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Kredit

Banken tricksen bei der Förderung

Förderkredite der KfW sollen Handwerkern Investitionen erleichtern. Doch bis zur Auszahlung erleben Betroffene immer wieder böse Überraschungen.

Drei Monate dauerte das Warten und Hoffen, dann kam das Geld: Eine Million Euro als zinsgünstiges Darlehen von der KfW Förderbank erhielt die Perfecta Fenster Montage und Vertriebs GmbH im bayerischen Westendorf für die Investition in eine neue Maschine. Doch der Weg dorthin war nicht einfach. #132;Zwischendurch war es ganz schön knapp #147;, berichtet Projektleiterin Ines Karl: " #132;Wir brauchten das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt, sonst hätten wir es teurer zwischenfinanzieren müssen. #147;"

Viele faule Ausrede
Dennoch hatte Ines Karl Glück. Denn oft müssen Unternehmen in den sauren Apfel beißen, und eine teure Zwischenfinanzierung nutzen, bis endlich die Fördermittel ausgezahlt werden. #132;

"Da passieren die tollsten Dinger" #147;, berichtet Martin F., ein Fördermittelberater, der namentlich nicht genannt werden will: " #132;Einmal hat eine Bank behauptet, die KfW habe den Antrag abgelehnt, aber wir haben bei der KfW nachgefragt, und dabei kam heraus, dass die Hausbank den Antrag nie eingereicht hatte. #147; "

In einem anderen Fall habe eine Hausbank den Antrag erst einmal bei sich liegen lassen. #132;"Die haben das damit begründet, dass sie noch mit einer Zinssenkung gerechnet hätten und für den Kunden das beste herausholen wollten. #147; Darüber kann Martin F. nur lachen: Sein Kunde musste die Investition mit einem viel teureren Kontokorrentkredit zwischenfinanzieren.

Betriebe müssen zwischenfinanzieren
Für den Kreditsachverständigen Jens Leschmann aus Lilienthal ist das kein Einzelfall. Seine Vermutung: Weil Kreditinstitute an den KfW-Krediten nur wenig verdienen, halten sich viele bei den Antragstellern schadlos.

Dabei würden sich die Hausbanken die Regelung zunutze machen, dass sie sich für die Annahme der KfW-Zusage ein ganzes Jahr Zeit lassen können: " #132;Dem Unternehmer wird in der Regel zunächst zur Zwischenfinanzierung ein Kontokorrentkreditkonto eröffnet."

Aus diesem Konto kann der Unternehmer dann zu teuren Kreditzinsen seine Investitionen tätigen. Das Zwischenfinanzierungskonto soll dann nach Bewilligung der KfW-Mittel von diesen getilgt werden. #147; Von dieser Bewilligung erfahre der Unternehmer jedoch erst spät und zahle unnötig hohe Zinsen.

Diese Erfahrung bestätigt Hans-Georg Möntmann aus aus Bad König: #132;"Ich kenne mehrere Fälle, in denen die Auszahlung mit ähnlichen Methoden um bis zu mehrere Monate verzögert wurde #147;, berichtet der Bankenkritiker und Journalist." Von Einzelfällen könne da nicht mehr die Rede sein, vermutet Möntmann.

KfW sieht keine Probleme
Und was sagt die KfW dazu? #132;"Natürlich benötigen die Prozesse in den Banken gewisse Zeit, hierfür gibt es sachliche und nachvollziehbare Gründe #147;", heißt es in einer Stellungnahme. Ursachen seien demnach Antragswege und Förderbedingungen (s. unten). #132;"Insgesamt zeigt sich in unseren Hausbankprüfungen, dass das Durchleitungssystem gut funktioniert und wir nur in sehr seltenen Einzelfällen Anlass zu Beanstandung haben. #147;"

Zudem weist die KfW darauf hin, dass Kreditinstitute durch das Anfang 2005 eingeführte risikogerechte Zinssystem der KfW Förderkredite mit kostendeckenden Margen vergeben könnten. Folglich gebe es für Banken keinen wirtschaftlichen Anreiz, ihre Margen über den Kontokorrent-Kredit zu optimieren.

Auf Zusage warten
Möntmann wundert diese Antwort nicht: #132;"Die KfW kann gar nichts anderes sagen. Die ist doch auf die Hausbanken angewiesen." #147; Und was bedeutet das in der Praxis für Unternehmer? "Wer einem Rechtsstreit aus dem Weg gehen will, hat nur eine Möglichkeit: #132;Man sollte versuchen, ein neues Vorhaben wirklich erst dann zu beginnen, wenn die Zusage der KfW vorliegt #147;, rät Möntmann, #132;dann kann die Hausbank die Auszahlung nicht mehr hinauszögern. #147; "

Woran Sie erkennen, ob die Bank bei der Förderung trickst, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Eindeutige Beweise, dass die Hausbank bei der KfW-Förderung trickst, werden Unternehmen in der Regel nicht in die Hand bekommen. Doch es gibt Signale, die misstrauisch machen sollten, sagt Bankkritiker Hans-Georg Möntmann:

Schneller Startschuss: #132;"Wenn die Hausbank rät, schon mal zu investieren, obwohl der Antrag bei der Kfw noch nicht gestellt wurde, dann ist das förderschädlich." #147; Da es solche Ansagen nur selten schriftlich gebe, sollte man sich bei seinem Banker schriftlich für diese Empfehlung bedanken #150; zur eigenen Absicherung.

Großzügige Kreditvergabe: Wer noch auf die Zusage des Förderkredits wartet und stattdessen erst einmal von der Hausbank einen größeren Kontokorrentkredit ohne Sicherheiten bekommt, darf zumindest vermuten, dass der Förderkredit schon bewilligt wurde. " #132;Sachlich ist das zwar nicht richtig, aber es gibt Banker, die denken, sie hätten durch die Förderzusage ja schon eine Art Sicherheit." #147;

Faule Ausreden: Die Bearbeitung bei der KfW dauert in der Regel zwei Wochen. Alles andere sind interne Prozesse der Hausbank und ihres Zentralinstituts, die weitgehend elektronisch dokumentiert werden. Daher sollte der Banker jederzeit in der Lage sein, den Stand abzurufen, statt alles auf die KfW zu schieben.

Nachfragen: Die KfW sieht es zwar nicht gern, doch Unternehmen können dort ganz naiv nach dem Stand der Dinge fragen. Risiko: Wenn die KfW bei der Hausbank nachfragt, weiß die natürlich, dass der Unternehmer misstrauisch geworden ist.

Nicht immer liegt es an der Bank, wenn es so lange dauert. Die Gründe erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Auch wenn bei einem Förderantrag alles glatt läuft, kann es Monate dauern, bis das Geld auf dem Konto liegt.

Woran das liegt, erläutert Peter Burgwinkel, Abteilungsdirektor für Unternehmerkredite bei der KfW: #132;"Die Bearbeitungszeit in unserem Haus hängt vom jeweils beantragten Programm ab. Im Schnitt benötigen wir zehn Bankarbeitstage #147;" - #150; vorausgesetzt, das Unternehmen erfülle die Förderkriterien und alle erforderlichen Antragsunterlagen lägen der KfW vor.

Doch der Weg zum Geld ist wesentlich länger. Direkte Kontakte zur KfW haben Unternehmer nicht. Die KfW sei an das Durchleistungsprinzip gebunden: Die Hausbanken sind die Mittler und Vertragspartner. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind zudem deren Zentralinstitute zwischengeschaltet.

Das bedeutet: Vertragspartner des Kunden ist die Hausbank, deren Partner ist das Zentralinstitut und das schließt wiederum den Vertrag mit der KfW. Diesen Weg muss zunächst der Förderantrag passieren, wobei es auf jeder Stufe passieren könne, dass Informationen nachgefordert werden oder der Antrag abgelehnt wird.

Der Bescheid der KfW #150; Zusage oder Ablehnung #150; nimmt diesen Weg dann in der entgegengesetzten Richtung. Und erst, wenn der Kunde schließlich den Kreditantrag unterschrieben hat, könnte die Hausbank das Geld abrufen #150; beim Zentralinstitut natürlich, das sich wiederum an die KfW wendet.

Allerdings zahlt die KfW " #132;nur zweckgebunden #147;" aus, sagt Burgwinkel. Ein Unternehmer bekommt also keine frei verfügbaren Mittel. Vielmehr müsse er Rechnungen vorlegen oder zumindest Liefer- und Zahlungstermin so frühzeitig bei seiner Bank ankündigen, dass sie das Geld rechtzeitig abrufen kann #150; natürlich wieder über das Zentralinstitut.

Wie Sie der Hausbank bei Verzögerungen druck machen, lesen Sie auf der folgenden Seite.

Nicht immer liegt es an der Bank, wenn der KfW-Antrag länger dauert. So machen Sie Tempo!

Eine schnelle Bearbeitung des Förderantrags setze voraus, dass sich das Unternehmen gut vorbereitet, sagt Fördermittelberaterin Susananne Niebuhr von der Consedo Consulting GmbH in Hamburg: Kreditwürdigkeit und ein schlüssiges Konzept seien unverzichtbar: #132;"Aber man sollte nicht seinen internen Businessplan vorlegen, sondern einen Bankplan." #147; Der Bankplan zeichne sich dadurch aus, dass er an den Interessen und der Sprache der Banker ausgerichtet sei. #132; "Das ist besonders bei technischen Innovationen wichtig #147;", betont Niebuhr.

Zum anderen sollte der Unternehmer darauf achten, wie er seine potenziellen Risiken darstellt. " #132;Banker sehen schon so genug Risiken, da muss man sie nicht noch bestärken." #147; Das bedeute nicht, Risiken zu unterschlagen: " #132;Aber wenn jemand zum Beispiel nur drei große Kunden hat, sehen Banken das als großes Risiko an, denn es könnte ja einer ausfallen. Dann ist es wichtig, für diese Kunden Nachweise für deren Bonität zu erbringen. #147;"

Und wenn die Bank dennoch nicht mitspielt? Dann könne ein Versuch bei anderen Kreditinstituten sinnvoll sein, sagt Niebuhr. #132;"Das klappt häufiger." #147; Wichtig sei es nur, gute Argumente für den Wechsel parat zu haben. #132;"Und am besten ist es, wenn man zu der anderen Bank schon eine Verbindung hat und sie nicht erst frisch aufbauen muss. #147;"

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