Palette sieht einen Trend zur stärkeren digitalen Beratung. Virtuelle Ausstellungen können ein digitales Kundenerlebnis schaffen.
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Palette sieht einen Trend zur stärkeren digitalen Beratung. Virtuelle Ausstellungen können ein digitales Kundenerlebnis schaffen.

Inhaltsverzeichnis

Holzhelden

„Das Käuferverhalten wird sich ändern“

Was bedeutet es für Handwerker, dass Kunden zunehmend auch komplexe Produkte online bestellen? Für Palette CAD ist der Trend deutlich: Beratung wird digital.

Künftig wird es im Handwerk noch wichtiger, Arbeitskraft möglichst sinnvoll und effizient einzusetzen, sagt Dirk Böckstiegel, Vorstand für Business Development and International Operations bei Palette CAD. Um sich im Markt der Zukunft zu positionieren, sollten Betriebe insbesondere den Vertriebskanal Online-Handel im Auge behalten.

Innovationsdruck im Vertrieb steigt

Wo sehen Sie den größten Druck für Veränderungen bei Tischlern und Schreinern?

Böckstiegel: Ich glaube ein großer Zukunftsbereich wird die Steuerung der internen Abläufe im Bereich Konstruktion und Produktionssteuerung sein. Wie strukturiere ich mich für hohe Effizienz bei gleichzeitig geringer Fehlerquote? Das wird noch viel wichtiger. Je besser Tischler und Schreiner da sind, desto sinnvoller können sie die Arbeitskraft ihrer Mitarbeitenden einsetzen. In Zukunft wird es sich das Handwerk nicht mehr leisten können, Dinge manuell zu machen, die EDV-Systeme besser und automatisiert abdecken können. Außerdem wird sich der Innovationsdruck auf der Vertriebsseite erhöhen.

Inwiefern gibt es Modernisierungsdruck im Vertrieb?

Böckstiegel: Der Online-Handel hat in den letzten beiden Jahrzehnten enorme Bedeutung gewonnen. Noch gibt es Produkte, die einen persönlichen Verkauf brauchen. Ein gutes Beispiel dafür sind Pkws. Aber wie lange noch? Inzwischen kommt Tesla und sagt: „Du bestellst den Wagen im Internet.“ Und die Leute machen das. Im Handwerk geht das zum Glück nicht überall. Aber es wird auch hier Bereiche geben, wo Online-Bestellungen eine größere Rolle spielen werden. Da müssen sich die Unternehmen positionieren. Nach den vielen Wandlungen, die das Handwerk vollzogen hat, ist das eine, die uns noch bevorsteht. Denn das Käuferverhalten wird sich ändern mit neuen Generationen an Kunden.

Sonst drohen Handwerker Kunden an die Industrie zu verlieren?

Böckstiegel: Nicht zwingend, aber die Gefahr wächst. Mit großer Sicherheit würde ich aber sagen: Gutes E-Commerce wird Tischlern und Schreinern künftig helfen erfolgreicher zu sein. Der große Vorteil des Handwerks gilt unabhängig davon aber weiterhin: Es ist persönlich. In einem lokalen Markt verlässt man schnell die anonyme Geschäftsbeziehung, sobald man jemanden braucht, der die Ware montiert. Der persönliche Kontakt, die Regionalität, die kurzen Wege und damit die Möglichkeit zu nachhaltigen Produkten sind ein Pfund des Handwerksbetriebs. Dennoch kann er den Löwenanteil der Beratung auf digitalem Weg abdecken. Das akzeptieren die Kunden und es spart Zeit.

Planung digital vereinfachen

Welche positiven Entwicklungen sehen Sie bei Tischlern und Schreinern?

Böckstiegel: Beeindruckend finde ich, dass der gestalterische Bereich in den Betrieben sehr weit fortgeschritten ist. Das sehen wir immer wieder im Support, wo unsere Mitarbeitenden zur Problemlösung in die Projekte schauen dürfen: Die wenigsten Planungen sind rein produktbezogen. Viel häufiger werden Räume mitgezeichnet und Räume dekoriert, um das Aha-Erlebnis spürbar zu machen. So bekommen die Planungen einen emotionalen Mehrwert. Daran richten wir auch unsere Software-Entwicklungen aus: Wenn die Handwerker mit unserer Software um ihre eigentlichen Produkte auch Räume planen können, ohne dafür extremen Mehraufwand betreiben zu müssen, haben wir unseren Job gut gemacht.

Wohin geht die Entwicklung bei der Planung?

Böckstiegel: Um den Aufwand zu verringern und die Effizienz zu steigern, müssen sich die Daten der gesamten Projektplanung in einem durchgängigen Fluss befinden. Die Arbeitsvorbereitung muss ein Abfallprodukt der Planung sein, das automatisch entsteht. Planungstools, Bibliotheken und intelligente Objekte müssen so gestaltet sein, dass nicht nur der Arbeitsvorbereiter damit arbeiten kann, sondern auch Leute, die weniger tief in der Materie stecken. Aus der Planung heraus will ich ohne Zusatzaufwand die Komponenten bestellen, das Projekt kalkulieren und es fertigen können. Ich will nicht über die Verschnittoptimierung nachdenken müssen oder darüber, ab welcher Breite ein Schubkasten eine Parallelsteuerung benötigt. Diese Funktionen reibungslos im Hintergrund laufen zu lassen, ist Aufgabe der Softwarehersteller. Und da wird es immer Neuerungen geben.

Mehr Augmented Reality und Cloud-Computing

Wird sich die Präsentation künftig noch verändern?

Böckstiegel: Wir haben Virtual Reality ganz früh als eigenständige Entwicklung gehabt. Die Nachfrage entwickelte sich allerdings nicht so rasant. Inzwischen aber wächst die Popularität der Technologien. Wir glauben, dass vor allem Augmented Reality eine wichtigere Rolle spielen wird. Virtual Reality ist toll, hat aber den Nachteil, dass sie nicht gruppenkompatibel ist: Sie präsentieren das Wohnzimmer einer vierköpfigen Familie, aber nur einer hat die Brille auf. Da vertut man die Chance ein Gruppenerlebnis zu schaffen. AR schließt diese Lücke. Wir werden da künftig noch weitere Schritte gehen.

Was wird der nächste große Entwicklungsschritt in Ihrer Software?

Böckstiegel: Immer umfangreichere, detailliertere Planungen benötigen auch immer mehr Rechenkapazität. In den Bereichen Interior und Sanitär haben wir inzwischen die Option des reinen Cloud-Computings geschaffen: Damit genügt ein mobiler Computer ohne besondere Hardware-Anforderungen zur Planung. Die leistungsintensiven Prozesse finden in unserem Rechenzentrum statt. Zurzeit bereiten wir unter der Motorhaube auch die Software für Tischler und Schreiner für das Cloud Computing vor. Unser Ziel ist es, Cloud Computing zur schnellsten Möglichkeit des Arbeitens zu machen – ob im Büro oder mobil beim Kunden.

Welche Rolle wird KI bei Ihren Entwicklungen einnehmen?

Böckstiegel: Ich halte das Thema künstliche Intelligenz für hochgradig spannend, weil es die nächste Stufe in der Entlastung unserer Kunden bedeutet. Wir haben dafür eine eigene Task Force im Unternehmen aufgebaut. KI wird sinnvoll und entlastend in die Planungsprozesse eingreifen. Zukünftig werden wir so sicherlich automatisch Vorschläge generieren können: So erhalten Anwender zum Beispiel konkrete Empfehlungen zur Möblierung einer bestimmten Nische. Da sollten dann direkt alle notwendigen Fertigungsdaten mit enthalten sein. KI wird für fehlerfreiere Planung sorgen. Im Fehlerfall muss die KI eingreifen und melden, dass eine bestimmte Planungsvorgabe keinen Sinn ergibt, und das Problem erklären.

 

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