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Kraftloser Energiepass

Lachnummer oder ernstzunehmendes Zertifikat? Fachleute sehen den Gebäude-Energieausweis weiter kritisch. Tenor: Das Dokument lasse sich "leicht manipulieren".

Die gute Nachricht vorab: Das Handwerk "profitiert" vom Energiepass und erhält durch ihn "zunehmend Aufträge". Das zumindest sagt ein Sprecher der Handwerkskammer Lübeck im Hamburger Abendblatt. Erst durch den Ausweis wüssten viele private Hausbesitzer, wie sie durch Modernisierung Geld sparen können.

Doch die Tageszeitung berichtet auch über "Stimmen, die den Aussagegehalt der Papiere anzweifeln". Die Argumente gegen das Dokument:

Der Kreis der Berechtigten, die einen Energiepass ausstellen dürfen, sei "zu groß und unübersichtlich".

Der Informationsgehalt einiger Zertifikate sei "nichts wert".

Seit Beginn dieses Jahres muss jeder Grundeigentümer einen Energiepass vorweisen, wenn er eine Immobilie verkaufen oder vermieten möchte. Sinnvoll sei ohnehin nur der bedarfsorientierte Energiepass, denn der erfasse neben der Heizungsanlage auch Außenwände, Dach und Fenster eines Hauses, die je nach Beschaffenheit unterschiedlich viel Wärme abgeben. Dagegen bezeichnet ein Experte den verbrauchsorientierten Pass als "Lachnummer".

Dass offenbar aber auch mit bedarfsorientierten Energiepässen Schmu betrieben wird, verdeutlicht eine Warnung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein vor "Billig-Angeboten aus dem Internet". Dort gebe es die Zertifikate für 15 Euro. Der Sprecher der Verbraucherzentrale, Thomas Hagen, stellt im Abendblatt klar: "Ohne Ortstermin kann keiner ausgestellt werden." Seriöse Anbieter würden für die Dienstleistung "einige Hundert Euro" nehmen.

In anderen Fällen sollen Stadtwerke Energiepässe auf dem kurzen Dienstweg ausgestellt haben. Den nicht gerade komplizierten Ablauf bringt der Chef einer Eigentümerschutz-Gemeinschaft im Abendblatt auf den Punkt: "Ein Anruf, und fertig."

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Gebäude-Energiepass? Sorgt er tatsächlich für Transparenz? Bringt das Dokument Ihrem Betrieb Aufträge? Sind "Gefälligkeits-Energiepässe" weit verbreitet? Schreiben Sie der Redaktion!

(sfk)

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