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Betriebsübergabe im Handwerk

Das Rezept für die Nachfolge

Wie können Handwerker ihre Kinder für die Betriebsnachfolge begeistern? Ein künftiger Chef verrät die Zutaten. Eine davon: Freiraum lassen! Was dabei herauskommt, lesen Sie im Interview.

Das Rezept für die Nachfolge -
Bilderbox/Jahn

Christian Deicke (35) wird in weniger als vier Jahren den Bäckereibetrieb seiner Eltern mit 95 Mitarbeitern und 12 Filialen übernehmen. Warum er sich dafür entschieden hat, verrät der Bäckermeister aus Marklohe im handwerk.com-Interview.

handwerk.com: Welche Rolle hat Ihre Familie bei der Entscheidung für die Betriebsnachfolge gespielt?
Christian Deicke: Keine große Rolle. Ich bin zwar schon als Kind viel im Betrieb umhergelaufen, habe aber nie von meinen Eltern gehört: „Komm mal her, ich zeig’ dir mal, wie dies oder das geht.“ Ich denke, dass mich das positiv beeinflusst hat. Ich war immer frei in meiner Entscheidung.

handwerk.com: Hat Ihr Vater Sie wirklich nie darum gebeten, in seine Fußstapfen zu treten?
Deicke: Nein, nie. Er hat mir immer freie Hand gelassen bei meinen Entscheidungen und mich zu keiner Zeit unter Druck gesetzt. Das muss ich ihm hoch anrechnen. Und das ist, glaube ich, der entscheidende Grund, weshalb ich gern die Nachfolge antrete.

Das Rezept für die Nachfolge: Wie Chefs Ihre Kinder wirklich überzeugen, lesen Sie auf Seite 2.

Zutaten für das Nachfolge-Rezept

handwerk.com: Was können Sie anderen Betriebsinhabern sagen, wie können Sie es schaffen, Ihre Kinder für die Nachfolge zu begeistern?
Deicke: Lasst den Kindern freie Hand! Mein Vater hat mich von Anfang an in wichtige Prozesse eingebunden – was zum Beispiel Investitionen oder Ausrichtungen der Firma angeht. Als ich als Meister in die Firma kam, durfte ich vom ersten Tag an eigene Entscheidungen fällen. Auch wenn Sie nicht nach dem Geschmack meines Vaters waren, er hat mich machen lassen. Das war gut, denn nur so konnte ich aus Fehlern lernen.

handwerk.com: Fühlen Sie sich gewappnet, für das, was in einigen Jahren auf Sie zukommt?
Deicke: Ich denke schon. Denn durch meine Ausbildung und Arbeitserfahrung in mehr als fünf anderen Bäckereien habe ich viel gelernt und mitgenommen. Das würde ich übrigens auch allen Nachfolgern empfehlen: Sammelt Erfahrungen! Da unser Betrieb gut gerüstet ist, sehe ich der Aufgabe mit Freude entgegen. Und mein Vater wird mir weiterhin als Experte für Fragen zur Verfügung stehen.

Aus welchen Gründen Deicke noch in die Fußstapfen seiners Vaters tritt, lesen Sie auf Seite 3.

Das Beste am Chef-Sein: Freie Bahn für Entscheidungen

handwerk.com: Wann haben Sie sich entschieden, dass Sie den Betrieb übernehmen wollen?
Deicke: Eigentlich erst, als sich nach der 10. Klasse die Frage stellte, was ich beruflich machen will. Schulpraktika habe ich immer in anderen Bereichen gemacht. Doch nach der Schule wollte ich erstmal eine Bäckerlehre machen. Und dann war mir klar, dass, wenn ich schon den Beruf lerne, ich später auch in den Betrieb einsteigen will.

handwerk.com: Was fasziniert Sie am Handwerk?
Deicke: Ich kann mich jeden Tag selbst einbringen und neue Produkte kreieren. Im Bäckerhandwerk speziell haben wir es mit lebendigen Rohstoffen zu tun, das ist spannend. Und der Kontakt zu Menschen reizt mich, auch wenn ich selbst nicht im Verkauf arbeite.

handwerk.com: Wie stehen Sie zu den Arbeitszeiten der Bäcker?
Deicke: Die haben mich noch nie gestört. Ich musste als Jugendlicher zwar Freitagabend auf Parties verzichten. Aber auch daran habe ich mich schnell gewöhnt. Heute ist es ein bisschen anders: Da schaue ich schon, dass meine Familie nicht zu kurz kommt – auch wenn das nicht immer leicht ist.

handwerk.com: Sie arbeiten nun schon einige Jahre als Geschäftsführer im Betrieb mit. Was schätzen Sie besonders an der Selbstständigkeit? Deicke: Freie Bahn für Entscheidungen zu haben. Ich kann meine Ideen umsetzen, damit viel bewegen und bekomme auch eine direkte Rückmeldung, ob die Entscheidungen gefruchtet haben.

Das Gespräch führte Martina Jahn.


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