Nimmt der Betondecke ihren akustischen Schrecken: In diesem Projekt hat die Schreinerei Melber die Stollen der Regale an der Decke fortgeführt und die Zwischenräume mit Akustikfilz ausgekleidet. Auch die Kaffee-Säcke im vorderen Bereich zeigen akustische Wirkung. 
Foto: privat
Nimmt der Betondecke ihren akustischen Schrecken: In diesem Projekt hat die Schreinerei Melber die Stollen der Regale an der Decke fortgeführt und die Zwischenräume mit Akustikfilz ausgekleidet. Auch die Kaffee-Säcke im vorderen Bereich zeigen akustische Wirkung. 

Holzhelden

Diese Schreiner tun den Ohren gut

Wo Holzhandwerk auf Akustikbau trifft, sieht Innenausbau nicht nur schön aus, sondern reduziert auch noch den Lärm. Dieser Betrieb zählt den Akustikbau zu seinen Spezialitäten. 

Auf einen Blick:

  • Innenausbau mit Lärmreduzierung: Der Akustikbau zählt zu den Arbeitsschwerpunkten der Schreinerei Melber aus dem baden-württembergischen Neuenstein-Kirchensall.
  • Gerade in Zeiten, in denen gerne mit Sichtbeton gearbeitet wird, wächst die Bedeutung schallreduzierender Elemente im Innenausbau. 
  • Die Spezialisierung des Betriebs ist vor allem bei Aufträgen für Gewerbe und öffentliche Gebäude gefragt, aber auch in Räumen privater Auftraggeber hat der Betrieb schon für mehr Ruhe gesorgt.

Er schadet der Konzentration, schlägt auf die Stimmung, kostet Kraft und Energie: Lärm belastet. Und manch nüchterner Einrichtungsstil verstärkt die Schallbelastung noch, indem jedes Geräusch von nackten Wänden und Decken zurückgeworfen wird. Schreiner, die bei der Inneneinrichtung auch Lösungen für mögliche Akustikprobleme anbieten, punkten entsprechend bei Bauherren.

So wie die Schreinerei Melber aus dem baden-württembergischen Neuenstein-Kirchensall. Der Akustikbau zählt neben dem Geschäftsfeld der Funktionstüren zu den Schwerpunkten des sechsköpfigen Betriebs. Die Schreiner arbeiten für private Bauherren, öffentliche Auftraggeber und in gewerblichen Projekten. Wichtigste Partner sind die Architekten, über die mancher Auftrag gewonnen wird.

„Abgehängte Decken sind heute kaum gefragt“, sagt Christiane Feinauer, die das Unternehmen zusammen mit ihrer Schwester, der Schreinermeisterin Ulrike Schwab leitet. Stattdessen dominiere der Industrie-Chic, der bevorzugt ohne Zwischendecken, Teppiche und Co. auskommt. Das hat Folgen für die Akustik: „Mauerwerk und Sichtbeton reflektieren Schall stark und sorgen für eine eher unangenehme Raumsituation“, sagt Feinauer. Die Innenarchitektin hat sich darauf spezialisiert, für solche Gegebenheiten individuelle Lösungen anzubieten, die dem modernen Stil eines Raums entsprechen.

Schreinerhandwerk trifft Akustikbau

Zum Beispiel bei Privatkunden: „Beim Vor-Ort-Termin sehe ich, welche Akustiklösungen für einen Raum überhaupt in Frage kommen, und spreche die Möglichkeiten mit dem Kunden durch“, sagt Feinauer. Das sei selten eine leichte Aufgabe, denn Privaträume böten oft nur wenig optimierungsfähige Flächen. „Für einen Kunden sollten wir mal ein Zimmer optimieren, das extrem wenig Spielraum gab“, erzählt die Innenarchitektin. Durch eine große Fensterfassade, eine große Schiebetür und einen Kamin im Raum habe sich im Grunde nur die Zimmerdecke zur akustischen Optimierung angeboten. Doch gerade die sollte nach den Wünschen des Auftraggebers unangetastet bleiben. Lösung: „Wir haben die riesige Schiebetür durch eine Eigenentwicklung ersetzt: Herzstück der neuen Schiebetür sind hellgraue Filzplatten auf beiden Seiten der Tür mit einem Kern aus Akustikdämmstoff.“ Bei diesem Projekt konnten die Schreiner zugleich ihr Know-how im Türenbau einsetzen.

Um bei den Produktvarianten und ihrer Verarbeitung immer auf der Höhe der Zeit zu sein, nimmt die Geschäftsführerin regelmäßig an Herstellerseminaren teil. Akustikplanungen, bei denen das Verhalten von Schall im Raum berechnet wird, führt der Betrieb nicht durch. „Unser Ziel ist es mit akustisch wirksamen Bauteilen Schall zu reduzieren und dabei eine optisch ansprechende Lösung zu entwickeln“, sagt Feinauer. „Kostspielige Berechnungen und Simulationen machen eher Sinn, wenn die Akustik eines Raums eine tragende Funktion hat, zum Beispiel wenn es um die Sprachverständlichkeit in großen Sälen geht.“

Von Holzlamellen und Filzpaneelen

Auch bei solchen Projekten ist die Schreinerei Melber mit drei Schreinergesellen und einer Auszubildenden als erfahrener Betrieb im Umgang mit schallschluckenden Materialien mit an Bord. Aktuell sind die Schreiner am Ausbau eines Saals für einen Gemeinderat beteiligt, für den Fachleute das Verhalten des Schalls genau durchgerechnet hätten. „In dem Projekt müssen sämtliche Wand- und Deckenverkleidungen akustisch wirksam sein“, erklärt Christiane Feinauer. Die Wände beispielsweise würden mit Akustikdämmplatten versehen und anschließend mit Holzlamellen verkleidet, in deren Zwischenräumen ein schalldurchlässiges Glasfasertextil gespannt wird.

Beliebt in der modernen Architektur seien als Alternative zur komplett abgehangenen Decke auch sogenannte Akustiksegel. Dabei handelt es sich um meist plattenartige Einzelelemente, die häufig waagerecht mit etwas Luft nach oben unter der Raumdecke installiert werden. Und womit arbeitet der Schreinerbetrieb besonders gerne? „Ich mache unheimlich viel mit Filzpaneelen. Die sind auch unter Architekten gerade sehr gefragt.“ Dabei sollen Akustikfilze schon eine gewisse Schallabsorption mitbringen, die sich durch den Einsatz zusätzlicher Akustikdämmstoffe weiter verstärken ließe. Für eine optimale Schallwirkung benötige man eine gewisse Dicke des schallabsorbierenden Materials zwischen einer Schallquelle und schallreflektierenden Strukturen wie dem Mauerwerk, erklärt Feinauer. „Die Dicke bewegt sich häufig zwischen einem und sechs Zentimetern.“

Akustikbau aus Tradition

Den Geschäftszweig des Akustikbaus hat der Vater der beiden Unternehmerschwestern einst in den Schreinerbetrieb gebracht. „Er hat viel im Bereich Trockenbau gemacht und sich so auch im Akustikbau einen Namen gemacht“, erzählt Christiane Feinauer. Der Funke sprang auf die beiden Geschäftsführerinnen früh über. So hat das Thema Schallreduktion schon die Diplomarbeit von Christiane Feinauer geprägt: „In Zusammenarbeit mit meinem damaligen Arbeitgeber habe ich einen Wandtrennsystem für Großraumbüros entworfen, das mit Membranen und Textilien Schall reduziert hat. Es ließ sich modular einsetzen und durch die verwendeten halbtransparenten Materialien sogar von innen beleuchten.“

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