Im ersten Quartal 2021 will das Finanzamt Geld sehen.
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Steuern

Steuernachzahlungen: Damit müssen Sie nach der Corona-Krise rechnen!

In der Corona-Krise sind Steuerstundungen, Erstattungen und Zuschüsse eine Hilfe. Doch irgendwann wird abgerechnet. Wann stehen die Steuernachzahlungen an?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Auf Handwerker könnten nach der Corona-Krise erhebliche Steuernachzahlungen zukommen. Vor allem im ersten Quartal 2021 müssen Betriebe mit Forderungen des Finanzamtes rechnen. Wie stark es jeden einzelnen Betrieb trifft, hängt davon ab, wie hoch Gewinn oder Verlust in 2020 ausfallen.
  • Anfang 2021 wird nicht nur die gestundete Umsatzsteuer fällig. Die Finanzämter werden dann voraussichtlich sehr schnell betriebswirtschaftliche Auswertungen anfordern, um zügig Nachzahlungen für 2020 und Vorauszahlungen für 2021 festzulegen.
  • Um sich darauf vorzubereiten, sollten Betriebe alle gestundeten, erstatteten und herabgesetzten Steuern dokumentieren, die Entwicklung von Umsatz und Gewinn genau im Blick behalten und sich mit einer laufend angepassten Liquiditätsplanung auf mögliche Nachzahlungen einstellen.

In der Corona-Krise ist so einiges möglich, was vorher undenkbar war, zum Beispiel unbürokratische Zuschüsse, eine vorgezogene Verlustverrechnung und die Stundung der Umsatzsteuer. Doch diese Liquiditätshilfen sind zeitlich befristet. Voraussichtlich im ersten Quartal 2021 wird das Finanzamt klären, wer nun wem wie viel Geld schuldet. Steuerberater Peter Stieve von der Kanzlei Gensch, Korth & Coll in Hannover rät Handwerkern dazu, sich darauf vorzubereiten. „Im ersten Quartal 2021 könnten je nach Ausmaß der Corona-Folgen erhebliche Steuerzahlungen fällig werden“, warnt der Vizepräsident der Steuerberaterkammer Niedersachsen.

1. Rückzahlungen aus dem pauschalen Verlustrücktrag

In der Corona-Krise können sich betroffene Betriebe einen Teil der in 2019 geleisteten Vorauszahlungen zur Einkommen- oder Körperschaftsteuer erstatten lassen. Wer für 2020 einen Verlust erwartet, kann diesen pauschaliert mit 15 Prozent des steuerpflichtigen Gewinns aus 2019 verrechnen.

Was das bringt, macht Peter Stieve an einem Beispiel deutlich: Ein Handwerker hat 2019 einen steuerpflichtigen Gewinn von 100.000 Euro erzielt, bei einem Durchschnittssteuersatz von 40 Prozent. Der pauschale Verlustrücktrag von 15 Prozent ergibt 15.000 Euro, von dem 40 Prozent dem Handwerker erstattet werden – also 6.000 Euro.

Ob es bei dieser Erstattung bleibt, wird sich erst 2021 zeigen:

  • Hat der Betrieb in 2020 keinen Verlust gemacht, gilt der pauschale Rücktrag laut Stieve nicht mehr. Der Handwerker muss die 6.000 Euro zurückzahlen. Das gilt sogar dann, wenn der Gewinn nur einen Euro beträgt.
  • Hat der Betrieb in 2020 Verluste gemacht, so könne er diese vollständig zurücktragen. „Die Erstattung kann dann auch deutlich höher ausfallen als der pauschalierte Rücktrag“, sagt Stieve.

Das werde sich jedoch erst zeigen, wenn der Betrieb das Jahr 2020 abgeschlossen hat und der Steuerbescheid vorliegt, frühestens also im zweiten Quartal 2021.

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2. Steuernachzahlungen für Vorauszahlungen 2020

Von der Corona-Krise betroffene Handwerker können eine Herabsetzung der laufenden Vorauszahlungen 2020 für Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Umsatzsteuer beantragen. Wer für 2020 einen Verlust erwartet und den pauschalen Verlustrücktrag nutzen will, sollte eine Herabsetzung auf Null Euro beantragen.

Laufen die Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte 2020 jedoch besser, könnte am Jahresende auch der Gewinn höher als erwartet ausfallen. „Dann wird eine Nachzahlung der Vorauszahlungen fällig“, sagt Stieve.

Auf Steuernachzahlungen für die Vorauszahlungen der Einkommensteuer und Körperschaftsteuer müssen sich Betriebe im ersten Quartal 2021 einstellen. Die Finanzämter werden dann nach Stieves Einschätzung betriebswirtschaftliche Auswertungen für das Jahr 2020 von den Unternehmen einfordern und sich bei der Kalkulation der Nachzahlung daran orientieren. „Die Finanzämter werden ganz sicher nicht darauf warten, bis die Betriebe ihre Steuererklärungen für 2020 abgeben, denn dafür haben Unternehmen mit Steuerberater Zeit bis Ende 2021.“

3. Vorauszahlungen 2021

Wenn die Finanzämter die Nachzahlungen der Vorauszahlungen für 2020 ermitteln, werden sie zugleich die Vorauszahlungen zur Einkommen- und Körperschaftssteuer für 2021 festlegen. „Diese Vorauszahlungen werden anteilig im März 2021 fällig. Das müssen die Betriebe in der Liquiditätsplanung einkalkulieren“, rät Stieve.