Handwerker beurteilen die drohende Abschaffung der Meisterpflicht mitunter sehr unterschiedlich.
Foto: olly - fotolia.com

Politik und Gesellschaft

Meisterpflicht? „Ja!!!, Nein!!!“

Kaum ein Handwerksthema ist so umstritten wie die Abschaffung der Meisterpflicht. Da zofft sich nicht nur die Politik. Auch die Handwerker sind sich uneins, zeigen die Kommentare unserer Leser. Und was denken Sie?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Legale Arbeit ohne Qualifikation, das erlaubt die Abschaffung der Meisterpflicht. Gut so, meinen die einen. Eine Katastrophe sehen andere Betriebe darin.
  • Vier Handwerker aus den Bereichen Elektrotechnik, Fliesenleger, Maler und Parkettleger schildern ihre Ansicht.
  • Das Stimmungsbild: Differenziert, aber lesen Sie selbst.

Das Fliesenlegerhandwerk hat mit zahlreichen anderen Gewerken 2004 vorlegen müssen. Als Nächstes will die EU Kommission mit dem EU-Dienstleistungspaket nachziehen: Der Meisterbrief, so scheint es, steht politisch auf der Abschussliste.

Der Fachverband Fliesen und Naturstein fordert den Meistertitel nun erneut zurück. Und was sagen die Handwerker? Wir haben nachgefragt.

Meister? Kein Bedarf

Fliesenleger Michael Musch befürwortet die Abschaffung der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk. Sein Argument: „Für das Fliesenlegen benötigt man doch keine Meisterprüfung. In diesem Job kann man doch gar nicht viel verkehrt machen.“ Er selbst verfolgt einen einfachen Arbeitsgrundsatz: „Arbeite so, als wäre es für mich selbst.“

Kein Erfolg mit Handwerk zweiter Klasse

Ganz anders sieht das Parkettlegermeister Heinz Faber. Auch sein Handwerk ist von der Abschaffung der Meisterpflicht betroffen: „Natürlich war die Abschaffung ein Fehler“, sagt Faber. Erfolgreiches Handwerk, zufriedenstellende Einkünfte und gute Ausbildung gehören für ihn untrennbar zusammen. „Durch Handwerker zweiter Klasse, die alles von A bis Z anbieten, ist das nicht zu erreichen.“

Lieber anderen Qualitätsnachweis

Meisterpflicht – gut oder schlecht? Für Jörg Tuguntke fällt die Antwort eindeutig aus: „Ja!!!!, Nein!!!!“. Der Chef von Wiebach Elektrotechnik spricht sich gegen die Meisterpflicht aus, aber auch gegen ein ersatzloses Streichen des handwerklichen Qualitätsnachweises. Er fordert: “Weg mit all diesen alten Zöpfen, aber dafür EU-weit einen einheitlichen Qualitätsnachweis.“

Meisterpflicht wird unterwandert

Andere Unternehmen sehen derweil, wie der Meister in den meisterpflichtigen Gewerken unterwandert wird. Etwa Helga Debbeler vom Malereibetrieb Ulf Debbeler. Sie beklagt: „Die Meisterpflicht in unserem Bereich verschwindet schleichend und keiner regt sich auf!“ Sie habe „massive Bedenken“, dass Lehrlinge die kostenintensive Ausbildung nur noch nutzen, um sich so schnell wie möglich selbstständig zu machen. Damit nicht genug: „Hinzu kommt noch, dass die Gesellen die sich bereits selbstständig gemacht haben, nunmehr lediglich die Ausbildernachweisprüfung ablegen müssen/können, um anschließend auch noch ausbilden zu dürfen. Ob diese Ausbildung qualitativ hochwertig ist – möchten wir ganz erheblich anzweifeln.“

Und was denken Sie? Kommentieren Sie hier.

Politik und Gesellschaft

Wie weiter ohne Meister?

Was bedeutet ein Ende der Meisterpflicht für Handwerk und Gesellschaft? Zwei Fliesenleger und ein Wissenschaftler erklären die Welt der Meisterlosen.

Politik und Gesellschaft

Verbände fordern: Gebt den Meister wieder her!

Schwarzarbeit, Nachwuchsmangel, Dumpingpreise. Das habe die Abschaffung der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk verursacht. Verbände fordern, den Fehler zu korrigieren. Was denken Sie?

Politik und Gesellschaft

Wirtschaftspolitiker fordern Rückkehr zur Meisterpflicht

Die Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Gewerken war ein Fehler – das empfinden viele Handwerker schon lange so. Jetzt wollen auch einige Politiker das Rad zurückdrehen.

Petition

Kommt jetzt die Unterschriftenwelle für die Meisterpflicht?

Er ist wieder da: Stefan Bohlken kämpft für die Meisterpflicht – jetzt soll eine Online-Petition mit 50.000 Unterschriften die Politik von der Dringlichkeit überzeugen. Die Unterschriften kommen im Minutentakt.