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Morgens vor 11 Uhr ist die beste Zeit für Kreditverhandlungen. Danach setzt bei Bankern die Entscheidungsmüdigkeit ein – und die Ablehnungsquote steigt.

Unternehmensfinanzierung

Schlappe Banker geben seltener Kredit

Müde und erschöpfte Bankmitarbeiter lehnen Kredite häufiger ab. Eine Studie zeigt, wann die beste Tageszeit für den Banktermin ist.

  • Müde und erschöpfte Bankmitarbeiter lehnen Kreditanträge häufiger ab. Forscher haben nun herausgefunden, zu welchen Zeiten Kunden bessere Chancen haben.
  • Vermeiden Sie Kreditverhandlungen bei Ihrer Bank nach 11 Uhr morgens. Denn einer Studie zufolge lehnen Kreditsachbearbeiter Kredite ab dieser Uhrzeit häufiger ab.
  • Dabei sind die Banker morgens keineswegs großzügiger gestimmt. Doch ab einer gewissen Uhrzeit sind sie einfach erschöpft und gehen mit einer Ablehnung lieber auf Nummer sicher – auch wenn sie sich früher am Tag noch anders entschieden hätten.
  • Die Ursache: Entscheidungsmüdigkeit durch ständig hohe Belastung – und die nimmt im Tagesablauf zu.
  • Das Problem betrifft allerdings nicht nur Banker, sondern jeden, der ständig Entscheidungen treffen muss. Doch gegen Entscheidungsmüdigkeit helfen ein paar Tricks.

Sie wollen mit Ihrem Banker über einen Kredit sprechen? Vermeiden Sie Termine um die Mittagszeit und am späten Nachmittag – denn dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass die Bank Ihren Kreditantrag genehmigt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der britischen University of Cambridge in einer Anfang Mai veröffentlichten Studie.

Ab 11 Uhr sinkt demnach die Bereitschaft von Kreditsachbearbeitern zur Genehmigung von Kreditanträgen deutlich. Zwischen 12 und 14 Uhr erreicht sie einen Tiefpunkt, bevor sie wieder ansteigt. Am höchsten sind Ihre Chancen als Kreditnehmer vor 11 Uhr oder zwischen 15 und 17 Uhr.

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Ständig schwere Entscheidungen

Als Ursache vermuten die Wissenschaftler „kognitive Erschöpfung“, die zu Entscheidungsmüdigkeit führt. Sie entsteht, wenn man über einen längeren Zeitraum hinweg ständig schwierige Entscheidungen treffen muss.

Diese Dauerbelastung hat Folgen: Wer unter kognitiver Erschöpfung leidet, neigt zu „Standardentscheidungen“ – zu jener Option, die sicherer oder einfacher erscheint.

Auf die Kreditentscheidungen in der Studie trifft all das zu:

  • Ständige Belastung: Die Wissenschaftler haben die Entscheidungen der Mitarbeiter einer Großbank analysiert, die für Kreditumschuldungen zuständig sind. Ausgewertet wurden die Kreditentscheidungen eines Monats. Es ging um insgesamt 26.501 Kreditanträge. Das macht 46 Entscheidungen für jeden der 30 Kreditsachbearbeiter – pro Tag.
  • Schwere Entscheidungen: Die Entscheidungen über Umschuldungsanträge sind anspruchsvoll. Die Sachbearbeiter müssen die Bonität des Kreditnehmers bewerten, die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls ermitteln und beides gegeneinander abwägen.
  • Standardentscheidung: Durchschnittlich lehnten die Banker rund 60 Prozent alle Kreditanträge ab – das ist sicherere und einfachere Standardentscheidung. Dieser Anteil stieg in der Zeit von 11 bis 14 Uhr deutlich. Auch nach 17 Uhr stieg die Ablehnungsquote wieder deutlich an

Die Erklärung : Die Entscheidungsmüdigkeit entsteht nach einer gewissen Zeit voller Entscheidungen – und dann steigt die Zahl der Ablehnungen. Nach einer Mittagspause sinkt die Entscheidungsmüdigkeit und steigt erneut, wenn es in Richtung Feierabend geht.

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Entscheidungsmüdigkeit kostet bares Geld

Das Phänomen der Entscheidungsmüdigkeit ist Psychologen und Verhaltensforschern bekannt. Zu den Auswirkungen von Entscheidungsmüdigkeit gibt es schon einige Studien:

Überraschend an der Studie über Kreditentscheidungen sind indes zwei Punkte:

Erstens: Fakten sind nicht alles. Die Studie belegt, dass es auch bei scheinbar faktenbasierten Entscheidungen nicht alles rein objektiv zugeht. Kreditentscheidungen gelten als objektive Entscheidungen, und Banker argumentieren in der Regel mit Zahlen. Würden jedoch alleine die „objektiven“ Zahlen den Ausschlag geben, dürfte die Ablehnungsquote nicht zu manchen Zeiten höher ausfallen als zu anderen.

Zweitens: „Nummer sicher“ ist nicht immer gut. Die Studie zeigt, dass die Wahl der einfacheren und sichereren „Standardentscheidung“ nicht immer von Vorteil ist. Denn die Wahrscheinlichkeit auf Rückzahlung eines umgeschuldeten Kredits ist höher als nach einer abgelehnten Umschuldung. In Zahlen: Die Bank kosteten die zum falschen Zeitpunkt gefällten Kreditentscheidungen eines einzigen Monats rund 500.000 Dollar an Kreditrückzahlungen.

Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit

Auch als Chef eines Handwerksbetriebs müssen Sie ständig schwierige Entscheidungen treffen. Einen hundertprozentigen Schutz gegen Fehlentscheidungen wegen Entscheidungsmüdigkeit gibt es dabei nicht. Was jedoch hilft:

  1. Frühe Termine. Legen Sie schwere Entscheidungen, Gespräche und Verhandlungen auf Termine am Morgen oder nach einer erholsamen Mittagspause.
  2. Pausen. Machen Sie regelmäßig Pausen, um Ihre Entscheidungsenergie immer wieder aufzufrischen – ganz besonders vor einer schweren Entscheidung.
  3. Geduld. Manchmal scheint es verlockend einfach, eine schnelle Entscheidung kurzfristig zu fällen. Das passiert leicht, wenn Sie eine Aufgabe oder eine Entscheidung endlich abschließen wollen, statt sich damit später erneut zu beschäftigen. Das kann bei einfachen Problemen richtig sein. Doch wenn es um Entscheidungen mit weitreichenden Folgen geht, sollten Sie besser eine Nacht darüber schlafen und es dann zu Ende bringen.
  4. Einstellung. Schwierig wird es, wenn Sie immer die perfekte Entscheidung treffen wollen. Wer schon entscheidungsmüde ist, wird daran scheitern. Sogar unter optimalen Umständen ist eine perfekte Wahl schwer bis unmöglich. Aber Sie können Ihre Einstellung ändern: Oft muss es nicht die perfekte Entscheidung sein, eine gute genügt. Zumal perfekte Entscheidungen sich häufig nicht lohnen, weil sie mit sehr viel zusätzlicher Anstrengung nur wenig zusätzliche Verbesserung bringen. Meist sind 80 Prozent gut genug.

Standardentscheidungen sind nicht immer schlecht

Und die gute Nachricht: Auch wenn Sie entscheidungsmüde kurz vor Feierabend den einfachen Weg gehen und „Standardentscheidung“ wählen, ist das nicht automatisch ein Fehler.

Standardentscheidungen haben inen Vorteil: Sie beruhen auf Erfahrungswerten. Je mehr Erfahrung Sie mit bestimmten Aufgaben haben, desto treffsicherer werden Sie sein und mit der Standardentscheidung tendenziell richtig liegen. Fehleranfällig wird die Standardentscheidung , wenn Ihre Entscheidungsprobleme nicht dem Standard entsprechen und Sie jeden Fall einzeln betrachten müssen.

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