Die Betriebsnachfolge im Handwerk will gut geplant sein.
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Strategie

Betriebsnachfolge: Wie Sie den Generationswechsel managen

Möchten Sie beim Generationswechsel die Nase vorn haben? Dann sollten Sie früh aktiv werden und dabei in vier Schritten vorgehen, rät ein Kammerexperte.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Arbeiten ist nicht alles. Überlegen Sie daher rechtzeitig, wie Sie Ihren Ruhestand gestalten möchten.
  • Überlegen Sie, wer als Nachfolger in Frage kommt: Ein Familienmitglied? Ein vielversprechender aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter? Ein externer Interessent?
  • Gehen Sie bei der Planung systematisch vor und erarbeiten Sie ein eigenes Nachfolgekonzept.
  • Geben Sie Ihrem Nachfolger vor der Betriebsübergabe genügend Zeit, sich mit Kunden, Marktsituation und Betriebsabläufen vertraut zu machen.

In den nächsten fünf Jahren stehen große Umwälzungen bevor: Rund 13 Prozent der deutschen Handwerksunternehmer wollen bis 2022 ihren Betrieb übergeben. 45 Prozent dieser 130.000 übergabewilligen Chefs gaben 2017 an, noch keinen Nachfolger gefunden zu haben. Das geht aus den Zahlen des Mittelstandspanels der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hervor. Manfred Hein, Betriebsberater der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, plädiert für einen reibungslosen Betriebsübergang in vier Schritten.

Die eigene Situation analysieren

Spätestens fünf Jahre vor dem angestrebten Ruhestand sollte man Manfred Hein zufolge damit beginnen, sich mit dem Thema Nachfolge zu beschäftigen. Wichtig sei zunächst, Lebensziele für sich zu definieren und die eigene finanzielle Situation zu analysieren: Wie lange möchte ich noch arbeiten, und wie werde ich danach meine Tage ausfüllen? Wie steht es um meine Vermögens- und Erbschaftsverhältnisse und um meine Altersvorsorge? Diese Fragen seien mit Hilfe von Steuerberatern und anderen Experten zu klären.

Systematisch Nachfolger suchen

Als Nächstes gilt es auszuloten, wer überhaupt als Nachfolger in Betracht kommt: Gibt es in der Familie jemanden, der oder die aus Ihrer Sicht geeignet ist, den Betrieb weiterzuführen? Kommt ein aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter als Nachfolger in Frage? „Mitarbeiter haben den Vorteil, dass sie die internen Abläufe, den Kundenkreis und die Marktsituation schon relativ gut kennen“, hebt Manfred Hein hervor.

Außerdem bliebe noch die Variante, nach externen Interessenten Ausschau zu halten, die das Unternehmen kaufen oder sich daran beteiligen. Allerdings haben sich drei Viertel der mittelständischen Existenzgründer laut KfW im Jahr 2016 dazu entschieden, neu zu gründen, anstatt auf bestehende Strukturen zurückzugreifen. „Sie ziehen es vor, erst einmal mit einem kleineren Kapitalaufwand anzufangen und sich dann weiterzuentwickeln“, sagt der Betriebsberater.

Die Betriebsübergabe planen

Als Nächstes ist die Übergabeform festzulegen: Soll der Übernehmer einen Kaufpreis, eine Rente oder eine Pacht an den Altinhaber zahlen? Und wie lässt sich das Unternehmen überhaupt bewerten, so dass beide Seiten damit leben können? Bei der Unternehmensbewertung wird Manfred Hein häufig als neutraler Berater hinzugezogen. Für Maschinen- und Inventarbewertungen schaltet er eine darauf spezialisierte Kollegin ein. Hein hilft auch bei der Ausarbeitung von Nachfolgekonzepten und Businessplänen, die für Kreditverhandlungen mit den Banken erforderlich sind. Dann ist ein konkreter Übergabetermin festzulegen und die erforderlichen Verträge sind unterschriftsreif vorzubereiten.

Die Nachfolger einarbeiten

Schließlich gilt es, die Nachfolger frühzeitig an ihre Aufgaben heranzuführen. Bei externen Kandidaten hält Manfred Hein die „Angestelltenlösung“ für eine gute Möglichkeit: Der Unternehmer schließt zunächst einen Arbeitsvertrag mit seinem Nachfolger und beide arbeiten dann gemeinsam auf einen Übergabestichtag hin. Für den Besitzerwechsel setzen sie eine Absichtserklärung (Letter of Intend), einen Vorvertrag oder bereits einen Kaufvertrag auf. Der Nachfolger kann auf diese Weise in seine neue Rolle hineinwachsen und hat nicht gleich die volle Führungsverantwortung.

Wichtiger Hinweis: Bei den niedersächsischen Handwerkskammern gibt es vier spezielle Nachfolgemoderatoren, die Informationsveranstaltungen zum Thema organisieren und Erstgespräche mit den Ratsuchenden führen. Sie arbeiten eng mit den Betriebsberatern der Kammern zusammen.

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