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Übernehmer sollten bei der Betriebsnachfolge nicht zu knapp kalkulieren und ausreichend Kontokorrent einplanen. Absichern kann den eine Bürgschaft von der Bürgschaftsbank.

Unternehmensfinanzierung

5 Tipps für die Finanzierung Ihrer Nachfolge

Was sollte jeder Betriebsinhaber bedenken, der übergeben will? Die begrenzten finanziellen Möglichkeiten (fast) jedes Übernehmers. 5 Tipps für eine gelungene Finanzierung.

  • Bei der Finanzierung einer Betriebsübernahme haben Übernehmer meistens eine Problem: zu wenig Eigenkapital – und die Bank will das Risiko auch nicht alleine tragen.
  • Helfen können dabei Förderkredite und Sicherheiten von der Bürgschaftsbank. Wenn das nicht genügt, kann der Übergeber einspringen und einen Teil des Kaufpreises als Verkäuferdarlehen in die Finanzierung einbringen.
  • Bessere Chancen bei der Finanzierung können auch Nachfolger haben, die im Team übernehmen, denn das senkt für deren Banken das jeweilige Risiko.
  • Den wichtigsten Beitrag für eine gelungene Finanzierung leistet allerdings der Übergeber selbst lange vor der Übernahme – indem er für ein gutes Rating und eine ausreichende Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens sorgt.

Zeit für einen Perspektivwechsel: Wer für seinen Betrieb einen Käufer als Nachfolger sucht, sollte sich bei der Finanzierung in dessen Lage versetzen. Kaum ein Gründer hat das Eigenkapital, um Ihr Unternehmen einfach so zu bezahlen. Selbst mit einer Mischfinanzierung aus Eigenkapital, Krediten und Förderprogrammen kann es eng werden für den Interessenten. Wie es dennoch klappen kann und was Sie dazu beitragen können, weiß Harald Schyja, Experte für Unternehmensnachfolge im Bundesverband der KMU-Berater

1. Kapitaldienstfähigkeit: Machen Sie Ihren Betrieb übernahmefähig!

Übergeber haben nach Schyjas Erfahrungen häufig überzogene Preisvorstellungen. Entscheidend für die Finanzierung der Betriebsübernahme sei jedoch, ob der Nachfolger die Kredite für den Kauf in den nächsten Jahren mit dem Unternehmen erwirtschaften kann. „Die Banken und auch die Förderbanken prüfen das Übernahmekonzept und die Kapitaldienstfähigkeit sehr genau“, warnt der Experte. Auch die privaten Verpflichtungen des Käufers und der dafür notwendige Unternehmerlohn würden die Kreditgeber berücksichtigen. „Wenn alles zu knapp kalkuliert ist, wird die Finanzierung scheitern“, sagt Schyja.

Tipp: „Machen Sie sich am besten schon mindestens fünf Jahre vor der Übergabe Gedanken über die Übernahmefähigkeit Ihres Betriebs“, empfiehlt der Berater. Kreditgeber würden auf die Erträge der letzten drei Jahre vor der Übernahme schauen, um daraus die Plausibilität der Planung und die Kapitaldienstfähigkeit zu überprüfen. Zudem sei das ein guter Zeitraum, um das Rating des Betriebs zu verbessern – denn das übernimmt der Übernehmer gleich mit. „Je besser das Rating, desto bessere Finanzierungskonditionen bekommt der Nachfolger“, sagt Schyja.

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2. Nutzen Sie Sicherheiten von der Bürgschaftsbank!

Dass es für die Übernahmefinanzierung Förderkredite der KfW und der Landesförderbanken gibt, weiß Ihr potenzieller Käufer wahrscheinlich schon. Aber kennt er auch die Möglichkeiten, die eine Bürgschaftsbank bietet? Die Bürgschaftsprogramme der Bundesländer unterscheiden sich zwar im Detail. Doch bieten sie zusätzliche Sicherheiten für Übernahmefinanzierungen. Der Vorteil der Sicherheiten durch Bürgschaftsbank: Sie versorgen den Übernehmer mit zusätzlichen Sicherheiten für die Hausbank und verbessern so die Chancen für die Finanzierung.

Tipp: Der Übernehmer brauche eine auseichende Kontokorrentlinie bei seiner Hausbank, sonst könne es sehr schnell sehr knapp für ihn werden, warnt Schyja. „Auch dafür kann die Bürgschaftsbank Sicherheiten gewähren.“

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3. Werden Sie zum Kreditgeber!

Banken wollen ihr Risiko begrenzen. Sogar wenn eine Förderbank einen Kredit mit teilweiser Haftungsfreistellung für den Käufer spendiert, kann der Bank das Risiko noch zu groß sein. „Dann gibt es die Möglichkeit, dass der Übergeber dem Übernehmer ein Darlehen gewährt“, berichtet Schyja. Einen Teil Ihres Kaufpreises bekommen Sie dann zwar erst später – und auch das nur ratenweise. Doch es könnte die einzige Möglichkeit sein, einen Käufer zu finden und Ihr Lebenswerk abzusichern.

4. Mehrere Käufer = geteiltes Risiko

Sie denken über die Übergabe Ihres Betriebs an einen Mitarbeiter nach? Sein Sie offen für eine Übergabe an eine Käufergruppe. Denn nicht jeder Gründer kann oder will den Wechsel auf den Chefsessel alleine vollziehen.

Wenn mehrere Mitarbeiter einen Betrieb gemeinsam übernehmen, könne das bei der Finanzierung sogar von Vorteil sein, sagt Schyja: „Weil jeder der Käufer seinen Anteil selbst finanzieren muss, ist das Risiko für deren Banken entsprechend geringer.“ Einer Teilfinanzierung durch Förderkredite stehe so eine Partnerschaft nicht im Weg. „Fördermittel sind zwar immer personengebunden, aber natürlich kann jeder Übernehmer für seinen Anteil einen Förderkredit beantragen.“

5. Absagen von der Hausbank? Nicht gleich aufgeben!

Die Bank Ihres potenziellen Nachfolgers winkt bei der Finanzierung ab? Kein Grund, gleich einen neuen Kandidaten zu suchen: Bank ist nicht gleich Bank. Wenn ein Kreditinstitut bei der Finanzierung abwinkt, kann immer noch eine andere zusagen. Der Absagegrund muss auch nicht immer betriebswirtschaftlicher oder finanzieller Art sein. „Ich hatte mal einen Fall, in dem eine Bank abgesagt hat, weil sie Zweifel an der Qualifikation des Übernehmers hatte“, berichtet Schyja. „Wir haben uns dann eine andere Bank gesucht, bei der es geklappt hat. Die hatte diese Bedenken nicht.“

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