Dann sollten Arbeitgeber eine wöchtliche Arbeitszeit festlegen.
Foto: marcus_hofmann - Fotolia.com

Arbeitsrecht

Minijob auf Abruf: wöchentliche Arbeitszeit festlegen

Wer seine Minijobber auf Abruf beschäftigt, sollte eine wöchentliche Arbeitszeit vertraglich festschreiben. Sonst droht die Sozialversicherungspflicht.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Für Minijobber, die auf Abruf arbeiten, gilt unter Umständen die Sozialversicherungspflicht.
  • Der Grund: Das Teilzeit- und Befristungsgesetz legt seit 1. Januar eine fiktive Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche fest, wenn nichts anderes vereinbart ist. Außerdem ist der gesetzliche Mindestlohn auf 9,19 Euro gestiegen.
  • Wer den Urlaubsanspruch seiner Minijobber nicht erfüllt, riskiert ebenfalls, dass der Verdienst 450 Euro im Monat übersteigt. Damit werden sie sozialversicherungspflichtig.

Wer Minijobber auf Abruf beschäftigt, hat nicht immer ein fixe Stundenzahl pro Woche im Vertrag vereinbart. Stattdessen kommen die Arbeitskräfte, wenn sie am dringendsten gebraucht werden. Bislang kollidierte diese Praxis nicht mit der Sozialversicherungspflicht. Doch seit dem 1. Januar hat sich das geändert.

20 statt 10 Stunden werden zugrunde gelegt

Zwei Neuerungen können die Kombination aus Minijob und Arbeit auf Abruf für Arbeitgeber problematisch werden lassen. „Zum einen wurde der Mindestlohn zum 1. Januar von 8,84 Euro auf 9,19 Euro erhöht“, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Peter Meyer von der Kanzlei Weimann und Meyer. „Außerdem wurde Paragraf 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes geändert.“ Und darin steckt Sprengstoff, erläutert der Anwalt. Denn wenn im Arbeitsvertrag keine wöchentliche Arbeitszeit festgelegt ist, werden seit dem 1. Januar automatisch 20 Wochenstunden angenommen. Bislang waren es nur zehn.

Kein Firmenwagen für Ehefrau mit Minijob

Ein Firmenwagen zur uneingeschränkten privaten Nutzung – für eine Ehefrau mit Minijob? Zu viel, sagt der Bundesfinanzhof und kassiert Betriebsausgabenabzug.
Artikel lesen >

Minijobber überschreiten Sozialversicherungsgrenze

Die Problematik der Gesetzesänderungen zeigt sich, wenn man nachrechnet. Zugrunde gelegt werden der gesetzliche Mindestlohn, die angenommenen 20 Wochenstunden Arbeitszeit sowie die durchschnittliche Wochenanzahl pro Monat.

  • Mindestlohn 9,19 Euro x 20 Stunden pro Woche x 4,33 Wochen im Monat ergeben 796 Euro.

„Damit ist die Grenze zur beginnenden Sozialversicherungspflicht von 450 Euro monatlich deutlich überschritten“, betont Rechtsanwalt Peter Meyer. „Fällt dies bei einer Betriebsprüfung auf, muss der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen, im schlimmsten Fall für vier Jahre rückwirkend.“

Er rät dazu, eine Mindestarbeitszeit von zehn Stunden im Arbeitsvertrag festzulegen, die dann auch regelmäßig bezahlt werden müssen. „Das ergibt im Monat 398 Euro.“ Auch wenn der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro steigt, bleibt der Verdienst unter 450 Euro.

Durch vergessenen Urlaub über die 450-Euro-Grenze

Eine weitere Falle für Arbeitgeber, die Minijobber dicht an der Grenze zur Sozialversicherungspflicht beschäftigen, ist deren Urlaubsanspruch, warnt Meyer: „Viele Arbeitgeber vergessen, dass auch Minijobber, die nur zwei Mal in der Woche kommen, Anspruch auf den gesetzlichen Urlaub haben.“ Das sind 24 Tage im Jahr, gerechnet auf eine 6-Tage-Woche. Arbeitnehmer, die zwei Tage die Woche arbeiten, haben Anspruch auf acht bezahlte Tage Urlaub im Jahr, so Meyer.

„Stellt der Betriebsprüfer fest, dass Minijobber keinen bezahlten Urlaub erhalten haben, wird bei einer Betriebsprüfung der Urlaubsanspruch auf die Arbeitszeit und den Verdienst aufgeschlagen“, betont Arbeitsrechtler Meyer. Je nachdem, wie dicht der Lohn der Minijobber an der 450 Euro-Grenze liegt, könne auch hier die Pflicht zur Sozialversicherung einsetzen.

Auch interessant:

Sozialversicherung: Diese Rechengrößen gelten 2019

Wegen gestiegener Löhne steigen im kommenden Jahr die Sozialversicherungsrechengrößen. Relevant ist das für alle, die freiwillig gesetzlich versichert sind.
Artikel lesen >

Bewerber wollen künftigen Lohn kennen

Umfrageergebnis: Die Mehrheit der Jobsuchenden wünscht sich Gehaltsangabe in Stellenanzeigen. Dabei bevorzugen sie die Angabe einer Mindestvergütung.
Artikel lesen >

Mindestlohn gilt auch in der Familie!

Der Mindestlohn ist beschlossene Sache. Auch Familienmitglieder haben darauf Anspruch. Doch es gibt viele Sonderfälle. Was genau für die mitarbeitende Partnerin, Kinder oder Eltern gilt, erfahren Sie hier.
Artikel lesen >
Wenn Sie Ihre Augen tagsüber nur mit Streichhölzern offen halten können, sollten Sie handeln.
Foto: Yuriy Shevtsov - stock.adobe.com

Work-Life-Balance

5 Tipps gegen Schlaflosigkeit bei Stress im Job

Wer nachts nicht abschalten kann, wälzt sich oft schlaflos hin und her. Doch Sie können etwas tun für erholsamen Schlaf.

Für Handwerker und Betriebe hat die BG Bau für den richtigen Hitze- und UV-Schutz zusammengestellt.
Foto: artea_art - stock.adobe.com

Tipps für richtigen Hitze- und UV-Schutz

Hitze auf dem Bau: So schützen Sie Ihre Mitarbeiter

Arbeit auf dem Bau bei mehr als 30 Grad? Das ist nicht angenehm und birgt Risiken. Mit diesen Tipps sorgen Sie für Hitze- und UV-Schutz.

Das fordert ZDH-Präsident Wollseifer für Auszubildende und ihre Betriebe.
Foto: Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Mehr Wertschätzung für Ausbildung

Wollseifer will Sozialabgaben für Azubis streichen

Handwerkspräsident fordert Gleichstellung mit der akademischen Ausbildung und mehr Wertschätzung für Ausbildungsbetriebe.

Wolfgang Breitner, Chef des Gebäudereiniger-Betriebs Breitner Clean Team in Obernkirchen.
Foto: Martina Jahn

Personal

Integration: Experimentieren für den Erfolg

Für Wolfgang Breitner ist Integration gelebter Alltag. Mit seinem Team geht er dafür manchmal auch unbequeme Wege – und hat damit Erfolg.