Hoch hinaus im Transporter: Die 4x4-Variante des Sprinter mit höher gelegtem Fahrwerk ist ideal für unbefestigte Wege.
Foto: Dennis Gauert
Hoch hinaus im Transporter: Die 4x4-Variante des Sprinter mit höher gelegtem Fahrwerk ist ideal für unbefestigte Wege.

Inhaltsverzeichnis

Fahrtest

Mercedes Sprinter 319 CDI 4x4: Einmal hin, alles drin?

Was kann der Mercedes Sprinter als kräftige Allradvariante mit Höherlegung und Automatikgetriebe? Wir haben die Antwort.

Das Einsatzgebiet eines Transporters ist schier unendlich – zumindest dann, wenn man den Katalog von Mercedes-Benz Vans zu Ende studiert hat. Denn den Sprinter gibt es nicht nur mit Front- oder Hinterradantrieb, sondern auch als Allradvariante mit Torque-on-Demand. Wie bestellt für den kommunalen Betrieb oder die Arbeit in der Forstwirtschaft, fährt unser Test-Transporter, ein Sprinter 319 CDI 4x4 mit Pritsche vor. Mit dem bärenstarken OM-654-Turbodiesel, der satte 190 PS auf die Kurbelwelle drückt, ist ein Rundum-Sorglos-Paket für die gröberen Einsatzbereiche geschnürt.

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Pritsche für den großen Geldbeutel

Dass ein solches insbesondere bei Mercedes seinen Preis hat, ist in der Branche kein Geheimnis. Für den sehr gut, aber noch nicht perfekt ausgestatteten 319er mit Pritsche und Allradantrieb verlangen die Schwaben mindestens 59.687 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.). In diesem Preis enthalten sind laut Sprinter-Konfigurator allein 5.113 Euro für den Allradantrieb mit Torque-on-Demand, 2.528 Euro für die Neun-Stufen-Automatik sowie 2.590 Euro für die rückseitige Pritsche mit Alu-Bordwänden. Wer für seinen Sprinter zu guter Letzt noch die halbautomatisch geregelte Klimaanlage möchte, legt allerdings zusätzlich 2.157 Euro drauf – von Komfort-Extras für den Transporter, die sich auf weit über 5.000 Euro summieren, ganz zu schweigen.

Für diese stattlichen Summen findet sich der Fahrer in einem hervorragend ausgestatteten 3,5-Tonner mit 3,67 Metern Radstand wieder. Die Automatik wirft die Fahrstufen wie von Geisterhand ein, der 2,0-Liter-Turbodiesel läuft kultiviert und stellt schon früh sein kräftiges Drehmoment von 450 Newtonmetern bereit. Mit Kardanwelle und Hinterachsdifferential wird der muntere Selbstzünder spielend leicht fertig – ob an der Ampel oder auf der Autobahn. Tempo 100 km/h dürften in gut zehn Sekunden erreicht sein, die Höchstgeschwindigkeit liegt knapp oberhalb der 160 km/h. Die Kombination aus hohem Schwerpunkt und Allradantrieb lässt ihn zudem immer noch etwas stabiler über die Autobahn huschen als seine tiefer liegenden Brüder mit einachsigem Antriebskonzept.

Bequemer Sprinter-Hochsitz mit Komfort

So viel Hochgenuss hat natürlich seine Tücken: Die gefühlt um zehn Zentimeter gestiegene Fahrhöhe (Gesamthöhe 2,44 Meter) treibt dem Fahrer bei mancher Parkplatzdurchfahrt schon Schweiß auf die Stirn und das Aus- und Einsteigen hat insbesondere bei Menschen unter 1,75 m Körpergröße Slapstick-Charakter. Dabei hat Mercedes sogar zwei Haltegriffe in den Einstieg geschraubt, um eben dieses Problem auszugleichen. In der Kabine angekommen, ist dann aber alles wie immer und noch besser: Mit Komfortsitzen inklusive Lordosenstütze sowie einem modernen Dreispeichenlenkrad sind weite Strecken ein Genuss. Um diesen ohne Unterbrechungen erleben zu können, hängt unter unserem Testfahrzeug ein aufpreispflichtiger 93-Liter-Tank (343 Euro), der in der Praxis 800 Kilometer Reichweite ermöglicht. Bei uns schluckte die Offroad-Pritsche im Schnitt 12 Liter Diesel mit 500 Kilogramm Zuladung.

Der Allradantrieb kommt durch

Nun, Kritiker möchten meinen, ein Sprinter mit Allradantrieb sei bloß eine Behelfslösung, da Torque-on-Demand nicht mit einem permanenten Allradler mit sperrbaren Differentialen und Untersetzung vergleichbar ist. Damit liegen sie teilweise richtig, unterschätzen die Fähigkeiten des aktuellen Allradsystems dennoch. Im Test wurde der Sprinter 319 4x4 mit schlammigen, nassen Waldwegen inklusive mit Wasser gefüllter Spurrillen problemlos fertig. Auch mitten im nassen, etwa 15 Zentimeter liefen Schlamm abgestellt, bahnte sich die Pritsche ohne Aufhebens seinen Weg zurück auf den Waldboden. Viel weiter muss der Einsatzbereich eines Transporters freilich nicht gehen. Für die unbefestigten Strecken schicken sich dann entsprechende Pick-ups mit deutlich kleinerer Ladefläche an – allein schon wegen des kleineren Überhangs und der gesteigerten Unterfahrhöhe.

Für das, was eine 3,5-Tonnen-Pritsche im schlimmsten Fall können muss, ist das Allradsystem von Mercedes also gut geeignet und das höhere Fahrwerk garantiert neben interessierten Blicken im Verkehr auch einen breiteren Einsatzbereich auf Baustellen und in der Forstwirtschaft. Lediglich ein Extra hält mit dem Charakter des Sprinter 319 4x4 nicht Stand: Die Staukästen unter der Pritsche (219 Euro). Hier sollten in jedem Fall nur wetterfeste oder wasserdicht verpackte Werkzeuge eingelagert werden, da die praktischen Kästen zwar Spritzwasser zurückhalten, aber eben nicht richtig wasserdicht sind. Bereits bei der Autowäsche konnten hier Wassertropfen eindringen.

Mercedes-Benz Vans kann sich mit diesem Sprinter als Platzhirsch behaupten. Der Innenraum ist übersichtlich und freundlich gestaltet, der Komfort der Sitze ist vorbildlich. Lediglich das Infotainment in Form eines riesigen Ghettoblasters mit Lüftungsdüsen statt Lautsprechern stellt die Designlinie kurz in Frage. Die Lenkradfernbedienung mittels berührungsempfindlicher Bedienfelder ist für Handwerker zudem überflüssig und mit sandigen oder staubigen Fingern kaum zu bezwingen. Als kleines Verarbeitungs-No-Go gehen die Türen schwer zu und müssen oft ein weiteres Mal mit Nachdruck ins Scharnier geworfen werden. Das mag der verbesserten Isolation geschuldet sein, die breitere Türdichtungen erfordert. In der Pkw-Klasse regeln die Schwaben dieses Problem mittels Softclose-Funktion, die es für den Sprinter nicht gibt.

Fazit:

Die Vielseitigkeit des aktuellen Sprinter stellt die Allradpritsche eindrucksvoll unter Beweis. Ein Rundum-Sorglos-Paket bei Mercedes hat mit knapp 60.000 Euro Einstieg selbstverständlich seinen Preis. So konfigurieren nur diejenigen ihren Sprinter, die ein unersetzbares Einsatzfahrzeug benötigen, welches vor allem mit Langstreckenkomfort und Offroad-Fähigkeiten glänzen muss. Tipp: Echte Handwerker bestellen den Sprinter mit normalen Lenkradtasten.

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Daten Mercedes-Benz Sprinter 319 CDI 4x4 Pritsche

  • Abmessungen (L x B x H) in m: 6,16 x 2,10 x 2,44
  • Motor: Vierzylinder-Turbodiesel OM 654, 1.950 ccm
  • Leistung: 190 PS (140 kW)
  • Max. Drehmoment: 450 Nm bei 1.350 U/min
  • Antrieb: 9-G-Tronic, Allradantrieb mit Torque-on-Demand
  • WLTP-Verbrauch: 9,5 Liter
  • Testverbrauch: 12 Liter (500 kg Zuladung)
  • Leergewicht: 2.514 kg
  • Nutzlast: 986 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Radstand: 3,67 m
  • Preis Grundfahrzeug: 59.687 Euro

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