Foto: Berufsfotografin Liesa Flemming
fliesenleger michel müller

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensfinanzierung

Bei ihm zahlen die Kunden gerne 50 Prozent Vorkasse!

Manche Handwerker tun sich schwer, eine Anzahlung zu fordern. Michèl Müller hat einen einfachen Trick, um seine Kunden davon zu überzeugen.

Auf einen Blick:

  • Mit hohen Anzahlungen seiner Kunden und schnellen Abschlagsrechnungen schützt sich Fliesenlegermeister Michèl Müller gegen das Risiko eines Forderungsausfalls.
  • Das lohnt sich auch für die Kunden: Für 50 Prozent Anzahlung bekommen sie 3 Prozent Skonto auf die Gesamtrechnung.
  • Für alle anderen hat Müller schnelle Abschlagsrechnungen parat.

Angst vor Zahlungsausfällen und Zombie-Kunden in der Corona-Krise kennt Michèl Müller nicht. Der Fliesenlegermeister aus Oldenburg hat ein paar einfache Mittel, mit denen er sehr schnell an sein Geld kommt – und nebenbei den Kunden auf den Zahn fühlt, bevor er zu viel Zeit in einen Auftrag investiert.

1. Skonto gibt es nur bei 50 Prozent Anzahlung

„Ich biete meinen Kunden 3 Prozent Skonto an, wenn sie 50 Prozent Anzahlung leisten“, berichtet Müller. 95 Prozent seiner Kunden würden diese Möglichkeit nutzen. „Das ist ja eine richtige Ersparnis für sie, da geht es zum Beispiel bei Fliesenarbeiten für 15.000 Euro um 450 Euro“, sagt der Handwerker. Dabei wirke sich das Skonto finanziell für ihn nicht aus, da er das im Preis schon einkalkuliert habe.

Dadurch, dass Müller das Skonto gegen Vorkasse anbietet, ist er auch rechtlich auf der sicheren Seite. Denn würde ein Handwerker eine Anzahlung bei Vertragsabschluss einseitig zur Bedingung machen, hätte das rechtlich keinen Bestand. Doch „so kann sich der Kunde frei entscheiden und es sind ja auch beide Seiten an einem guten Verhältnis interessiert“, sagt Müller.

Von anderen weiß der Handwerksmeister, dass sie ähnlich vorgehen wie er. „Ich kenne Kollegen, die das sogar staffeln: 1 Prozent Skonto gibt es bei 30 Prozent Anzahlung, 2 Prozent Skonto bei 60 Prozent Anzahlung, 3 Prozent Skonto bei 90 Prozent Anzahlung. Und das funktioniert auch.“

5 Liquiditäts-Tipps vom Profi: So werden Sie krisenfest!

Wer Rücklagen hat, bleibt in Krisenzeiten handlungsfähig. Folgen Sie diesen 5 wirkungsvollen Tipps für mehr Liquidität.
Artikel lesen

2. Schnelle Abschlagsrechnungen

Bei Kunden, die auf das Skonto verzichten, sichert sich Müller durch schnelle Abschlagsrechnungen gegen Forderungsausfälle ab. Vor allem bei Neukunden mit großen Aufträgen stelle er diese Rechnungen „sehr schnell, meist schon nach zwei Tagen“. Sein Rat an Kollegen: „Das sollte man frühestmöglich machen, sobald das Material da ist und die ersten Stunden aufgelaufen sind, und mit sehr kurzem Zahlungsziel.“

Abschlagsrechnungen legt Müller auch jenen Kunden vor, die Anzahlungen leisten. Bei ihnen lässt er sich jedoch etwas mehr Zeit: „Wenn ich 50 Prozent Anzahlung erhalten habe, kassiere ich in der Mitte des Auftrags einen Abschlag, so dass bei der Schlussrechnung maximal noch ein Viertel der Gesamtsumme offen ist.“

3. Schnelle Schlussrechnung – kurzes Zahlungsziel

Nicht zuletzt achtet Müller darauf, seine Rechnungen sofort zu schreiben. „Die gehen gleich am Tag der Abnahme online raus“, sagt der Handwerker. Als Zahlungsziel gibt er 5 Tage vor. Gesetzlich seien zwar 14 Tage vorgesehen, doch darauf habe noch keiner seiner Kunde gepocht. Im Gegenteil: „Das Geld ist meistens nach zwei bis drei Tagen da.“

Wäre dem nicht so, würde Michèl Müller wohl schnell nachfassen, wo das Geld bleibt. Das ist allerdings reine Theorie, denn „ich hab in meiner gesamten Selbstständigkeit noch nicht eine Mahnung schreiben müssen“, freut sich der Fliesenlegermeister.

Vereinbaren Sie mit Ihren Kunden Anzahlungen?

Können Kunden nicht zahlen, kann das für Betriebe schnell selbst zum Problem werden. Sichern Sie sich ab, indem Sie mit Kunden Anzahlungen vereinbaren?
Artikel lesen

Kunden zeigen viel Verständnis

Ein bisschen wundert sich Müller über Kollegen, die keine Anzahlungen und Abschläge kassieren. Es heiße dann immer, die Kunden würden das nicht mitmachen und den Auftrag an einen anderen vergeben. Diese Erfahrung hat der Fliesenlegermeister noch nicht gemacht: „Ich habe noch nie jemanden gehabt, der das komisch fand. Im Gegenteil: Die Kunden haben viel Verständnis für uns Handwerker.“

Tipp: Alle wichtigen Infos zum Thema „Unternehmensfinanzierung“ gibt es im kostenlosen handwerk.com-Newsletter. Hier anmelden!

Auch interessant:

Außenstände: Der Zaster der Zahlungsfaulen

Vorauszahlungen, Abschläge, Sicherheiten: Bei größeren Aufträgen lassen viele Betriebe nichts anbrennen. Aber auch bei kleineren Aufträgen von Privatkunden gibt es Möglichkeiten, die das Risiko minimieren.
Artikel lesen

So schützen Sie sich vor Zombie-Kunden!

Weniger Unternehmensinsolvenzen und weniger überschuldete Verbraucher? Ein gutes Zeichen ist das derzeit nicht, das dicke Ende kommt noch. So sorgen Sie vor!
Artikel lesen

Dreiste Masche: Ehepaar prellt Betriebe um mindestens 100.000 Euro

Ein verurteiltes Betrügerpaar aus Bremerhaven hat fleißig Handwerker und andere Dienstleister beauftragt und nicht bezahlt. Jetzt wehren sich die Opfer mit allen Mitteln.
Artikel lesen
Bei ihm zahlen die Kunden gerne 50 Prozent Vorkasse! > Paragraphs > Image Paragraph
fliesenleger michel müller

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Vorkasse bei Unterschrift: Energieversorger verlangen von kleinen und mittleren Unternehmen hohe Anzahlungen bei Vertragsabschluss.

Energiekosten

50 Prozent Abschlag sofort: Versorger fordert Vorkasse für ein halbes Jahr

Anzahlung sofort, Lieferung ab 2023: Der Energieversorger Enercity verlangt Vorkasse von Handwerksbetrieben – bis zu 50 Prozent des Jahresverbrauchs. Kein Einzelfall.

    • Energiekosten, Politik und Gesellschaft, Recht

Unternehmensfinanzierung

So vereinbaren Sie Anzahlungen rechtssicher

Anzahlungen und Vorkasse sind eigentlich eine gute Sache. Wenn da nicht die rechtlichen Fallstricke wären. So sichern Sie sich ab.

    • Unternehmensfinanzierung
Sichern Sie sich bei Aufträgen finanziell ab, in dem Sie Anzahlungen oder Vorkasse von Ihren Kunden verlangen?

1-Klick-Umfrage

Verlangen Sie von Ihren Kunden Anzahlungen oder Vorkasse?

Bei Aufträgen gehen Baubetriebe meist in Vorleistung. Durch Anzahlungen oder Vorkasse lässt sich dieses Problem in den Griff bekommen. Sichern Sie Ihre Aufträge so ab?

    • Unternehmensfinanzierung

Unternehmensfinanzierung

So setzen Sie Vorkasse durch

Viel zu tun und dennoch knapp bei Kasse? Wer für seine Kunden ständig in Vorleistung geht, kann dabei selbst leicht in Liquiditätsprobleme geraten. Doch leider sind Anzahlungen bei Auftragsvergabe bei den meisten Auftraggebern ziemlich unbeliebt. Wer gut argumentiert und zudem seine Rechte kennt, kommt dennoch zum Ziel.

    • Unternehmensfinanzierung