Blaumacher im Betrieb? Diese 3 Tipps helfen Ihnen
Wenn Mitarbeitende ständig krank sind, steckt nicht unbedingt Blaumacherei dahinter. Mit diesen Maßnahmen kommen Sie den Gründen auf die Spur.
Auf einen Blick
Es gibt sie in vielen Handwerksbetrieben: die klassischen Blaumacher, die immer freitags oder montags fehlen. Ärgerlich, denn so müssen kurzfristig Termine verschoben und Arbeit neu verteilt werden. Die verbliebenen Kollegen müssen mehr leisten.
Darum machen Mitarbeitende blau
„In vielen Handwerksbetrieben ist das Thema kranke Mitarbeiter ein echtes Reizthema“, sagt Andrea Eigel, Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Handwerk. Trotzdem sollten Führungskräfte versuchen, unvoreingenommen zu bleiben, betont sie. „Meldet sich ein Mitarbeitender oder ein Azubi häufig krank und Sie haben den Verdacht, dass blaugemacht wird, können ganz unterschiedliche Gründe und Typen dahinter stecken.
- Der klassische Blaumacher: Dieser Typ kommt vielen Führungskräften im Handwerk als erstes in den Sinn, wenn sich Fehltage häufen: ein Mitarbeiter, der am Wochenende zu viel feiert und deswegen am Montag nicht arbeiten kann.
- Die Unmotivierte: Diese Mitarbeiterin hat innerlich bereits gekündigt und fühlt sich deshalb dem Betrieb nicht sonderlich verpflichtet. Kratzt es etwas im Hals, meldet sie sich schnell krank. Dass dadurch Abläufe im Betrieb durcheinander kommen, interessiert sie nicht weiter.
- Der Konfliktscheue: Dieser Typ Mitarbeiter fühlt sich schnell überfordert und hat Angst vor Konflikten. Droht eine knifflige Situation bei der Arbeit oder fühlt er sich einer neuen Aufgabe nicht gewachsen, meldet er sich krank.
Andrea Eigel hat drei Tipps, mit denen Sie nicht nur den Ursachen für die Krankmeldung auf die Spur kommen, sondern auch das Thema Krankheit besser in den Griff kriegen.
Tipp 1: Legen Sie die Hürden für eine Krankmeldung höher
In vielen Betrieben reicht eine Whatsapp-Nachricht kurz vor Arbeitsbeginn, um sich krank zu melden. „Häufen sich in Ihrem Betrieb die Fehltage, sollten Sie darüber nachdenken, die Hürde höher zu legen“, sagt Eigel. Statt einer kurzen Nachricht, die schnell geschrieben ist, könnten Sie eine telefonische Krankmeldung einführen. „Damit legen Sie die Hürde ein bisschen höher, denn es kostet schon mehr Überwindung, sich persönlich krank zu melden“, erklärt die Beraterin.
Diese Regelung hat noch einen zweiten Vorteil: „Ein Telefonat bietet die Möglichkeit, dass der erkrankte Kollege noch Informationen übergeben kann, die für den Tag wichtig sein können“, sagt Eigel. „So sollten Sie die Änderung auch gegenüber dem Team begründen.“
Tipp 2: Führen Sie bei der Rückkehr ein kurzes Gespräch
Gewöhnen Sie sich an, Mitarbeitende, die wieder gesund zurück sind, kurz anzusprechen. „Hier geht es nicht um ein offizielles Rückkehrgespräch“, sagt Eigel. „Erkundigen Sie sich, ob alles wieder in Ordnung ist oder ob es etwas gibt, worauf der Betrieb Rücksicht nehmen kann.“
Dieses kurze Gespräch habe ganz unterschiedliche Wirkungen, erklärt die Beraterin: Ist jemand wirklich krank gewesen, senden Sie einen Signal der Wertschätzung: Mir liegt Deine Gesundheit am Herzen. Ist ein Konflikt der Grund, kann das eine Gelegenheit sein, darüber zu sprechen. Hat jemand indes nur blau gemacht, wird es irgendwann peinlich, immer wieder beim Chef antanzen zu müssen. „Auch so legen Sie die Hürde für Blaumachen aus Faulheit höher“, ist Eigel überzeugt.
Sie betont, dass Führungskräfte möglichst unvoreingenommen in diese Gespräche gehen sollen: „Gerade wenn die Chefs selbst praktisch nie krank sind, gehen sie oft davon aus, dass andere eine ähnlich stabile Gesundheit haben“, so Eigel. Das sei aber nicht der Fall. „Krankheit ist ein sensibles Thema. Wenn Sie pauschal unterstellen, dass alle Blaumachen, stoßen Sie die echten Kranken vor den Kopf.“
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Tipp 3: Erstellen Sie eine „Fehlzeiten-Ampel“
Haben Sie einen fundierten Überblick über die Krankheitstage Ihres Teams oder sind es eher gefühlte Werte? „Führungskräfte sollten eine Krankheitsübersicht führen“, rät Eigel. „So verschaffen Sie sich einen Überblick und können Muster erkennen.“
Diese „Fehlzeiten-Ampel“ springt auf „Gelb“, wenn eine von Ihnen festgelegte Zahl an Fehltagen erreicht ist. „Dann sollten Sie den Betreffenden zu einem längeren Gespräch bitten“, sagt die Beraterin.
Auch in diesem Fall sei es wichtig, offen zu bleiben, vor allem, wenn Sie die Situation schlecht einschätzen können. „Jetzt haben Sie Gelegenheit zu klären, ob es betriebliche Ursachen für die vielen Fehltage gibt“, sagt Eigel. Fragen Sie also nach Belastungen am Arbeitsplatz und nach Möglichkeiten der Unterstützung. „Sie sollten sich darauf gefasst machen, dass so ein Gespräch in alle möglichen Richtungen gehen kann“, erklärt die Beraterin.
So fühlten sich manche jungen Leute schnell überfordert. „Sie haben wenig Frustrationstoleranz. Das kann dazu führen, dass sie Kritik schlecht aushalten und sich der Situation durch eine Krankmeldung entziehen“, sagt Eigel. Nun können Sie klarstellen, dass Fehler zu machen normal ist - der Hinweis darauf allerdings auch.
Haben Sie indes einen typischen Blaumacher vor sich, sollten Sie Klartext reden. „Machen Sie deutlich, dass es für alle Konsequenzen hat, wenn jemand ohne wirklichen Grund fehlt“, so Eigel. Sie räumt ein, dass ein Gespräch wenig bringt, wenn jemand innerlich auf dem Absprung oder gegenüber den Kollegen völlig gleichgültig ist: „Aber ehrlich: So jemanden wollen Sie gar nicht halten – und vielleicht beschleunigt sich so der Prozess.“
Und was ist mit einer Gesundheitsprämie?
Manche Arbeitgeber zahlen einen Bonus, wenn Mitarbeitende nur wenige oder gar keinen Tag fehlen. Andrea Eigel sieht diese Gesundheitsprämie mit gemischten Gefühlen. „Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt sie. „Es ist sicher leicht zu handhaben und mag auch eine kurzfristige Motivation für die Mitarbeitenden sein“, räumt die Trainerin ein.
Aber sie gibt auch eine ganze Reihe von Risiken zu bedenken:
- Mitarbeitende kommen krank zur Arbeit und stecken die anderen an.
- Krankheiten können verschleppt werden, Verletzungen nicht ausheilen oder sich sogar verschlimmern.
- Wer krank zur Arbeit kommt, macht mehr Fehler. Zudem steigt das Risiko für Arbeitsunfälle.
- Mitarbeitende, die langwierig erkranken, werden ausgegrenzt.
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