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Das Papageien-Prinzip

Einer sagt was, alle plappern’s nach. Die negative Pfusch-Bilanz der Dekra sorgt weiter für Ärger im Bauhandwerk.

Einer sagt was, alle plapperns nach. Die negative Pfusch-Bilanz der Dekra sorgt weiter für Ärger im Bauhandwerk.

Glaubt man der Dekra, ist die Situation übel. Richtig übel. Im Vergleich der Jahre 2003 und 2007 sei die durchschnittliche Zahl der Mängel auf deutschen Baustellen um mehr als hundert Prozent gestiegen. Deutschlands Medien sind sich (fast) einig: Pfusch am Bau nimmt dramatisch zu. So steht es in der Pressemitteilung der Dekra, und renommierte Tageszeitungen wie die Welt haben die Schlagzeile exakt übernommen.

Dr. Karl Robl betrachtet die medienwirksame Horror-Bilanz kritischer: Diese Studie ist eindeutig interessengeleitet. Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes sieht im Bauschadenbericht der Dekra eine getarnte PR für die eigene Leistung. Schließlich sei das Geschäftsfeld der Herausgeberin der Studie der Dekra Real Estate Expertise allein die Qualitätskontrolle im Bausektor.

Das Fazit aus dem Vorwort der Studie ist in diesem Zusammenhang interessant: Die Vorteile eines baubegleitenden Qualitätscontrollings von Immobilien liegen auf der Hand. Die Kosten sind gering und stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen finanziellen Folgeschäden.

Mit der Studie will die Dekra ihre Geschäftsfähigkeit fördern, indem sie bei den Bauherren Stimmung macht, lautet Robls Kommentar. Er unterstellt der Untersuchung gravierende methodische Fehler. Die sieht er vor allem in der Zahl und der Auswahl der Zertifizierungsaufträge, die von den Dekra-Statistikern ausgewertet worden sind: nämlich 50.

Kann man daraus eine repräsentative Studie ableiten? Wir haben im Vergleichszeitraum fast 900 Gebäude intensiv geprüft. Und aus dieser Gruppe der 900 haben wir eine Stichprobe gebildet. Das ist eine Größenordnung, die man auch bei Meinungsumfragen gerne verwendet, antwortet Pascal Klein. Bei Dekra Real Estate Expertise ist er für das Prüfwesen zuständig. Jede Studie habe eine gewisse Genauigkeit, und die Nachkommastellen würde auch er nicht bewerten wollen: Aber die Größenordnung halte ich für absolut zutreffend.

Es sei schlicht abenteuerlich, auf dieser Datenbasis Rückschlüsse auf die Gesamtheit aller neuerstellten Wohngebäude im Jahre 2007 zu ziehen, entgegnet Robl. Wir reden immerhin über knapp 200.000 Wohneinheiten in Deutschland, davon allein 140.000 Einfamilienhäuser. Die Hochrechnung sei schon deshalb nicht zulässig, weil die Strukturdaten fehlen. Wie hoch ist der Anteil der Bauträger? Kamen regionale Fachhandwerker zum Einsatz? Wie lang sind die Subunternehmerketten? Wenn da ein echter Statistiker rangeht, der zerreißt das bis in die letzte Zeile.

Welches Fazit des Bauschadenberichts ist aus Robls Sicht zulässig? In den fünfzig untersuchten Fällen ist eine bestimmte Anzahl an Mängeln aufgetreten das wars dann auch schon. Und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: Die Qualitätskontrolleure, die von der Dekra beauftragt werden, leben ja davon, dass sie Fehler nachweisen. Wenn die immer sagen würden, dass alles in Ordnung ist, können sie auf Dauer nicht nachweisen, dass sich ihr Einsatz gelohnt hat.

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