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Foto: handwerk.com

Blutdruck auf 180

Kollege kündigt rassistischer Kundin

Via Facebook hatte ein Handwerksunternehmer den Rassismus einer Kundin enttarnt. Jetzt muss er selbst auf Vorwürfe reagieren. Auf absurde Vorwürfe.

„Unglaublich – und eben wirklich so passiert. Habe den Blutdruck immer noch auf 180!“ Der Juniorchef von Rolladen Müllers in Mönchengladbach ist normalerweise keiner, der auf der Fanpage seiner Firma Dampf ablässt. Aber bevor Markus Müllers die Sätze in die Tastatur gehackt hat, hatte ihn Frau C. angerufen. Und Frau C. ist eine Kundin mit speziellen Ansichten.

Die Vorgeschichte: Zwei von Müllers' Monteuren fahren in den niederrheinischen Ort Schwalmtal, die Reparatur eines Rollladens steht an. Einer der beiden Mitarbeiter ist dunkelhäutig. Aus Sicht von Frau C. rechtfertigt das ihren Beschwerdeanruf, sie legt Müllers nahe, ihr „nicht ungefragt Fremde und Flüchtlinge“ zu schicken. Man könne nie wissen, meint Frau C., ob "deren Sippschaft" einem danach die Wohnung ausräumt.

Die Reaktion von Markus Müllers ist eindeutig. Der Mitarbeiter sei ein kompetenter, hilfsbereiter und höflicher junger Mann, schreibt er in seinem Facebook-Post: „Und NEIN, wir müssen ihn nicht ankündigen, weil seine Haut über mehr Pigmente verfügt als die unserer Exkundin.“

Während des Telefonats mit Frau C. hatte Müllers garantiert, dass er ihr nie wieder „Fremde“ schicke, er schicke nie wieder „irgendjemanden“ zu ihr.

Das Presseecho auf Müllers' Facebookpost war enorm. bild.de titelte: "Chef macht Rassismus die Rolläden zu.“ focus.de: "Kundin will keinen dunkelhäutigen Handwerker – so großartig reagiert sein Chef." express.de: "Handwerker rechnet mit Rassisten-Kundin ab."

Und dabei blieb es nicht, das Hintergrundrauschen in den sozialen Netzwerken schwoll an, bis heute wurde Müllers‘ Post vom 24. Februar mehr als 29.000 mal geteilt. Die Reaktionen waren überwiegend positiv.
„Danke für die klare Ansage und den Mut!“
„Schade, wir haben gerade neue Markisen bekommen, sonst wüsste ich, wo ich die bestelle!“
"Vielen Dank für soviel Rückrat gegenüber seinen Mitarbeitern."

Doch schnell kamen auch die ersten User mit Verschwörungstheorien um die Ecke. Ist die ganze Geschichte nur ein Marketing-Gag? Und überhaupt: Die vermeintliche Kundin ist nicht mehr als eine Phantasiefigur. Oder?

Müllers hat jetzt mit einem weiteren Facebook-Beitrag auf die „häufigsten Anschuldigungen“ reagiert. Für die Facebook-Seite des Familienbetriebes sei die Geschichte nur oberflächlich gesehen ein Erfolg. Zwar sei die Zahl der Likes von 650 auf mehr als 3.000 gestiegen, aber: „Es waren 650 Likes, die wir uns im Laufe der Jahre aufgebaut haben und die auch größtenteils unsere Zielgruppe vereinigte.“ Da der Betrieb seine Fenster nur im Umkreis von 50 Kilometern montiere, bringe die „bundesweite Berühmtheit“ nichts ein: „Jede Anfrage außerhalb unseres Lieferradius bedeutet leider ausschließlich Aufwand.“ Zudem hätten ihm "einige Stammkunden den Rücken gekehrt".

Im Netz wurde übrigens auch darüber spekuliert, ob der Mönchengladbacher Betrieb tatsächlich existieren würde. Wenn man sich auf so eine Diskussion einlasse, kontert Müllers, sei man sehr schnell beim Thema Mondlandung. Und wer ihm nicht glaube, könne das Ganze gerne als Gleichnis sehen: „Wenn eine solche Sache stattgefunden hätte, dann hätten wir so reagiert.“

Wer dennoch spekulieren will: Wir haben es überprüft, Müllers' Betrieb existiert und ist bei der Handwerkskammer Düsseldorf als Handwerksbetrieb eingetragen.

(sfk)

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