Versicherungspflichtgrenze steigt 2024: Wer in die private Krankenversicherung wechseln will, muss deutlich mehr verdienen.
Foto: Zerbor - stock-adobe.com
Versicherungspflichtgrenze steigt 2024: Wer in die private Krankenversicherung wechseln will, muss deutlich mehr verdienen.

Inhaltsverzeichnis

Politik und Gesellschaft

Sozialversicherung: Für Gutverdiener steigen 2024 die Abgaben

In der Sozialversicherung steigen 2024 die Beitragsbemessungsgrenzen und die Bezugsgröße. Welche Folgen hat das für Selbstständige?

Auf einen Blick:

  • Durch die Anhebung der Bezugsgröße steigt 2024 der Regelbeitrag für Selbstständige, die sich in der gesetzlichen Rentenversicherung absichern müssen. Im Westen steigt der Beitrag um rund 26 Euro pro Monat und im Osten rund 32 Euro.
  • Der Mindestbeitrag für Selbstständige, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, wird ebenfalls angehoben. Wie hoch der Tarif im Einzelfall ist, hängt allerdings von zwei Faktoren ab.
  • 2024 wird der Wechsel in die Private Krankenversicherung deutlich schwerer, weil die Versicherungspflichtgrenze um 2.700 Euro steigt.

In vielen Bereichen steigen aktuell die Kosten: Auch in der Sozialversicherung müssen sich Selbstständige und Beschäftigte mit höherem Einkommen für 2024 auf steigende Abgaben einstellen. Grund dafür ist die turnusmäßige Anpassung der Bezugsgröße und der Beitragsbemessungsgrenzen. Welche Werte für das kommende Jahr gelten sollen, hat die Bundesregierung jetzt per Verordnung beschlossen.

Neue Bezugsgröße: Welche Folgen hat 2024 das für Selbstständige?

Demnach soll die Bezugsgröße im Westen auf 3.535 Euro im Monat (2023: 3.395 Euro) steigen, im Osten wird sie auf 3.465 Euro (2023: 3.290) angehoben. In der Sozialversicherung wird dieser Wert für verschiedene Berechnungen genutzt. Für Selbstständige ist die Bezugsgröße zum Beispiel relevant, wenn sie

  • in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig sind oder
  • den Mindestbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen.

[Tipp: Bleiben Sie bei politischen Entscheidungen, die das Handwerk betreffen auf dem Laufenden – mit dem kostenlosen handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!]

Rentenversicherung: So hoch ist Regelbeitrag für Selbstständige 2024

Laut Bundesarbeitsministerium wird Selbstständigen, die sich in der gesetzlichen Rentenversicherung absichern müssen, bei der Beitragsberechnung ein „fiktives“ Arbeitseinkommen in Höhe der Bezugsgröße unterstellt. Der Beitrag wird dann mit folgender Formel berechnet:

Bezugsgröße x Beitragssatz / 100 = Regelbeitrag.

Mit diesem Beitrag erwerben Selbstständige pro Jahr etwa einen Entgeltpunkt als Rentenanwartschaft.

Digitale Rentenübersicht: Anmeldung auch für Selbstständige sinnvoll?

Seit Ende Juni gibt es die Digitale Rentenübersicht, bei dem Portal kann sich jeder anmelden. Welche Daten Sie dafür benötigen und welche Infos Sie dort bekommen.
Artikel lesen

Aktuell liegt der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung bei 18,6 Euro. Für 2024 ergibt sich daraus ein Regelbeitragssatz von monatlich 657,51 Euro im Westen (2023: 631,47 Euro). Im Osten wird er bei 644,49 Euro im Monat liegen (2023: 611,94 Euro). Das Bundesarbeitsministerium weist allerdings darauf hin, dass es für Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung zwei Alternativen zum Regelbeitrag gibt:

  • Möglichkeit 1: In den ersten drei Jahren der Selbständigkeit können Selbstständige den halben Regelbeitrag zahlen.
  • Möglichkeit 2: Selbständige können auch Rentenversicherungsbeiträge zahlen, die sich nach ihrem tatsächlichen Arbeitseinkommen richten. Voraussetzung ist, dass sie entweder ein niedrigeres oder ein höheres Arbeitseinkommen nachweisen können.

Krankenversicherung: So hoch ist der Mindestbeitrag 2024

Wie hoch der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist, hängt in der Regel vom Einkommen ab. Anders ist das bei Selbstständigen, die relativ geringe Einnahmen haben. Sie zahlen in der GKV einen Mindestbeitrag. Der wird auf Basis der Mindestbemessungsgrundlage festgesetzt. Sie wird wie folgt berechnet:

Mindestbemessungsgrundlage = (Bezugsgröße/90)x30.

GKV-Mindestbeitrag: Was Selbstständige wissen müssen

Der GKV-Mindestbeitrag für Selbstständige ist zum Jahreswechsel deutlich gesunken. Doch was bedeutet das? Hier die 5 wichtigsten Fragen und Antworten.
Artikel lesen

Laut Bundesarbeitsministerium steigt die Mindestbemessungsgrundlage infolge der neuen Bezugsgröße um 4,1 Prozent und liegt 2024 damit bei 1.178,33 Euro pro Monat (2023: 1.131,67 Euro). Auf dieser Grundlage lässt sich der Mindestbeitrag berechnen:

  • Fall 1: Selbstständige, die eine Krankenversicherung mit Anspruch auf Krankengeld haben, zahlen den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Das ergibt für 2024 einen Beitrag von mindestens 172,04 Euro.
  • Fall 2: Wer ohne Anspruch auf Krankengeld versichert ist, zahlt den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent für die Krankenversicherung. Der Beitrag für Selbstständige liegt im kommenden Jahr somit mindestens bei rund 165 Euro.

Zusätzlich wird in beiden Fällen aber noch der kassenindividuelle Zusatzbeitrag fällig.

2023 zahlen Selbständige in der Techniker Krankenkasse zum Beispiel 178,80 Euro beziehungsweise 172,01 Euro pro Monate inklusive dem Zusatzbeitrag von 1,2 Prozent.

Welche Beitragsbemessungsgrenzen 2024 gelten sollen

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine wichtige Rechengröße im deutschen Sozialversicherungsrecht. Sie legt fest, bis zu welcher Einkommenshöhe Beiträge zur Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung gezahlt werden müssen.

  • Die Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung und in der Arbeitslosenversicherung soll laut Verordnung im Westen auf 7.550 Euro pro Monat steigen und im Osten auf 7.450 Euro.
  • Gegenüber 2023 entspricht das einem Plus von 250 beziehungsweise 350 Euro monatlich.
  • Bundeseinheitlich ist hingegen die Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung. Sie soll 2024 auf 5.175 Euro im Monat steigen. Das sind monatlich 187,5 Euro mehr als 2023.

Versicherungspflichtgrenze steigt 2024

Die Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung wird 2024 auf 69.300 Euro angehoben. Im Vergleich zu 2023 steigt die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze damit um 2.700 Euro. Das bedeutet: Der Wechsel in die private Krankenversicherung wird damit schwerer.

Wann treten die neuen Sozialversicherungsrechengrößen in Kraft

Die Bundesregierung hat die Verordnung Mitte Oktober beschlossen. Bevor sie in Kraft treten, muss der Bundesrat der Verordnung zustimmen.

Mehreinnahmen für die Sozialversicherung?

Ob die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen mehr Geld in die Kassen der Sozialversicherung spülen wird, bleibt abzuwarten. Der Bund gibt dazu keine Prognose ab. Begründung des Bundesarbeitsministeriums: Die Gesamteinnahmen der Sozialversicherung hängen nicht nur von der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenzen ab, sondern auch von der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sowie der Entwicklung von Löhnen und Gehältern.

Tipp: Sie interessieren sich für politische Entscheidungen, die das Handwerk betreffen? Mit dem Newsletter von handwerk.com bleiben Sie auf dem Laufenden. Jetzt anmelden!

Auch interessant:

Für Gutverdiener steigen die Sozialabgaben 2023

Im kommenden Jahr steigen die Sozialversicherungsbeiträge für Besserverdiener. Auch Selbstständige zahlen dann mehr für Kranken- und Rentenversicherung.
Artikel lesen

Sozialversicherung: Diese Beiträge gelten 2023 für Arbeitgeber

In der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung tragen Arbeitgeber je die Hälfte des Beitrags. Anders sieht es seit dem 1. Juli in der Pflegeversicherung aus.
Artikel lesen

GKV-Mindestbeitrag: Was Selbstständige wissen müssen

Der GKV-Mindestbeitrag für Selbstständige ist zum Jahreswechsel deutlich gesunken. Doch was bedeutet das? Hier die 5 wichtigsten Fragen und Antworten.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.

Corona

Corona: Erleichterte Stundung für Sozialversicherungsbeiträge

Handwerksbetriebe und Selbstständige können sich in der Corona-Krise die Sozialversicherungsbeiträge von den gesetzlichen Krankenkassen stunden lassen. Doch eine Hürde gibt es.

    • Corona, Unternehmensfinanzierung

Corona-Ticker: Kalenderwoche 11

Corona-Krise: Bundesrat billigt Hilfspaket

In einer Sondersitzung hat der Bundesrat finanzielle Hilfsmaßnahmen sowie den Nachtragshaushalt der Bundesregierung verabschiedet. Die wichtigsten Entscheidungen im Überblick und weitere Infos zum Coronavirus – laufend aktualisiert.

    • Corona, Politik und Gesellschaft
Ab 1. Juli greift die Pflegereform: Insbesondere für Mitarbeitende ohne Kinder wird der Beitrag deutlich teurer.

Personal

Sozialversicherung: Diese Beiträge gelten 2023 für Arbeitgeber

In der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung tragen Arbeitgeber je die Hälfte des Beitrags. Anders sieht es seit dem 1. Juli in der Pflegeversicherung aus.

    • Personal

Corona

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen: Wie geht es weiter?

Im Mai können von der Corona-Krise betroffene Betriebe zum letzten Mal das vereinfachte Stundungsverfahren für Sozialversicherungsbeiträge nutzen. Danach gelten andere Regeln.

    • Corona, Unternehmensfinanzierung