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Warme Fassade

3 Dämmungsmythen auf dem Prüfstand

Taugt nichts, erhöht das Schimmelrisiko und ist ein Algenmagnet? Alles falsch, sagen zwei Malermeister aus Hannover und geben Tipps für eine gelungene Fassadendämmung.

Besser als ihr Ruf - Gelungen gedämmt? Ja, wenn die Ausführung stimmt.
Gelungen gedämmt? Ja, wenn die Ausführung stimmt.
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Heinrich Schmitz gehört zu den Pionieren der Dämmtechnik. Der Hannoveraner Malermeister hat vor 40 Jahren sein erstes Gebäude gedämmt – das eigene Einfamilienhaus – und war später an der Entwicklung heutiger industrieller Dämmsysteme beteiligt. Mittlerweile hat er den Betrieb an seinen Sohn, den Malermeister und Diplomarchitekten Oliver Schmitz-Briese übergeben. Zusammen haben sie 100.000 Quadratmeter Dämmung verbaut. „Und unsere Kunden haben damit nur positive Erfahrungen gemacht“, sagt Schmitz.

Die beiden Dämmexperten sind überzeugt, dass die Dämmung viel besser als ihr aktueller Ruf ist. Eine fachgerechte Umsetzung vorausgesetzt, seien sämtliche Vorbehalte gegen sie unbegründet:

Das erste Vorurteil: Dämmung bringt nichts!
Bisher gibt es leider nur eine Untersuchung, die versucht, die Qualität der Dämmung unter wissenschaftlichen Bedingungen zu analysieren. Diplomarchitekt Jens Fehrenberg hat 1992 bei einem mehrjährigen Vergleichstest die Energie-Verbrauchswerte eines gedämmten Mehrfamilienhauses mit den Werten eines ungedämmten verglichen. Er konnte keine Einsparungen bei der gedämmten Fassade feststellen. Allerdings, sagen Schmitz und Schmitz-Briese, ist die gedämmte Fassade des untersuchten Hochhauses aus mehreren Gründen mangelhaft.

Malermeister und Architekt - Oliver Schmitz-Briese, Geschäftsführer der Malermeister Schmitz GmbH, kennt die typischen Mängel der Fassadendämmung.
Oliver Schmitz-Briese, Geschäftsführer der Malermeister Schmitz GmbH, kennt die typischen Mängel der Fassadendämmung.
Foto: Denny Gille

Mit nur vier Zentimetern Dicke sei die angebrachte Dämmung extrem gering. Außerdem habe das Haus einen hohen Fensteranteil und sehr große Loggien, an denen überhaupt keine Dämmung angebracht sei. „Das ist, als hätte man eine Winterjacke an, aber den Reißverschluss offen“, sagt Oliver Schmitz-Briese.

Ein Vergleich aus der Praxis der Malermeister Schmitz GmbH zeigt Einsparungen nach der Dämmung von über 40 Prozent. Hier hat der Besitzer eines Reihenendhauses genau seinen Gasverbrauch notiert, bevor und nachdem er die drei Außenwände gedämmt hat. „Vor der Maßnahme lag sein Gasverbrauch bei 13.400 Kubikmeter, danach bei nur 7.800“, sagt Schmitz-Briese.

Erst ab einem Mauerwerk von 60 bis 80 Zentimeter Dicke, würde eine Dämmung laut den Malermeistern weitgehend überflüssig. Heute übliche Außenwandstärken liegen zwischen 35 und 40 Zentimeter.

Schimmel- und Algenbildung sind leicht vermeidbar. Wie? Das lesen Sie auf Seite 2.

Vorurteil Nummer zwei: Schimmel dank Dämmung!
Dämmpionier - Heinrich Schmitz, Gründer der Malermeister Schmitz GmbH, hat in seiner gesamten Berufszeit nur positive Erfahrung mit der Dämmung gemacht.
Heinrich Schmitz, Gründer der Malermeister Schmitz GmbH, hat in seiner gesamten Berufszeit nur positive Erfahrung mit der Dämmung gemacht.
Foto: Denny Gille

Einigen Bauherren ist das schon passiert: Vor der Dämmung war es vielleicht ein bisschen kalt im Gebäude, aber Probleme mit Schimmelbildung hat es nie gegeben. Kaum hat die Fassade dann ihren Mantel bekommen, bildeten sich die ersten dunklen Flecken.

Der Grund liegt hier oft in einer mangelhaften Ausführung: „Die Kälte sucht sich immer den geringsten Widerstand“, sagt Schmitz. Haben die Fenster im Haus zu kleine Rahmen, kann das Dämmmaterial nicht bis ans Fenster verbaut werden, sonst würde es das Fenster zum Teil überdecken. Oft wird an dieser Stelle dann einfach nicht gedämmt. „Dadurch entsteht eine Wärmebrücke und die ist noch fataler, als gar keine Dämmung zu haben“, sagt Schmitz.

Denn ohne Dämmung verteilt sich die Feuchtigkeit im Innenraum gleichmäßig an der Außenwand. Durch die Wärmebrücke sammelt sie sich nur noch an den ersten 30 Zentimetern Wand rund um das Fenster herum, weil es nur da kalt ist. Schimmel entsteht. „Ist der Bauherr nicht bereit, neue Fenster zu installieren, die eine professionelle Fassadendämmung ermöglicht, würden wir in so einem Fall vom Dämmen abraten“, ergänzt Schmitz-Briese.

Vorurteil Nummer drei: Dämmung ist ein Algenmagnet!
Anfangs eine schöne weiße Fassade, drei Jahre später überall grüne Schlieren, die Fassade wirkt fleckig und ungepflegt. „Unsere Fassaden veralgen nicht“, sagt Malermeister Schmitz. Der Trick gegen Algen ist eigentlich ganz einfach und von jedem Betrieb umsetzbar: Es kommt einfach auf das Bindemittel in der Farbe an.

„Das kann entweder auf Kunststoffbasis sein oder mineralisch auf Basis von Kaliwasserglas“, sagt Schmitz. Bei der Malermeister Schmitz GmbH kommt nur mineralische Farbe zum Einsatz; da sie keine organischen Bestandteile enthält, liefert sie Algen auch keinen Nährboden.

Seite 3: Styroporpfuscher oder Dämmprofi - so finden Sie den richtigen Anbieter.

Wege zum qualifizierten Anbieter
Warm seit Dekaden - Seit 40 Jahren mit gedämmter Fassade: Die Malermeister Schmitz-Briese (links) und Schmitz (rechts) vor dem Firmensitz.
Seit 40 Jahren mit gedämmter Fassade: Die Malermeister Schmitz-Briese (links) und Schmitz (rechts) vor dem Firmensitz.
Foto: Denny Gille

Wie können Bauherren nun sicher gehen, dass sie einen wirklich qualifizierten Betrieb beauftragen? Schmitz rät zu einem Anbieter aus der Maler- oder alternativ der Stuckateurinnung. „Da hat man eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass der sein Handwerk auch ernst nimmt.“ Sinnvoll sei es auch, sich Referenzobjekte zeigen zu lassen und deren Eigentümer zu kontaktieren, wie zufrieden sie mit dem Betrieb gewesen sind.

Außerdem sollte man bei allzu traumhaften Preisen Vorsicht walten lassen: „Wer sich mehrere Angebote einholt und bekommt zwei zu 20.000 Euro und eines zu 12.000, sollte nicht dem ersten Impuls folgen“, raten die Malermeister. Denn die Kosten für Material und Personal seien bei allen Betrieben weitgehend gleich. „Dann bleibt nur eine Stellschraube: Geschwindigkeit. Und die geht zu Lasten der Qualität.“ (Denny Gille)

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