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Weltrekord aus Holz

Der Bierkoloss: 6 Meter Edelpils!

Auf einem Klostergut bei Goslar steht eine rekordverdächtige Bierflasche. Sie ist der Stolz von Tischlermeister Jörg Schnevoigt und soll jetzt international bekannt werden.

Guinnessverdächtige Rekordbuddel  - Mit knapp sechs Metern ist diese hölzerne Bier­flasche die wohl größte der Welt. Der Eintrag ins Guinness Buch ist beantragt.
Mit knapp sechs Metern ist diese hölzerne Bier­flasche die wohl größte der Welt. Der Eintrag ins Guinness Buch ist beantragt.
Foto: Denny Gille

Eine Bierflasche auf einem Volksfest – das ist auf den ersten Blick so einzigartig wie Mörtel in einer Mauer. Doch der Seltenheitswert eines solchen Gefäßes durststillender Brauereikunst steigt dramatisch, wenn es an die Höhe eines Einfamilienhauses heranreicht. Im niedersächsischen Harz steht zwischen den alten Gemäuern des Klostergutes Wöltingerode so eine Flasche; Marke Altenauer Edelpils. Sie misst vom Boden bis zum Kronkorken 5,95 Meter. Damit ist sie wohl so hoch wie keine andere auf der Welt.

Tischlermeister Jörg Schnevoigt hat weder Kosten noch Mühen gescheut und die Flasche von einem Notar ausmessen und ihre Höhe bestätigen lassen. Ein zweiter Notar hat schließlich noch einen englischsprachigen Anmeldetext aufgesetzt, dann ging das Schriftstück nach England. Schließlich soll die hölzerne Rekordbuddel weltbekannt werden. Sie soll ins Guinness Buch der Rekorde – das klingt ein bisschen wie die Firmenchronik einer irischen Brauerei, ist mit über 150 Millionen Stück Gesamtauflage aber eine der weltweit meistverkauften Buchreihen.

Flaschenvater  - Tischlermeister Jörg Schnevoigt
Tischlermeister Jörg Schnevoigt
Foto: Denny Gille
Das Kloster der Weltrekorde

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, eine derart große Bierflasche zu bauen? „Da kam eines zum andern“, sagt ihr Schöpfer Jörg Schnevoigt: Jedes Jahr lockt das Volksfest „Wölti unter Dampf“ 20 000 Besucher auf das Klostergut bei Goslar. Einige Vereine fördern die Veranstaltung als Interessengemeinschaft. Und jedes Jahr denkt sich ein Verein einen Hingucker zum Fest aus.

Jetzt war Schnevoigts Verein zur Erhaltung historischer Feuerwehrfahrzeuge an der Reihe. Eine Idee musste her. Die entstand im Dunst der Historie der Volksfestattraktionen: Denn Wöltingerode ist bekannt für seine alkoholschwangeren Weltrekordversuche. 1999 schaffte es das Klostergut mit der größten Lokalrunde erstmals ins Guinness Buch. Damals prosteten sich zeitgleich 3840 Besucher zu. 2009 gab es die weltlängste Likörtheke mit 333 Metern Länge. Angesichts dieser Geschichte und dem Umstand, dass das Klostergut seinem Altenauer Bier gerade eine neue Brauerei spendiert hat, kam Schnevoigts Idee fast zwangsläufig: „Bauen wir mal eine große Bierflasche.“ Jetzt fehlte nur noch ein Plan, wie das konstruktiv umgesetzt werden kann.

Seite 2: Drei Ebenen für eine Flasche. So wird's gebaut.

Schiffbautechnik hilft
Täuschend echt - „Es war nie geplant gewesen, dass sie so schön wird
„Es war nie geplant gewesen, dass sie so schön wird", sagt Schnevoigt.
Foto: Denny Gille

Um den Bau zu vereinfachen, hat der 52-Jährige die Flasche konstruktiv in drei Ebenen unterteilt. Die untere zylindrische Ebene besteht aus einer einfachen Spanplattenbauweise. „Knifflig war Ebene zwei: der Flaschenhals“, sagt Schnevoigt. Denn hier kommt zusätzlich zur runden Flaschenform noch die Verjüngung der Struktur Richtung Ausguss.

Rohbau  - Der Flaschenhals entstand in Spanten-bauweise. Aus Vollholz ist das Mundstück.
Der Flaschenhals entstand in Spanten-bauweise. Aus Vollholz ist das Mundstück.
Foto: Tischlerei Schnevoigt

Die sogenannte Spantenbauweise sollte dieses Problem lösen. Sie wird beispielsweise beim Bau von Schiffsrümpfen oder hölzernen Kuppeln eingesetzt. Um die Form des Flaschenhalses zu erlangen, werden die vorgebogenen Holzspanten ringförmig nebeneinander angeordnet – so ähnlich wie bei einem Holzfaß, aber mit großzügigen Hohlräumen zwischen den Spanten.

Aus diesem Skelett musste nun noch eine einheitliche Fläche werden. Dazu wurden die Hohlräume kurzerhand mit Hartschaum verfüllt. Dann kam die CNC-Fräse zum Einsatz, um die Konstruktion gleichmäßig auf beiden Rundungsebenen auf Maß zu bringen. Auf dieser Konstruktion sitzt die letzte Ebene: Das Mundstück bildet ein gedrechselter Holzring.

Im Spätsommer hat Schnevoigt die Arbeiten am Rohbau mit zwei seiner Gesellen abgeschlossen. Das Klostergut Wöltingerode hat sich um Anstrich und Beklebung gekümmert.

Das Beste: Die Flasche löscht sogar Durst. Wie? Das lesen Sie auf der letzten Seite.

Ein echter Durstlöscher
Voller Biergenuss - Dank kleiner Theke im Flascheninneren.
Dank kleiner Theke im Flascheninneren.
Foto: Klostergut Wöltingerode

Wie eine herkömmliche Glasflasche funktioniert das hölzerne Gebilde natürlich nicht. Den Durst der Besucher löscht es trotzdem: Etwa auf Hüfthöhe hat Schnevoigt eine hölzerne Tür eingebaut. Dahinter verbirgt sich eine kleine Bierschänke mit Platz für den Wirt samt Zapfanlage.

Eigentlich sollte die Flasche nur zwei Tage stehen und dann wieder demontiert werden. Doch nun ziert sie das Klostergut noch bis Anfang Dezember – unter leichtem Zähneknirschen des Tischlermeisters, der sie für so eine lange Standzeit lieber aus Vollholz statt mit Spanplatten gebaut hätte. Dabei ist Schnevoigt nicht ganz unschuldig am verlängerten Ausstellungsleben der Flasche: „Es war eben nie geplant gewesen, dass sie so schön wird“, scherzt er.

Sollte der Verlag des Guinness Buchs den Weltrekord der Altenauer Monsterbuddel bestätigen, darf Schnevoigt damit rechnen, dass seine Tischlerei noch an Bekanntheit unter potenziellen Kunden gewinnt. Er und die Betreiber des Klosterguts sind jedenfalls fast sicher, dass da nichts mehr schiefgehen kann. Anfang 2015 erwarten sie Rückmeldung aus England.

Ungewiss bleibt auch, was ab Dezember mit der Riesenbierflasche passieren soll. Vielleicht wird sie nur in einer Scheune eingelagert oder ein Landwirt stellt sie auf sein Gut. So ein riesiges Altenauer Pils mitten auf einer Weide im Harz wäre doch ein charmanter Willkommensgruß für Harztouristen.

(deg)

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