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Ein gemeinsames Büro im Internet

Ein gemeinsames Büro im Internet

Kooperieren, das wollen heute viele Handwerksbetriebe. Endlich gemeinsam an einem Strang ziehen, an dem dann der ganz große Auftrag baumelt. Um Aufträge effizient und kostengünstig abzuwickeln, können sich Handwerkskooperationen im Internet einen virtuellen Projektraum anmieten.

Kooperieren, das wollen heute viele Handwerksbetriebe. Endlich gemeinsam an einem Strang ziehen, an dem dann der ganz große Auftrag baumelt, der erste von vielen. Doch gerade im Bausektor sind solche Projekte mit einer Fülle von Planungs- und Koordinationsaufgaben verbunden: Die Partner müssen sich gegenseitig informieren, Termine abstimmen und zahllose Dokumente austauschen. Um nicht im Chaos zu versinken, suchen viele Baukooperationen nach einer geeigneten Softwarelösung, die ihnen das vernetzte Arbeiten ermöglicht.

Zwei Alternativen stehen dabei zur Auswahl: Sie können sich entweder eine maßgeschneiderte Lösung kaufen oder die Dienste eines sogenannten e-process-providers in Anspruch nehmen, der die Software über das Internet an sie vermietet.

Handwerkskooperationen als Kunden

Zu den Anbietern von internetbasierter Projektmanagement-Software für den Baubereich gehört unter anderem die Conject AG mit Hauptsitz in München. Unter der Adresse www.conject.com können sich Baubetriebe in virtuelle Projekträume einmieten und dort ihren Geschäften nachgehen. "Wir bieten Internet-Lösungen an, die ohne größere Investitionen jederzeit anwendbar sind", sagt Vorstandsmitglied Philip von Ditfurth. Neben Generalunternehmern habe er bereits einige Handwerkskooperationen auf der Kundenliste, betont der Manager. Die Tendenz sei steigend.

Im virtuellen Projektraum wird Ditfurth zufolge nach festen Regeln gehandelt: Einer aus der Gruppe wird zum Initiator bestimmt. Er leitet das Projekt und läßt andere Teilnehmer zu, die mit unterschiedlichen Rechten ausgestattet sein können. Die Teammitglieder kommunizieren über ein geschlossenes Mailsystem miteinander.

Offenes System für alle Betriebe

Sie können im Projektraum gemeinsam Ausschreibungen einsehen oder elektronische Angebote abgeben, und sie verwalten dort zum Beispiel ihre Terminpläne, Protokolle, Leistungsverzeichnisse, Produktbeschreibungen und CAD-Pläne. "Wir bieten ein offenes System an, alle Betriebe können mit ihrer bisherigen Software arbeiten", hebt Ditfurth hervor. Für jeden Kunden, der einen Internetanschluss hat, sei die Plattform daher "auf Knopfdruck" betriebsbereit.

Lieferanten fehlt manchmal der Durchblick

Karl E. Beucke, Professor für Informatik im Bauwesen an der Universität Weimar, hält die Projektabwicklung über das Internet schon aus Kostengründen für eine Alternative. Er weist aber auch auf Schwachstellen der Mietangebote hin: "Die Lieferanten dieser Technologien können die Prozesse in mittelständischen Unternehmen oft gar nicht so genau abbilden, weil die Betriebe selbst das noch nicht durchdacht haben", erläutert der Wissenschaftler. Was daher häufig fehle, seien Workflow-Lösungen, die ineinander greifende Arbeitsschritte technisch miteinander verzahnen. Die Firma conject verweist in diesem Zusammenhang auf den hauseigenen Kundenbeirat, der ihr dabei helfen soll, die Systeme weiter auszufeilen.

Gewünscht sei zum Beispiel die Einführung von mobilen Erfassungsgeräten und Kameras für die Baustelle, so Philip von Ditfurth. Und sein Konkurrent Thomas Bachmaier, Geschäftsführer der Anfang März an den Start gegangenen Plattform baulogis.com, will neben einem Standardprodukt auch spezielle Konfigurationen des Projektmanagement-Moduls anbieten, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Teams zugeschnitten sind. Auch die baulogis-Betreiber haben handwerkliche Kooperationen als Zielgruppe für sich entdeckt, obwohl die Plattform nicht neutral ist: Sie wird von der Deutschen Telekom gemeinsam mit der Walter Holding AG betrieben, deren Einzelfirmen als Generalunternehmer agieren.

Trotz aller Kritik, Professor Beucke glaubt fest an die Zukunft der Application Service Provider, die Bausoftware auf Mietbasis bereitstellen. "Ich bin sicher, dass sich diese Systeme etablieren und zu Umwälzungen führen werden wie kaum eine andere Technologie im Baubereich in den letzten Jahren." Sein Tipp: "Bescheiden anfangen, nicht zu viel Geld in die Hand nehmen und Erfahrungen sammeln."

(afu)

Anbieter virtueller Büros

www.aeccom.com

www.baulogis.com

www.buildOnline.com

www.conject.com

www.conetics.com

www.congate.com

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Ob als zentraler Datenpool, Kommunikations- oder Managementplattform – ein virtuelles Büro kann bei der Abwicklung von Bauprojekten wertvolle Dienste leisten.

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Service und Informationen

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Weiterführende Links rund um das Thema Kooperationen.

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