Weniger Fokus auf den Beschlag, mehr darauf, was man mit ihm machen kann. Hettich denkt in Möbelwelten und will auch Trendscout für Handwerker sein.
Foto: Grafik: Hettich
Weniger Fokus auf den Beschlag, mehr darauf, was man mit ihm machen kann. Hettich denkt in Möbelwelten und will auch Trendscout für Handwerker sein.

Inhaltsverzeichnis

Holzhelden

„Möbel werden interaktiv, auch im virtuellen Raum“

Ist die Zeit reif für interaktive Planung? Und drucken Handwerker der Zukunft ihre Ersatzteile selbst? So sieht Hettich die Zukunft von Tischlern und Schreinern.

Tischlermeister Sven Müller leitet den Bereich eMarketing bei Hettich, die das digitale Gesicht des Beschlagherstellers ist. Ziel seiner Abteilung ist es, das Leben der Handwerker mit den passenden digitalen Angeboten leichter zu machen. Müller sieht in wachsenden Kundenansprüchen, schwindenden Fachkräften und dem allgegenwärtigen Drang zu Digitalisierung und Effizienz die großen Herausforderungen des Holzhandwerks.

Welche Themen werden Tischler und Schreiner in den nächsten Jahren beschäftigen?

Müller: Ich denke der Fachkräftemangel ist die größte Herausforderung. Und daneben die Digitalisierung. Gleichzeitig glaube ich, dass Digitalisierung helfen kann, dem Fachkräftemangel ein Stück entgegenzuwirken. Zum Beispiel, weil sie geringer qualifizierten Mitarbeitern erleichtert, einen guten, fehlerfreien Job zu machen. Barcodes auf den Platten, Positionierlaser, die bei der Werkstückpositionierung helfen – diese Dinge erleichtern die Arbeit in der Werkstatt. Gleichzeitig erfordert die Technik Fachwissen, wodurch man auch ein paar richtig gute Leute im Unternehmen braucht.

Einsparungen durch CAD-Daten

Was bedeutet das für die Entwicklung der Handwerksunternehmen?

Müller: In der Arbeitsvorbereitung liegt das Einsparpotenzial für die Fertigung. Das haben viele erkannt. Und hier setzen auch wir an, um den Tischlern und Schreinern Zeit zu sparen. Die CAD-Daten zu unseren Produkten sind da ein Schwerpunkt unseres Digitalangebots. Das wird viel genutzt, weil nicht jeder Händler stets alle Daten aktuell oder in jedem gewünschten Format vorliegen hat. Wir hingegen schon. Seit diesem Jahr können Kunden Produkte aus unserem E-Shop außerdem über eine Weiterleitung direkt beim Fachhändler bestellen, das soll den Betrieben die Bestellung zusätzlich erleichtern.

Welche Entwicklung sehen Sie bei den CAD-Planungen?

Müller: Die CAD-Systeme werden immer ausgefeilter und das müssen die Daten der Beschlaghersteller natürlich bedienen. Wir liefern die passenden Abhängigkeiten mit, durch die ein Programm automatisch mitteilen kann, dass zum Beispiel ab einer Türhöhe X drei statt zwei Scharniere benötigt werden. Der Trend geht außerdem zu immer detaillierteren Ansichten, um Kunden zu überzeugen. Für die Renderings der Entwürfe bis in die Details braucht es entsprechende Objektdateien, die Hersteller zu ihren Produkten liefern müssen.

Interaktive Animationen schaffen Erwartungen

Wo geht die Entwicklung noch hin?

Müller: Was als nächstes kommen wird, sind Animationen: Wenn Möbel mit Augmented und Virtual Reality präsentiert werden sollen, spielt auch die Kinematik eine Rolle: Da müssen sich Türen virtuell öffnen und Schubkästen herausziehen lassen. Bei einem Eckschrank zum Beispiel ist das nicht nur optisch nett, es vermittelt dem Kunden auch die Funktion der Konstruktion und hilft Kollisionen zu erkennen.

Ist die Zeit für interaktive Animationen im Handwerk schon reif?

Müller: Der Wettbewerb durch Industrieunternehmen, die immer individueller fertigen können, wächst. Küchenplanungsstudios fangen bereits mit virtueller Interaktion an. Das wird Endkunden prägen und es werden Erwartungen an solche Möglichkeiten auch an die modernen Handwerksunternehmen geweckt. Der Vorteil der Tischler und Schreiner im Vergleich zur Industrie bleibt natürlich die sehr individuelle Beratungsleistung.

Sie wollen Partner von Tischlern und Schreinern sein. Wie füllen Sie diese Rolle aus?

Müller: Wir tauschen uns mit den Betrieben aus, um zu erfahren, wo bei ihnen der Schuh drückt. Wir entwickeln unsere digitalen Werkzeuge und Hilfsmittel so, dass für alle Unternehmen das passende dabei ist – egal auf welcher Digitalisierungsstufe sie gerade stehen. Und wir schauen bei unseren Angeboten über den Tellerrand, um Betrieben sinnvolle Unterstützung zu bieten, die über das reine Beschlagthema hinausgeht.

Was sieht so ein typisches Angebot jenseits des Tellerrands aus?

Müller: Wir versuchen uns vom einzelnen Scharnier zu lösen und in Anwendungslösungen zu denken. Dahinter liegen erst die Produkte. So sehen die Betriebe auch Beispiele, welche modernen Anwendungen ein bestimmtes Produkt ermöglichen kann. Online machen wir das mit den Hettich Roominspirations für die Handwerker digital erlebbar: Ausgehend von der Raumnutzung zeigen wir interaktive Möbelwelten von heute und morgen. Das brechen wir runter bis zu den einzelnen Möbelstücken und den dazugehörigen CAD-Daten. Außerdem versuchen wir ein Stück weit Trendscout zu sein: Wir gehen auf die internationalen Messen und schauen uns die Entwicklungen im Möbelmarkt an. Dazu veröffentlichen wir frei zugängliche Trendberichte.

Wo versuchen Sie die Handwerker sonst noch zu unterstützen?

Müller: Wir versuchen für die Betriebe auch Partner zu sein im Bereich Social Media und Webpräsenz. Zum Beispiel geben wir ihnen die Grafiken unserer Wohnwelten und Komponenten, die sie auf ihrer Website nutzen können. Wir stellen ihnen auch Keyword-Listen zur Verfügung, mit denen sie im Sinne ihrer Suchmaschinensichtbarkeit arbeiten können. Und unsere Expertinnen im Social-Media-Bereich helfen gerne mit Tipps für Social-Media-Marketing aus.

Welche Zukunftstechnologien werden Sie und das Holzhandwerk künftig beschäftigen?

Müller: Der 3D-Druck ist sehr spannend und er wird an verschiedenen Stellen bei uns und den Handwerkern wichtiger werden. Wir nutzen die Technologie intern zum Beispiel intensiv für den Prototypen-Bau. Wir geben auch Druckdaten an unsere Kunden raus: zum Beispiel für einfache Bohrlehren, die sie an eigenen 3D-Druckern herstellen können. Ich könnte mir gut vorstellen, dass künftig Ersatzteile nicht mehr durch die Welt geschickt werden müssen, sondern sie regional in 3D-Druck-Zentren gedruckt werden. So wie es inzwischen überall Paketshops gibt, könnte in jedem Industriegebiet ein Hochleistungsdrucker stehen, der mit Materialien wie Kunststoff oder Metall arbeiten kann. Dann bestellt der Handwerker beim Hersteller, der schickt die Daten zum Druck an eine 3D-Druck-Station in der Nähe des Handwerkers und nach kurzer Zeit sind die Teile abholbereit.

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