Wir sind ein dienstleistungsintensives Gewerk. Das heißt, dass die Lohnkosten grundsätzlich einen hohen Anteil an der Struktur der Gesamtkosten haben. Inzwischen gibt es allerdings Betriebe, bei denen die Lohn- und Lohnnebenkosten zwischen 55 und 65 Prozent liegen. Das ist einfach zu hoch.

Für unser Handwerk ist die Deckelung der Lohnnebenkosten daher enorm wichtig. Die Politik muss sich dringend um die Reform von Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung kümmern.

Gibt es noch andere Bereiche, in denen Reformen aus Ihrer Sicht nötig sind?

Manuela Härtelt-Dören: Ja, bezüglich der Mehrwertsteuer: Im Friseurhandwerk gibt es viele Betriebe, die im Rahmen der Kleinunternehmerregelung enorme steuerliche Vorteile. Das ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber größeren Betrieben mit höheren Umsätzen, die hier den gesamten Umsatz ab dem ersten Euro mit 19 Prozent Umsatzsteuer versteuern müssen.

Aus unserer Sicht muss dieser Wettbewerbsverzerrung ein Ende gesetzt werden. Das Friseurhandwerk fordert schon lange, dass die Dienstleistungen im Salon mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent versteuert werden. Dank der Entwicklungen in der Gastronomie hoffen wir, dass die Politik in Berlin die Probleme erkannt hat und auch bald das Friseurhandwerk mit einem reduzierten Steuersatz unterstützen wird.

Politisch ist die Flexibilisierung der Arbeitszeitregeln immer wieder ein Thema. Wie stehen Sie dazu?

Manuela Härtelt-Dören: Starre Regelungen sind nicht gut. Für uns wäre wichtig, dass die Wochenarbeitszeit flexibel über die Woche verteilt werden kann und nicht die Stunden pro Tag festgeschrieben sind. Es gibt Beschäftigte, die an manchen Tagen auch mal länger arbeiten könnten und wollen. Zum Beispiel, weil sie an diesen Tagen eine Betreuung für ihre Kinder haben. Auf so etwas müssen wir flexibel reagieren können.

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