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Sachsen-Anhalt

Eine Kooperation hilft bei der Ausbildung

Die schwache Konjunktur ist auch auf dem Ausbildungsmarkt spürbar. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze in Ost und West ist rückläufig. Wie Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Nachwuchs für ihre Betriebe sichern können, zeigt eine Kooperation von Haustechnik-Betrieben in Sachsen-Anhalt.

Die schwache Konjunktur ist auch auf dem Ausbildungsmarkt spürbar. Nach dem Zuwachs an gemeldeten Ausbildungsplätzen im Vorjahr - nicht zu letzt ein Erfolg des Bündnisses für Arbeit - sind die Zahlen in Ost und West in 2002 wieder rückläufig. Wie Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Nachwuchs für ihre Betriebe sichern können, zeigt eine Kooperation von Haustechnik-Betrieben in Sachsen-Anhalt.

Einsatztruppe für die Berufsbildung

Mit der Zielsetzung, neue Ausbildungsplätze im Lande zu schaffen, hat der Fachverband Sanitär, Heizung, Klima (SHK) Sachsen-Anhalt im Mai 1999 den Bildungsverbund Haustechnik gegründet. Seitdem arbeitet der Fachverband SHK eng mit dem Landesinnungsverband des Elektrohandwerks und dem Arbeitsamt Magdeburg zusammen.

Nachwuchsförderung trotz leerer Kassen

Zusammen mit regionalen Kooperationspartnern kann ein Betrieb seinen Nachwuchs firmenübergreifend ausbilden - das ist die Idee der Verbundausbildung. "Unsere Mitarbeiter suchen die Firmen der einzelnen Branche auf, um im persönlichen Gespräch deren Bereitschaft für zusätzliche Ausbildungsplätze zu wecken", sagt Petra Laabs vom Bildungsverbund Haustechnik. Bei Bedarf erarbeitet der Bildungsverbund individuelle Einzellösungen für eine optimale Ausbildung. Damit sollen den Betrieben Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie trotz geringer Mitarbeiterzahl und finanzieller Engpässe ausbilden können.

"Bisher haben wir in Sachsen-Anhalt bereits 2500 Unternehmen aufgesucht, um ihnen verschiedene Möglichkeiten zum Thema Ausbildung offen zu legen", berichtet Laabs. Dabei sei den Betrieben auch gezeigt worden, wie sie die Qualität ihrer Ausbildung verbessern können, indem sie ihre Berufsbilder markt- und firmengerecht gestalten, betont Laabs.

Zusammenarbeit Herstellern und Planern

Auch Meister, die allein in ihrem Betrieb sind, bekommen durch die Verbundausbildung die Chance, sich qualifizierten Nachwuchs heranzubilden. Immer mehr Ausbildungsbetriebe nutzen diese Variante, ihre Auszubildenden in anderen Bereichen dazu lernen zu lassen, zum Beispiel direkt bei ihren Herstellern, in Planungsbüros oder im Großhandel. "Denn den Handwerksfirmen wird immer häufiger Wissen abverlangt, das über ihre eigentlichen Kernkompetenzen hinaus geht", erklärt Laabs.

Der Bildungsverbund Haustechnik initiiert das Ausbildungsnetzwerk nicht nur in den traditionell üblichen Berufen. Auch Mechatroniker, Kommunikationselektroniker und Informationselektroniker können ausgebildet werden. Voraussetzungen für eine gute Ausbildung versucht der Verbund über rechtzeitige Akquise und Vermittlung von Auszubildenden zu sichern.

Installateurmeister Aleithe testet die Verbundausbildung

Die Frage war schwer zu beantworten: Stelle ich einen Auszubildenden ein oder nicht?", erzählt Matthias Aleithe, Installations- und Heiztechnikmeister aus Groß-Rosenburg. Mit nur einem Gesellen war ihm die Abdeckung aller Ausbildungsbereiche kaum möglich. Hilfe bot ihm da der Fachverband Sanitär, Heizung, Klima (SHK) in Magdeburg. Er machte ihn auf die Möglichkeit der Verbundausbildung aufmerksam. "Die Idee klang gut, und so probierte ich das Modell aus."

Unterstützt vom Fachverband SHK schrieb der Handwerksmeister als erstes an die Firmen, mit denen er zusammenarbeitete. Dort fragte er nach, ob sie seinen Lehrling für zwei bis drei Wochen in ihrer Branche aufnehmen könnten. "Die Reaktionen einiger Chefs war zunächst skeptisch", erinnert sich Aleithe. "Schließlich waren wir damals eines der ersten Unternehmen, die sich dem Projekt Verbundausbildung angeschlossen hatten."

Michael Schnitzendöbel arbeitet im zweiten Lehrjahr nach dem Modell der Verbundausbildung. Ihm mache der Arbeitsplatzwechsel Spaß, sagt der 20-Jährige. Ganz besonders wohl fühle er sich, wenn er in ihm bekannten Firmen arbeitet, mit denen auch sein Meister in engem Kontakt steht. Auf die gesamte Ausbildungszeit verteilt, kommt Schnitzendöbel auf rund drei Monate, die er in anderen Gewerken geschult wird.

Vor allem die Berufe Elektriker, Fliesenleger und Klempner waren dem Firmenchef Aleithe bei der Ausbildung seines Lehrlings wichtig. "Da ich mich auf den Einbau, die Wartung und Reparaturen im Heizungs- und Sanitärbereich spezialisiert habe, gebe ich viele andere Arbeiten ab." Der Lehrling erhält durch die Verbundpartner aber auch einen Einblick in die ausgeklammerten Tätigkeiten seiner Firma. Um die Vielfalt der Ausbildung abzurunden, plant der Handwerksmeister, seinen Lehrling für einige Wochen als Service-Monteur arbeiten zu lassen.

Hat Schnitzendöbel ein Gewerk durchlaufen, stellt der Verbundpartner dem Ausbildungsbetrieb eine Rechnung. Aleithe kann diese Kosten mit den Fördergeldern, die er für diese Ausbildung bekommt, begleichen. "Ich kann meinem Nachwuchs zwar eine gute und umfangreiche Ausbildung bieten, doch ich gehe dabei mit einem plus/minus null heraus", sagt Aleithe. "Denn was ist, wenn ich meinen Lehrling nach der Ausbildung nicht mehr weiterbeschäftigen kann oder er selbst nicht mehr in dieser Firma bleiben möchte?" Noch hat Lehrling Schnitzendöbel ein Jahr Ausbildung vor sich. Ob Aleithe dann wieder auf eine Verbundausbildung zurückgreifen möchte, beantwortet er mit einem "Jein". "Es ist schon eine sinnvolle Sache. Doch für mich käme es nur dann in Frage, wenn ich mit meinen Partnern zusammenarbeiten würde. Im Idealfall hätten diese auch Auszubildende, und es könnte ein Kreislauf entstehen."

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Fachverband Sanitär, Heizung, Klima Sachsen-Anhalt

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