Strategie

Stressfrei als Chef? Das geht nur mit Vertrauen!

Chefs kleiner Betriebe stehen oft unter Stress. Nicht so Michael Nykiel. Sein Erfolgsrezept: Vertrauen in sich und andere – und Vollgas, wenn es wirklich darauf ankommt.

Auf einen Blick:

  • In kleinen Handwerksbetrieben müssen Chefs sich um vieles selbst kümmern. Auch Tischlermeister Michael Nykiel. Warum ist er dabei nicht gestresst? Das hat vier Gründe:
  • Nr. 1: Spaß an der Arbeit! Er macht wirklich alles gerne, selbst den Papierkram.
  • Nr. 2: Prioritäten! Er macht alles, aber nicht ständig. Büro und Kunden gehen vor.
  • Nr. 3: Vertrauen! Seine Kunden vertrauen ihm und er vertraut seinem Team.
  • Nr. 4: Erfahrung! Man muss nicht ständig Vollgas geben. Aber man sollte sicher sein, dass es klappt, wenn es darauf ankommt.

Von Jörg Wiebking

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Die Tischlerei Nykiel in Salzgitter ist ein 12-Mann-Betrieb. Genau die Unternehmensgröße, bei der sich ein Chef um vieles noch selbst kümmern muss – und oft auch möchte. Ganz besonders dann, wenn man an allen Aufgaben Freude hat. „Ich mache alles sehr gern“, sagt Tischlermeister Michael Nykiel. Und er meint wirklich alles: Handwerk, Technik und Gestaltung gehören für ihn ebenso dazu wie Kundenbetreuung, Planung und Organisation. Selbst die oft so ungeliebte Büroarbeit ist für ihn keine Last. „Ja, der Papierkram macht mir auch Spaß“, betont der 42-Jährige. „Ich erstelle auch gerne Angebote und schreibe gerne Rechnungen. Die Abwechslung ist das schöne daran.“

Das klingt bei aller Freude nach ziemlich viel Arbeit. Dennoch hat Nykiel scheinbar die Ruhe weg. Er wirke ruhiger als er sei, sagt er. „Vielleicht kommt der Stress nicht raus, aber den inneren Druck hat wohl jeder. Der ist auch gesund für die Selbstständigkeit.“ Doch davon ist nichts zu spüren. Jedenfalls nimmt sich der Unternehmer reichlich Zeit, am Telefon und später auch beim Besuch in seinem Betrieb. Gestresste Menschen sehen anders aus.

Prioritäten setzen – und Entspannung durch Abwechslung

Wie schafft der Meister alle diese Aufgaben, ohne sich zu verzetteln? In dem er Prioritäten setzt, aber nicht stur daran festhält. Akquise, Kundenbetreuung und Büroarbeit seien ganz klar seine Hauptaufgaben. „Ich sitze mehr als die Hälfte der Zeit am Schreibtisch“, sagt Nykiel.

Produktiv arbeitet er „je nach Bedarf“ mit, mal im Lackiererraum, beim Ausbau oder bei Messeprojekten. „Aber das ist nicht ständig so, im Schnitt macht das rund 20 Prozent meiner Arbeitszeit aus.“ 20 Prozent, die für ihn auch persönlich wichtig sind: „Ich sehe das als Entspannung, auch um den Kopf frei zu bekommen vom Büroalltag.“

Vertrauen in die Mitarbeiter

Zeit für Kunden und Büro kann Nykiel sich nehmen, weil er sich auf seinen Meister und seine zehn Gesellen verlässt. „Ich vertraue meinem Team zu 100 Prozent. Alle arbeiten absolut selbstständig.“ Das habe nicht nur etwas mit der Fachkompetenz der Mitarbeiter zu tun, sondern auch mit dem sozialen Miteinander.

„Das ist ganz wichtig. Davon hängt schon ab, wie man seinen Tag beginnt. Ich freue mich darauf die Mitarbeiter morgens zu sehen und die Arbeit einzuteilen.“ Und weil er wisse, dass das Team harmoniert „kann ich den Tag gut beginnen, das ist das A und O“.

Vertrauen der Kunden

Überhaupt spielt „Vertrauen“ eine wichtige Rolle in Nykiels Tischlerei. Immerhin macht der Betrieb 65 Prozent seines Umsatzes mit gewerblichen Kunden. Die gelten allgemein als schwierig und seien immer auf der Suche nach dem günstigsten Preis.

Sein Erfolgsrezept: „Man muss eine so starke Verbindung aufbauen, dass man praktisch zum Unternehmen dazugehört.“ Diese Kundenbindung habe etwas mit räumlicher Nähe zu tun, aber auch mit dem Vertrauen der Kunden in gute Arbeit und transparente Kalkulation.

Selbstvertrauen – von Null auf 100

Völlig stressfrei ist Nykiels Leben dennoch nicht. Im Messebau steige der Druck, wenn große Veranstaltungen anstehen, zum Beispiel Jahreshauptversammlungen. „Da ist schon eine gewisse innere Unruhe vorhanden, auch heute noch“, erzählt er. Zeigen würde er das allerdings nicht. „Bei großen Aufträgen muss man Ruhe ausstrahlen, das spiegelt sich auch bei Kunden und Mitarbeitern wieder und alles klappt besser.“

Früher, in seinen ersten Jahren, sei ihm das schwerer gefallen. „Da war ich noch hektischer – da hatte ich die Sorge, ob meine Planung stimmt und alles klappen wird.“ Inzwischen weiß er: „Wenn man nicht dauernd gestresst ist, kann man gezielt Energie freigeben in solchen Situationen.“ Im Umkehrschluss bedeute das für Michael Nykiel aber auch: „Vollgas nach oben geht immer, aber nicht ständig. Jedes hat seine Zeit, auch der Stress.“

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