Trügerische Idylle. Die Verbuschung der Flächen schadet Namibias Biodiversität. Eine Lösung: Busch wird Baumaterial.
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Holzhelden

Feuerfest und nachhaltig: Akazie wird Baumaterial

Die Verbuschung durch Akazien ist ein Problem in Namibia. Nützlich zeigen sich die Akazien als Plattenwerkstoff.

Sinkender Grundwasserspiegel, vernichtete Weideflächen, die Verdrängung von Pflanzen und Tieren aus ihrem natürlichen Lebensraum. Das alles sollen invasive Akazien mit ihrer Ausbreitung in Namibia anrichten. Eine kreative und nützliche Lösung für dieses Problem hat die Universität von Namibia in einem Projekt mit den Forschern des Saarbrücker Leibniz-Instituts für Neue Materialien entwickelt. Name: „Namibia Material Institute Competence Development“, kurz Namicomp. Ziel war es, das Akazienholz zu nachhaltigen Baumaterialien zu verarbeiten, die feuerfest und witterungsstabil sind. Das scheint gelungen: Die Forscher haben nach eigenen Angaben Holzplatten entwickelt, die auch für den europäischen Markt interessant seien, etwa für den Bau und die Möbelfertigung.

Trotzt Dauerfeuer bei 1100 Grad

Foto: INM Feuertaufe der Holzfaserplatte aus Akazienholz. Hält Temperaturen von 1100°C lange stand.

Als Komponenten für die Holzfaserplatten haben die Forscher Akazienspäne und einen wasserbasierten anorganischen Binder verwendet. Der sogenannte Namibinder sei frei von gesundheitsschädlichem Formaldehyd und habe eine um den Faktor 4 geringere CO2-Bilanz als Zement. Ein Materialvorteil: Die so entstandenen Platten seien nicht brennbar. Das hätten Feuerfestigkeitstests bei Temperaturen von bis zu 1100 °C über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde bewiesen. Laut den Projektverantwortlichen seien die Platten für tragende Bauteile geeignet und witterungsstabil. Ein spezielles Verfahren mache sie zudem regenfest.

Im nächsten Schritt sei der Einstieg in eine industrielle Fertigung in Namibia geplant. Dafür suchten die Projektpartner in Abstimmung mit dem lokalen Entbuschungsprogramm der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Namibia nach industriellen Kooperationspartnern aus Deutschland und Europa. Vorteile der Produktion von Baumaterialien aus heimischen Ressourcen für Namibia: Sie soll vor Ort Arbeitsplätze schaffen und dazu beitragen, dass eine wesentlich größere Zahl von Menschen sich ein Haus leisten kann.

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