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Foto: handwerk.com

App soll Transparenz schaffen

Faire Fahrtkosten mit „X-Route“

Die Berechnung von Fahrtkosten führt immer wieder zu Konflikten zwischen Kunden und Auftraggebern. Weil Metallbauermeister Ralf Kramer dieses Problem kennt, hat er die App „X-Route“ entwickelt.

Fahrtzeiten von Handwerkern sind als Arbeitszeiten anzusehen, und genauso wie die Fahrzeugkosten müssen die Kunden sie teilweise tragen. So steht es im Gesetz. Trotzdem fragen Kunden immer wieder, ob die Fahrtkosten angemessen sind und wie genau diese zustandekommen.

Metallbauermeister Ralf Kramer aus Oberhausen kennt dieses Problem: „Ich bin schon seit knapp 30 Jahren im Handwerk tätig und immer wieder kommt die Frage: Wie werden die Fahrtkosten berechnet?“. Die Lösung dafür soll die von ihm und der Handwerkskammer Düsseldorf gemeinsam entwickelte App „X-Route“ liefern. In der Software wird einfach der Zielort eingegeben, und anhand der Daten von Google Maps wird die Distanz gemessen und die ungefähre Fahrtdauer berechnet. Der Gesamtpreis ist damit allerdings noch nicht ermittelt. Um die reinen Benzinkosten für die Fahrt zu erfahren, könnte der Auftragnehmer genauso gut Google Maps nutzen, aber auch andere Kriterien spielen eine Rolle.

Lesen Sie auf Seite 2, nach welchen Kriterien die App die Fahrtkosten berechnet.

Fahrtkosten individuell berechnen 

Fahrzeugtyp: Die Fahrzeugtypen für die Berechnung der Kosten sind in fünf Kategorien eingeteilt: 7,5-Tonner, Transporter, Kleintransporter und PKW-Kombi – laut Kramer die vier klassischen Typen, mit denen Handwerker unterwegs sind. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einen ganz anderen, eigenen Typ für die Art des Fahrzeugs einzutragen.

Such- und Rüstzeiten: Die App berücksichtigt, dass für die Parkplatzsuche ebenfalls Zeit benötigt wird. Außerdem muss sich der Handwerker vor Ort mit dem Arbeitsmaterial ausrüsten – das dauert bei einem 7,5-Tonner länger als bei einem Pkw.

Stundenlohn: Der Stundenlohn wird in der App angegeben und ist Grundlage der Berechnungen. Um eben diese Parameter für die Gesamtkosten zu ermitteln, hat Betriebsberater Hubert Kersting von der Handwerkskammer Düsseldorf an der Entwicklung mitgearbeitet. Er hat sich darum gekümmert, dass die Kalkulation der App fehlerlos funktioniert und die einzelnen Kriterien miteinander harmonieren. Individualisierung sei bei der Entwicklung der App mit das Wichtigste gewesen, sagt Kramer. Ein IT-Fachmann zum Beispiel hat einen anderen Stundenlohn als ein Glaser. Die App soll Betrieben branchenunabhängig ermöglichen, dem Kunden die Fahrtkosten transparent zu machen.

Wie Sie Konflikte mit Kunden von vornherein vermeiden können, lesen Sie auf Seite 3.

Konflikten vorbeugen

Darüber hinaus hat der Kunde eine Verbindlichkeit: „Die Hälfte der Streitfälle handelt von Fahrtkosten“, erklärt der Oberhausener. „Die Kunden haben eine Rechtssicherheit und ganz genaue Kosten, wenn sie vorab per Mail über die Höhe informiert sind. Außerdem werden sie nicht mit überbordenden Kosten konfrontiert. So lassen sich Konflikte im Vorfeld vermeiden.“ Sollte die Zeit für die Parkplatzsuche allerdings einmal länger dauern oder der Handwerker im Stau stehen, bleiben die Kosten am Auftragnehmer haften.

Dennoch ist es eine Win-Win-Situation: Der Handwerker kann sich sicher sein, dass er die vereinbarte Summe erhält. Und der Kunde weiß im Vorfeld, wieviel er für die Fahrtkosten zahlen muss. Aber trotz des praktischen Nutzens wird die App bislang nicht so aufgenommen, wie Kramer es sich erhofft hat. „Ich kenne die Handwerker, ich bin ja selber einer. Was er nicht kennt, isst er nicht.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass in Zukunft mehr Handwerksbetriebe auf das Angebot zugreifen werden und sein Engagement zu schätzen wissen. Erhältlich ist die App für 8,99 Euro auf www.xroute.de für Apple- und Androidbetriebssysteme.

(mw)

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