Wenn die innere Uhr anders als die äußere tickt, haben viele Menschen ein Problem.
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Gegen die innere Uhr arbeiten?

Biorhythmus vs. Arbeitszeit: So bleiben Sie produktiv im Job!

Jeder Mensch hat Phasen, in denen er besonders fit ist. Doch die tägliche Arbeitszeit passt oft nicht zu diesem persönlichen Biorhythmus. Was können Sie tun?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Der Biorhythmus ist angeboren. Eine weitere Rolle spielt das Lebensalter.
  • Man unterscheidet „Lerchen“, die früh munter sind, und „Eulen“, die gern lange schlafen und abends zu Hochtouren auflaufen.
  • Im Handwerk ist meistens frühes Aufstehen angesagt. Deshalb sind „Eulen“ zur normalen Arbeitszeit nicht in Bestform.
  • Als Firmenchef sollten Sie darauf achten, dass Ihre Mitarbeiter und Sie selbst mit voller Kraft arbeiten können.
  • Flexiblere Arbeitszeiten und die Möglichkeit eines Mittagsschläfchens bei der Arbeit können Wunder wirken.
  • Wenn eine „Lerche“ immer spät abends arbeiten muss, hilft ein besonderes Licht.

Feste Arbeitszeiten bereiten all denen Probleme, die einen anderen Biorhythmus haben: Die meisten Handwerksberufe fordern frühes Aufstehen. Und zu der Zeit, wo manch anderer noch einen halben Arbeitstag vor sich hat, ist Feierabend. Schlafforscher und Fachbuchautor Hans-Günter Weeß und Gesundheits-Coach Daniela Schumacher geben Tipps, wie Sie für einen Ausgleich sorgen und Ihre Gesundheit schonen.

Fakten: Ob Sie „Lerche“ oder „Eule“ sind, ist angeboren

Forschungen haben ergeben, dass die meisten Menschen am liebsten zwischen 22:30 und 2:00 Uhr schlafen gehen und morgens zwischen 8:00 und 9:30 Uhr aufstehen würden.

Der Versuch, mit Selbstdisziplin oder Zwang gegen das natürliche Schlaf- und Wachbedürfnis vorzugehen, ist sinnlos. Der promovierte Diplom-Psychologe Hans-Günter Weeß: „Der Biorhythmus ist genetisch bedingt. Es ist festgelegt, ob Sie eine Frühaufsteher-Lerche oder eine Nachteule sind.“

Er fügt hinzu: „Für die Lerche beginnt der Tag um 5 Uhr. Das ist für die Eule noch mitten in der Nacht.“ Denn der „Nachtvogel“ wird genau dann munter, wenn die „Lerche“ in die Müdigkeits-Phase eintritt. Der intensive Wunsch vieler Berufstätiger, am Wochenende „endlich mal auszuschlafen“, zeigt bereits, dass der Zwang zum frühen Aufstehen oder zum langen Wachbleiben keine wirkliche Veränderung herbeiführt. Doch für eine optimale Arbeits- und Erholungsplanung müssen Sie wissen, ob Sie „Lerche“ oder „Eule“ sind.

Haben Sie Zweifel, können Sie Ihren Biorhythmus im Urlaub herausfinden. Daniela Schumacher: „Verzichten Sie auf den Wecker und folgen Sie einfach nur Ihrem natürlichen Schlafbedürfnis.“ Eine Richtschnur dafür ist auch das Tageslicht. Nach kurzer Zeit zeigt sich, wie Ihr natürlicher Biorhythmus ist. Sie weist darauf hin, dass auch das Lebensalter einen Einfluss hat: „Jugendliche sind grundsätzlich Eulen. Später kann sich das noch ändern.“

Risiko: Ständiger Schlafmangel macht Ihre Mitarbeiter schlapp

Wer dauerhaft durch vorgegebene Arbeitszeiten gegen seine eigene Veranlagung handeln muss, riskiert Gesundheitsschäden. Der Schlafforscher zieht zur Verdeutlichung das Bild eines Haushaltsgeräts heran. „Wenn Sie eine Waschmaschine immer wieder mitten im laufenden Programm ausschalten und die Tür öffnen, geht sie kaputt.“ Der Schlaf ist ein hochaktiver biologischer Reparaturprozess. Wird dieser immer abgekürzt, kann keine Erholung erfolgen.

Weeß weist auf einen wichtigen betriebswirtschaftlichen Aspekt des Biorhythmus-Problems hin: „Wenn Sie als Firmenchef in Ihrem Team Eulen haben, bringen die morgens nicht dieselbe Leistung wie ihre Lerchen-Kollegen.“ Sie sind lahm und werden erst dann munter, wenn schon fast wieder Feierabend ist. Der promovierte Diplom-Psychologe ist der Meinung, dass Betriebsinhaber sich besser auf die Ruhe- und Aktivitäts-Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einstellen sollten.

Tipps für „Eulen“: flexible Arbeitszeiten und ein Schläfchen!

Die in unserer Gesellschaft verbreitete Wertvorstellung „Morgenstund hat Gold im Mund“ gilt nur für Lerchen. „In anderen Ländern sieht man den Arbeitsbeginn und die Pausenzeiten wesentlich lockerer“, sagt Weeß. Er bedauert, dass insbesondere im Handwerk ein enorm früher Arbeitsbeginn verbreitet ist. „Darüber ärgert sich auch mancher Eulen-Kunde“, gibt er zu bedenken.

Der Forscher empfiehlt den Inhabern von Handwerksbetrieben ein Umdenken. „In vielen Firmen gehören flexible Arbeitszeiten zum Standard. Es hängt natürlich von Ihrem Gewerk und den Rahmenbedingungen ab, ob Sie die Tradition zumindest an einigen Stellen aufweichen können.“ Vielleicht ist es ja möglich, den Mitarbeitern zumindest an bestimmten Tagen mehr Freiheit bei der zeitlichen Planung des Arbeitstages einzuräumen.

Obwohl sie hierzulande verpönt sind, rät Weeß auch zum Nickerchen. Dabei reiche ein mittäglicher Kurzschlaf von 10 bis 20 Minuten aus, um einen Müden wieder munter zu machen. Von längeren Schlafenszeiten rät Weeß hingegen dringend ab. „Wer anderthalb Stunden schläft, kommt dadurch in eine andere Schlaf-Phase. Klingelt der Wecker, ist er müder als vorher.“ Je nach Gegebenheiten vor Ort könnte in einem lärmgeschützten Bereich eine Liege aufgestellt werden.

Tipp für Lerchen: Durch „Tageslicht-Duschen“ länger aktiv bleiben

Das Tageslicht spielt eine bedeutende Rolle beim Eintritt von Müdigkeit, sagt Gesundheits-Coach Daniela Schumacher. Müden „Lerchen“ hilft entsprechende Beleuchtung. Schumacher: „Durch Tageslicht werden wir aktiv und wach, denn die Augen haben eine Direktverbindung ins Gehirn. Es könnte also nützlich sein, Arbeitsplätze am Abend durch Vollspektrum-Lampen zu beleuchten. Diese haben ähnliche Farbfrequenzen wie Tageslicht.“

Risiko für alle: Blaues Licht vor dem Schlafengehen!

Zu viel blaues Licht am späten Nachmittag und Abend kann einen wohltuenden Schlaf verhindern. Es unterbindet die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. In Bildschirmen ist ein hoher Blaulicht-Anteil. Aus diesem Grund sind laut Schumacher viele Leute aufgedreht, wenn sie lange arbeiten oder Filme schauen.

Gerade bei großer Übermüdung ist es wichtig, rechtzeitig herunterzufahren. Schumacher weist auf besondere Brillen hin, die abends getragen werden können. „sie haben einen Blaulicht-Filter. Dann können Sie Fernsehen schauen oder am Bildschirm arbeiten und werden trotzdem müde.“

Früh ins Bett zu gehen und gesund zu leben, bringt Erleichterung

Wenig spektakulär und dennoch wirksam ist die Empfehlung des Schlafforschers, auf eine gesunde Lebensweise zu achten. „Abends sollten Sie nur noch leichte Speisen mit wenig Kohlenhydraten essen.“ Er rät dazu, die letzte Mahlzeit mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden zum Schlafengehen einzunehmen. „Sonst haben Sie ein Völlegefühl und Magendruck. Damit kann kaum jemand gut schlafen.“

Auch von Alkoholgenuss rät er ab. Wer Mehrprozentiges trinkt, in der Annahme, dadurch besser zu schlafen, ist auf dem Holzweg. „Alkohol verhindert die Tiefschlafphase. Sie kommen ins Schwitzen, werden unruhig oder wachen mitten in der Nacht auf.“ Auch Nachdurst oder Harndrang nach großen Mengen Wein, Schnaps oder Bier können zur Schlaf-Unterbrechung führen.

Ergänzend zum Alkoholverzicht nennt der Psychologe den Faktor regelmäßiger körperlicher Bewegung. „Wählen Sie eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Dann sind Sie richtig müde und können zeitig ins Bett gehen – auch als Eule, die am nächsten Tag wieder früh aus den Federn klettern muss.“

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