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Wucher in der Werkstatt?

Das Kfz-Handwerk hat kräftig an der Preisschraube gedreht. Bis zu 110 Euro kostet inzwischen die Werkstattstunde. Betriebe stehen massiv in der Kritik.

Als würde die Explosion der Spritpreise nicht reichen seit Monaten schießen auch die Stundensätze der Werkstätten nach oben. Um 3,1 Prozent sind die Preise 2007 gestiegen. Das meldet der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Preissteigerung war etwa halb so groß.

Zwischen 40 und 110 Euro müssen Fahrer je Stunde hinblättern, wenn sie ihr Vehikel in Schuss bringen lassen. Und so manchem bleibt die Spucke weg, wenn er nach einem Ölwechsel und anderen kleinen Routinearbeiten die Rechnung sieht. Auch in Verbänden des Kfz-Handwerks herrscht offenbar Unmut. "Wir sind selbst Schuld", zitiert der MDR einen Sprecher der Berliner Kfz-Innung, der nach einer Erklärung für "die hohen Stundensätze bei teilweise schlechten Service-Angeboten" gefragt wurde.

Warum der Dreh an der Preisschraube? "Die Autohersteller stellen immer höhere Anforderungen an die Betriebe", betont Wolfgang Esser, Referent für Betriebswirtschaft beim Kfz-Gewerbe in Nordrhein-Westfalen. Die Ausrüstungsinvestitionen hätten stark zugenommen. In Autos stecke mehr und mehr Hightech. Und es schlage sich natürlich die Mehrwertsteuer-Erhöhung nieder.

Was negativ sich in der Bilanz der Werkstätten niederschlägt: "Sie können die Mehrkosten nur zum Teil an die Kunden weitergeben", erklärt Esser. Die Margen schrumpften. Dazu komme, dass die Unternehmen im vergangenen Jahr eine "gigantische Rabattschlacht" im Autohandel verkraften mussten.

Im Autokostenindex, den er ADAC zusammen mit dem Statistischen Bundesamt erstellt, rangieren die Kosten für Reparaturen und Inspektionen (117 Punkte) knapp hinter der Kraftstoffpreisen (136 Punkte) an zweiter Stelle. Der Automobilclub bricht aber eine Lanze für das Gewerbe. ADAC-Sprecher Maximilian Maurer nennt einen weiteren Punkt, der Kfz-Betrieben zusetzt: die größeren Inspektionsintervalle moderner Fahrzeuge. Die Bindung des Kunden an die Werkstatt gehe verloren, erklärt Maurer und betont: "Wir stellen fest, dass Autofahrer immer nachlässiger werden."

Außer Frage steht für den Experten, dass sich diese Nachlässigkeit früher oder später in der Werkstatt rächt.

(mfi)

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